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Kultur

Frankfurter Buchmesse ohne Kuba

Die Frankfurter Buchmesse im Oktober muss ohne Kuba auskommen. Das kommunistische Land reagierte damit auf die Absage der Bundesregierung für die Internationale Buchmesse 2004 in Havanna.

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Kubas Präsident Fidel Castro: "Deutschland ist Komplize der USA"

Dass Kubas greiser Diktator Fidel Castro ein Hitzkopf ist, ist bekannt. Auch an Stolz und Trotz mangelt es ihm nicht. Insofern verwundert es kaum, dass der kubanische Verlegerverband seine Teilnahme an der Frankfurter Buchmesse zurückgezogen hat. Ein entsprechender Brief ging am 2.9.2003 bei der Messeleitung ein. "Es ist klar, dass hinter dem Brief das kubanische Kulturministerium steht", sagt Holger Ehling, Sprecher der Buchmesse.

Kubas Gegenzug

Die Absage ist eine Retourkutsche. Denn Deutschland war auf der Internationalen Buchmesse in Havanna im Januar 2004 als so genanntes Schwerpunkt-Land vorgesehen. Doch wegen der Verurteilung von 75 Mitgliedern der Opposition und der Vollstreckung der Todesstrafe in drei Fällen mußte das Auswärtige Amt Mitte August 2003 Position beziehen. "Die Europäische Union hatte schon Anfang Juni diplomatische Sanktionen gegen Kuba vereinbart. Regierungsdelegationen sollten der Insel fernbleiben und der kulturelle Austausch reduziert werden. Dem sind wir nachgekommen", sagte eine Sprecherin. Verlage und Privatpersonen dürfen dennoch nach Kuba reisen, werden allerdings nicht vom Auswärtigen Amt unterstützt. Daher werden wohl nur wenige Autoren und Verlage die Festung San Carlos de la Cabaña, wo die Buchmesse in Havanna eröffnet wird, im Januar 2004 zu Gesicht bekommen.

Kulturelle Annäherungen

In den vergangenen Jahren war der Kulturaustausch zwischen Deutschland und Kuba kontinuierlich intensiviert worden. Ein Kulturabkommen wurde ausgehandelt und auch ein Goethe-Institut sollte in Havanna eingerichtet werden. Deutsche Literatur, Kunst und Musik erfreuten sich auf der Insel großer Wertschätzung. Kubas bekanntester Schriftsteller, Miguel Barnet, hoffte sogar, dass Kuba eine Brückenfunktion zwischen Deutschland und Lateinamerika einnehmen könne.

Doch nachdem Deutschland und andere Mitgliedsländer sich der EU gebeugt haben, herrscht Eiszeit. Denn die EU ist für Kubas Präsident Fidel Castro nicht anderes als das "Trojanische Pferd der USA", Kubas Staatsfeind Nr. 1. Die Veranstalter der Buchmesse in Havanna schrieben daher auch in ihrem Kommuniqué: "Die deutsche Regierung setzt die Entscheidungen der EU um - mit dem Versuch einer in jeder Hinsicht verdammenswerten kulturellen Blockade und in faktischer Komplizenschaft mit der von den Vereinigten Staaten seit 43 Jahren gegen unser kleines Land praktizierten Aggression."

Kubas Kunstszene ohne Einfluss

Die Absage Kubas trifft vor allem die Künstler und Autoren - allesamt Personen, die keine reale Macht besitzen. Doch sind gerade sie es, die in ihrer Kunst vorsichtige Kritik am Staat üben können, diskutieren und ihre Meinung repräsentieren. Daher betrachten Intellektuelle wie der Schriftsteller Arturo Arango Deutschlands Absage für Havanna als großen Fehler, da politische Maßnahmen immer zuerst die Kultur träfen.

Die Frankfurter Buchmesse hofft, dass sich das politische Verhältnis zwischen Kuba und Deutschland bald wieder normalisiert. Pressesprecher Ehling betonte die historische Verbindung Deutschlands zu Kuba. Außerdem seien die Beziehungen zwischen der Frankfurter Buchmesse und Kuba "sehr, sehr gut". - Das wird sich spätestens im Oktober 2004, bei der übernächsten Frankfurter Buchmesse zeigen. (pes)

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