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Wissen & Umwelt

Frankfurt will 100 Prozent Klimaschutz

Frankfurt will Vorreiter beim Klimaschutz sein und sich bis 2050 zu 100 Prozent mit Erneuerbaren Energien versorgen. In einigen Bereichen ist Frankfurt bereits Vorbild, in anderen hakt es. Wie stehen die Chancen?

Die Stadt der Banken, Hochhäuser, der Börse und des Großflughafens bemüht sich seit vielen Jahren um mehr Klimaschutz. Viele Gebäude sind schon besonders effizient und die Stadt hilft Bürgern, Schulen und Unternehmen beim Sparen von Energie. 

Seit 2013 entwickelt Frankfurt zusammen mit Bürgern und Energieinstituten den "Masterplan 100 Prozent Klimaschutz"- eine Vision, wie die Stadt bis zum Jahr 2050 die Hälfte des heutige Energiebedarfs einsparen und den verbleibenden Anteil vollständig aus regenerativen Energien decken kann.

"Der Berechnungen zeigen, dass das geht", sagt Paul Fay vom Energiereferat Frankfurt, der Koordinationsstelle für den Energieumbau. Der Plan sieht vor, dass 50 Prozent dieser erneuerbaren Energien in der Stadt selbst erzeugt werden - vor allem mit Sonnenkraft auf den Dächern und aus Abfall. "Die anderen 50 Prozent Erneuerbare wollen wir aus dem direkten Umland importieren."

Frankfurt am Main Paul Fay (DW/G. Rueter)

Energieexperte Paul Fay erklärt den Masterplan. Ausgearbeitet wurde er von zwei Fraunhofer-Instituten.

Unterstützung für den Klimaschutz

Was kann die Stadt Frankfurt tun, damit der Klimaschutz gelingt? "Es ist ein Bündel von vielen kleinen Maßnahmen, sie wirken alle zusammen", sagt Fay der Deutschen Welle. Im Energiereferat ist er von Anfang an dabei, seit 1990. "Wir beraten, große und kleine Unternehmen, Hausbesitzer, Mieter und Institutionen. Wir zeigen wie man Energie, Geld und CO2 spart, wie Abwärme noch weiter sinnvoll genutzt werden kann, zum Beispiel aus den Rechenzentren und wo Erneuerbare Energien genutzt werden können."

Das Energiereferat hat über die Jahre ein umfangreiches Wissen aufgebaut. Onlineportal, Datenbanken und Berater helfen konkret, zahlreiche Initiativen und Kampagnen wurden initiiert.

In über 100 Frankfurter Schulen sparen zum Beispiel Schüler, Hausmeister und Lehrer durch bewussten Umgang mit Strom, Wärme und Lüftung viel Energie und werden dafür auch belohnt: Die Hälfte der eingesparten Energiekosten bekommen Schulen und Hausmeister von der Stadt erstattet. Über 500.000 Euro waren es in den letzen Jahren. Für die Schulen sind die Einnahmen hilfreich, Klassenfahrten lassen sich damit beispielsweise leichter finanzieren. 

Eine wichtige Initiative ist auch "Frankfurt spart Strom". Energieberater suchen in Wohnungen und Unternehmen nach Energiefressern und erklären wo gespart werden kann. Die Stadt hilft zudem mit Zuschüssen beim Kauf von LED-Lampen, effizienten Kühlschränken und Pumpen. 

Frankfurt am Main Erneuerbare Energien (DW/G. Rueter)

Strom und Wärme nur mit Solarkraft vom Dach. Ein Energieüberschuss der KEG-Siedlung geht noch an andere Häuser.

Mehr Passivhäuser und mehr Solarenergie

Vorreiter ist Frankfurt vor allem bei den effizienten Gebäuden. Nach Angaben der Stadt haben fast zwei Prozent aller Gebäudeflächen den besonders effizienten Passivhaus-Standard, der Energieverbrauch wurde so stark gesenkt. 

