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Europa

Frankreich: Bargeld kofferweise

Schwarze Kassen sind in Frankreich legal - als Teil der Parteienfinanzierung. Die Ermittlungsrichter haben viel zu tun, die Bürger resignieren.

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Der Euro rollt in Frankreich - des öfteren auch in die falschen Taschen.

Wenn von Korruption und Klüngel in einem Nachbarland die Rede ist, entlockt das einem Franzosen nur ein müdes Lächeln. In Paris vergeht keine Woche, in der nicht von Vetternwirtschaft und von dubiosen Parteispenden, von neu eröffneten Ermittlungsverfahren oder anstehenden Prozessen die Rede ist. Dank forscher Untersuchungsrichter häufen sich seit Jahren Berichte über Affären und Schmiergelder, über gut dotierte fiktive Jobs, Machtmissbrauch sowie illegale Parteispenden.

Hunderte Millionen Euro Schmiergelder

Was alle anderen Affären dabei mühelos in den Schatten stellt, das kam nach siebeneinhalbjährigen Ermittlungen im Januar zu einem ersten Schlusspunkt. So lange brauchten die Untersuchungsrichter, um etwas Licht in das Dickicht um den ehemaligen Staatskonzern Elf Aquitaine zu bringen. Es geht um hunderte Millionen Euro an Schmiergeldern, die aus den Elf-Kassen umgeleitet worden sein sollen.

Roland Dumas, Außenminister in bewegter Zeit unter dem sozialistischen Präsidenten Mitterrand, wurde in einem Teilverfahren der Elf-Affären in erster Instanz bereits zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Ermittelt wird in gleich mehreren Geld-Affären auch gegen den rechten Ex-Innenminister Charles Pasqua.

Bares für treue Staatsdiener

Bargeld kofferweise, das war an der Seine lange schlicht Brauch. Erst seit einigen Jahren regelt ein Gesetz klarer die Bedingungen der Parteienfinanzierung. "Schwarze Kassen" gehörten lange Jahre zum Geschäft. Aus ihnen wurden besonders treue Staatsdiener bar bedient.

Der jetzige Staatsprädident und frühere Oberbürgermeister von Paris, Jacques Chirac, soll Reisen nach Rom, Tunesien und auf die Insel Mauritius für sich oder seine engste Entourage in bar bezahlt haben - Mitarbeiter schleppten Geld-Koffer mit insgesamt drei Millionen Franc (über 450.000 Euro) zum Reisebüro. Chirac erklärte, dabei sei alles mit rechten Dingen zugegangen. Seine Immunität schützt ihn vor zu hartnäckigen Untersuchungsrichtern.

Jede Woche ein neues Kapitel im Polit-Thriller

Millionen-Schmiergelder bei der Vergabe von öffentlichen Bauaufträgen, fiktive Honorare als bequeme Einnahmequelle, Geldwäsche im Zuge illegaler Waffengeschäfte und die Bestechung von Politikern: All dies ist Teil des Pariser Polit-Thrillers. Und der ist schon eine stattliche Zahl von Kapiteln lang. Franzosen reagieren achselzuckend auf jeden neuen Verdacht. (dpa/jf)

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