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Wirtschaft

Frankfurter Parketthandel im Umbruch

Die Deutsche Börse stellt ihren Parketthandel komplett auf das Computersystem Xetra um. Die Menschen, die bislang im Börsensaal arbeiten, werden dadurch aber nicht überflüssig. Und die Börse erhofft sich mehr Umsatz.

Händler arbeiten am in der Börse in Frankfurt am Main (Foto: dpa)

Bekannte Kulisse: das Börsenparkett in Frankfurt

Börse - das hieß früher: ein Pulk von laut schreienden und wild gestikulierenden Menschen, die in kurzer Zeit viel Geld bewegen. An den meisten Börsen sind diese Zeiten längst vorbei. Wie in vielen Lebensbereichen dominieren auch hier Computer das Geschäft und dennoch: Es gibt immer noch das Börsenparkett, an dem Händler vor Ort agieren, wenn auch weniger auffällig. So in Frankfurt, am wichtigsten deutschen Handelsplatz. Allerdings hat der Börsenbetreiber, die Deutsche Börse AG, beschlossen, dass auch hier der Parketthandel am 23. Mai 2011 in seiner jetzigen Form endgültig zu Ende sein soll.

Besuch im Börsensaal

Fidel Helmer (Foto: DW/Insa Wrede)

Helmer: Seit über 40 Jahren im Börsensaal

Seit mehr als 200 Jahren befindet sich der Frankfurter Börsensaal am Börsenplatz Nummer vier in einem altehrwürdigen Gebäude. An den großen schwarzen Tafeln klackern die weißen Zahlen, die die aktuellen Kurse anzeigen. Es ist seit über 40 Jahren auch der Arbeitsplatz von Fidel Helmer. Er ist der ehemalige Leiter des Wertpapierhandels bei der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Jetzt im Ruhestand arbeitet er als Berater für die Bank und ist immer noch jeden Tag auf dem Parkett.

Zu Anfang seiner Berufszeit machten die Händler jeden Mittag auf dem Parkett ihre Geschäfte - damals natürlich alles noch manuell, erinnert sich Helmer. "Dann wurde im Börsensaal, wo sich einige Hundert Menschen bewegten, heftig hin und her gerufen. Als Kommunikationsmittel gab es lediglich ganz normale Telefone und Fernschreiber. Und es ging ziemlich laut zur Sache." Das sei ja auch die ursprüngliche Idee gewesen, dass die Börse ein Marktplatz ist, an dem auch Informationen ausgetauscht werden.

Arbeitsumfeld der Händler

Heute durchqueren die Händler meist nicht mal mehr die Sicherheitsschleuse, sondern schalten einfach ihre Computer ein - irgendwo auf der Welt. Man begegnet sich anonym, auf dem virtuellen Markplatz. Vor Jahren hat die Deutsche Börse das Computersystem Xetra eingeführt, auf dem inzwischen rund 95 Prozent der Wertpapiere gehandelt werden - von morgens bis abends. Hier treffen die Kauf- und Verkaufsaufträge von jedem beliebigen Standort weltweit aufeinander und werden - wenn Stückzahl und Preis übereinstimmen - automatisch ausgeführt.

Carsten Sommerfeld (Foto: DW/Insa Wrede)

Sommerfeld: Auch künftig müssen Menschen für stabile Preise sorgen

"Für die großen Papiere braucht man auf dem Parkett keine Händler", sagt Carsten Sommerfeld, Chefhändler bei der Wertpapierhandelsbank Tradegate. "Es sind ausreichend Kauf- und Verkaufsorders vorhanden, damit der Handel voll automatisch ablaufen kann." Die Menschen auf dem Parkett bräuchte man für die wenig gehandelten deutschen Papiere, beziehungsweise für ausländische Aktien, die auf dem Frankfurter Parkett gehandelt würden. Da für diese Papiere nicht genügend Kauf- und Verkaufaufträge vorliegen, müssten sich die Skontroführer darum kümmern, dass stabile Preise zustande kommen. Denn würde man beispielsweise von Aktien, die wenig gehandelt werden, eine große Anzahl verkaufen wollen und solch einen Verkaufsauftrag einfach in den Computer eingeben, würde wegen der fehlenden Kaufaufträge der Preis der Aktie massiv fallen.

Kompletter Übergang auf Xetra

Skontroführer in der Frankfurter Börse (Foto: DW/Insa Wrede)

Das Geschäft der Skontroführer läuft schon lange am PC

Nun sollen aber künftig alle Aktien auf Xetra gehandelt werden - auch die illiquiden. Wenn das menschliche Eingreifen aber bisher nötig war - wie soll es dann künftig ohne Parketthandel funktionieren? "Der Parketthandel als Funktion, der wird weiter gebraucht!" sagt Wolfgang Gehrke, Mitglied des Börsenrates. Mit anderen Worten müssen auch in Zukunft Menschen in den Handel eingreifen, damit die Preise von weniger gehandelten Papieren stabil bleiben. Die Skontroführer, die künftig dann Spezialisten heißen, müssen sich also auch weiterhin um die wenig gehandelten Papiere kümmern - nur auf einer anderen technischen Plattform, nämlich auf Xetra. Außerdem werden sie dann auch selbst eintreten müssen als Käufer oder Verkäufer, erläutert Fidel Helmer. "Das ist dann ein sehr riskantes Geschäft."

Dagegen sei der Ort, wo der Parketthandel stattfindet, bei der Technologie, die man heute habe, nicht mehr das Entscheidende, sagt Wolfgang Gehrke. Theoretisch hätte also schon vor Jahren der Börsensaal geschlossen werden können, denn die Skontroführer brauchen schon lange für ihre Arbeit nur einen Computer - wo auch immer der steht. Für die Medien aber, vor allem für das Fernsehen, war und bleibt das Parkett als Kulisse wichtig. Er gibt dem Zuschauer einen Bezug zur schwer zu durchschauenden Finanzwelt, meint Fidel Helmer. Und diese Kulisse wird den Fernsehzuschauern erhalten bleiben.

Umsatzplus erhofft

Eingang der Frankfurter Börse (Foto: DW/Insa Wrede)

Außenansicht: Das Börsengebäude

Der Deutschen Börse soll die komplette Umstellung auf Xetra vor allem mehr Umsatz, bringen. "Die Umsätze können in zweierlei Hinsicht steigen," erklärt Sommerfeld. "Einerseits haben die Kunden natürlich bessere Preise, sprich es sollte zur Folge haben, dass hier auch mehr Kunden handeln." Außerdem würden über Xetra viel mehr Kunden angesprochen, sagt Sommerfeld. Denn bisher könnten Ausländer so gut wie gar nicht auf das System der weniger gehandelten Papiere zugreifen. "Und Xetra ist natürlich in Europa etabliert und von daher verdoppelt sich quasi die Anzahl der potentiellen Händler hier auf dem Parkett."

Autor: Insa Wrede
Redaktion: Henrik Böhme