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Fußball

Frankfurt: Zwischen Tradition und Fahrstuhl

Nach der vierten Rückkehr des Bundesliga-Gründervereins ins Fußball-Oberhaus hat Eintracht Frankfurt zunächst nur ein Ziel: nie wieder absteigen! Doch eigentlich will der Traditionsverein weit höher hinaus.

Frankfurts Spieler Karim Matmour (l.-r.), Sebastian Rode, Sebastian Jung, Gordon Schildenfeld und Habib Bellaid feiern den Aufstieg (Foto: dpa/lhe)

Frankfurts Spieler Karim Matmour (l.-r.), Sebastian Rode, Sebastian Jung, Gordon Schildenfeld und Habib Bellaid feiern den Aufstieg

Vom Selbstverständnis her gehört man bei Eintracht Frankfurt ganz und gar nicht dahin, wo man mal wieder hingeraten ist: in den Fahrstuhlbereich zwischen der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga. Gerade konnte man den vierten Abstieg der Vereinsgeschichte korrigieren – immerhin nach nur einem Jahr der Zweitklassigkeit. Doch das häufige Wandern des Traditionsvereins zwischen den Ligen lässt sich wohl kaum mehr als behobenen "Betriebsunfall" abtun.

"Wie immer" feierten mehrere Tausend Fans mit der Eintracht, trotz einer Niederlage im letzten Heimspiel der Saison gegen 1860 München, das neuerliche Ende der Leidenszeit im Fußball-Unterhaus. Perfekt gemacht werden konnte der Aufstieg der Hessen bereits eine Runde zuvor mit einem Sieg bei Alemannia Aachen. Der aktuelle Sportdirektor Bruno Hübner wurde in der Frankfurter Arena auf Händen getragen, der momentane Coach Armin Veh, der seinen auslaufenden Vertrag nach zähen Verhandlungen nun doch um ein weiteres Jahr verlängerte, mit Sprechchören gefeiert.

Das liebe Geld

Doch das Eis, auf dem sich die Frankfurter bewegen, ist dünn, die Bundesliga-Rückkehr war ein Kraftakt und entsprechend teuer. Dafür ist die Eintracht in der vergangenen Saison an die Grenzen des finanziell Machbaren gegangen. "Wir haben in der zweiten Liga unsere Reserven samt und sonders verbraucht", gab Finanzvorstand Axel Hellmann zu und begründete: "Denn ein zweites Jahr zweite Liga hätten wir in dieser Struktur nicht geschafft."

Frankfurt war mit einem Etat von fast 20 Millionen Euro in die vergangene Zweitligasaison gegangen und verbuchte am Ende einen Verlust von rund elf Millionen Euro. Der diesjährige Lizenzspieleretat liege bei 25 Millionen Euro und sei gesichert, sagte Hellmann. "Aber das war verdammt schwierig." Momentan fahre die Eintracht mit ihrem Etat "auf der Naht". Es sei eine Gratwanderung.

Die vergangenen Erfolge

Die Spieler von Eintracht Frankfurt posieren mit dem gewonnenen UEFA-Pokal am 21.05.1980 im heimischen Waldstadion (Foto: Picture-Alliance)

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Dabei denkt man in der Metropole am Main eigentlich in ganz anderen Dimensionen: Mittelmaß hinzunehmen fiel dort immer schon schwer, die oberen Tabellenregionen sollten es schon sein, wenn nicht gar der ein oder andere Titel. Dafür wurde viel getan. Seit der Gründung der Bundesliga beschäftigte die Eintracht mehr als 30 Trainer, darunter namhafte und bestimmt nicht kostengünstige Übungsleiter wie Christoph Daum, Felix Magath und Jupp Heynckes.

Den Eintracht-Fans im Kopf sind aber wohl eher die großen Erfolge, auch wenn sie nun schon einige Jahrzehnte zurückliegen. So wie die Siege im DFB–Vereinspokal in den Jahren 1974, 1975, 1981 und 1988. 1980 gewannen die Frankfurter sogar den UEFA-Cup, damals im rein deutschen Duell gegen Borussia Mönchengladbach. In ihrer Blütezeit konnte die Eintracht sogar mit Weltmeistern in den eigenen Reihen glänzen. Jürgen Grabowski oder Bernd Hölzenbein, der heute die Scouting-Abteilung des Vereins leitet, standen für höhere fußballerische Ansprüche.

Zuvor errang man sogar einmal die Deutsche Meisterschaft, das war 1959, und spielte im Jahr darauf ein legendäres Finale im Europapokal der Landesmeister. Die Partie in Glasgow gegen Real Madrid endete mit einer 3:7-Niederlage, gilt aber bis heute als eins der spektakulärsten Endspiele im Europapokal. Von derlei Erfolgen ist die aktuelle Eintracht zwar meilenweit entfernt, doch als höheres Ziel schweben sie immer noch unterschwellig mit – was es nicht unbedingt leichter macht am Main.

Die harte Realität

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Denn nach dem Wiederaufstieg muss man bei der Eintracht mit ganz anderen Realitäten zu Recht kommen. Entsprechend der finanziellen Situation sucht man im aktuellen Kader vergebens nach großen Stars. Kürzlich konnten die Verpflichtungen von Abwehrspieler Carlos Zambrano vom FC St. Pauli und Stürmer Dorge Kouemaha vom FC Brügge bekannt gegeben werden. Zambrano konnte für drei Jahre an die Hessen gebunden werden, Kouemaha hingegen nur für ein Jahr ausgeliehen werden – allerdings mit Kaufoption.

Trainer Armin Veh hält große Stücke auf Zambrano: "Er hat ein sehr aggressives Zweikampfverhalten und ist noch in einem Alter, in dem er sich entwickeln kann. Er kann ein guter Bundesliga-Spieler werden." Und genau da soll er mit der Eintracht auch weiter spielen – in der Fußball-Bundesliga. Nur bitte: Nie wieder absteigen, denn einen weitern "Betriebsunfall" würde man in Frankfurt wohl kaum verkraften – finanziell auf keinen Fall.