"Als kommunale Wohnungsbaugesellschaft bauen und sanieren wir seit 16 Jahren freiwillig im Passivhaus-Standard. Wir müssen handeln wegen des Klimaschutzes und um die Kosten der Mieter für Energie zu senken", betont Geschäftsführer Frank Junker von der ABG Frankfurt Holding. Über 2500 der 51.000 Wohnungen hat die ABG bereits in den Passivhaus-Standard gebracht, "bis 2021 kommen bei uns noch 6000 hinzu".

Hilfreich war für Frankfurt der Beschluss der lokalen Politk im Jahr 2007: Schulen, Kindergärten und städtische Verwaltungsgebäude werden seitdem nur noch im Passivhaus-Standard saniert, gebaut und auch öffentliche Grundstücke unter diesen Bauvorgaben vergeben. 

Frankfurt entwickelte sich so auch zur Vorzeigestadt für effiziente Gebäude. Architekten kommen aus der ganzen Welt, derzeit wird im Stadtteil Höchst mit dem Bau des weltweit ersten Krankenhaus in Passivhaus-Standard begonnen.

Architekten besuchen Baustelle in Frankfurt (DW/G. Rueter)

Frankfurt 2009: Architekten aus der ganzen Welt wird die Sanierung von alten Wohnblocks zu Passivhäusern erklärt.

Wichtig für Frankfurts Klimaschutz ist auch der regionale Energieversorger Mainova. Rund 10 Prozent aller Gebäude versorgt er mit effizienter Fernwärme und diese wird zu einem großen Teil mit Biogas, Holz und Müll erzeugt.

Neben effizienterer LED-Straßenbeleuchtung und Stromtankstellen für Elektroautos, setzt Mainova zunehmend auf Solarenergie. Mit speziell zugeschnitten Produkten für Hausbesitzer, Gewerbebetriebe und Mieter will das Unternehmen das bisher weitgehend ungenutzte Dachpotenzial in Frankfurt erschließen und damit zugleich die Kosten für den Strom senken. "Wir treiben die Energiewende vor Ort voran und unterstützen aktiv den Klimaschutz", sagt Vorstandschef Constantin Alsheimer.

Wie kann man klimafreundlich leben?

Mit dem "Klimasparbuch Frankfurt" packt die Stadt den Klimaschutz noch von einer weiteren Seite an. Der Ratgeber will die Bürger zum Nachdenken und Mitmachen bewegen, wirbt für einen sparsamen Umgang mit Energie, für einen nachhaltigen Konsum und gibt konkrete Tipps.

Als besonders hilfreich für das Klima sei laut Ratgeber auch ein Umdenken bei der Ernährung und im Verkehr: "Reduzieren Sie tierische Nahrungsmittel und kaufen Sie möglichst Bioprodukte aus der Region", lautet ein Klimatipp. Und: "Lassen Sie das Auto häufiger stehen, fahren Sie mit Fahrrad, Bus oder Bahn und verzichten Sie auf Flugreisen, so oft es geht." 

Deutschland Flughafen Frankfurt (picture alliance/dpa/B. Roessler)

Bisher werden die Schäden für das Klima durch den Flugverkehr gerne und oft ignoriert. Doch die Dimension ist immens.

Torpediert der Flughafen Frankfurts Klimaziele?

Der mit Abstand größte Klimasünder ist in Frankfurt der Flugverkehr. Der durch die Flugzeugstarts verursachte Treibhauseffekt ist rund vier Mal größer als alle anderen Emission in der Stadt zusammen und eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Im Gegenteil: "Die Fluglinien und wir als Betreiber des Flughafens setzen auf Wachstum", betont Pressesprecher Jörg Machacek von der Fraport AG Frankfurt. Von einem Hinweis über die klimaschädliche Wirkung des Fliegens zum Beispiel auf den Tickets, ähnlich wie auf Zigarettenpackung, hält er nichts.

Die Frankfurter Umweltdezernentin Rosmarie Heilig bezeichnet den Flughafen beim Klimaschutz deshalb "als unser großes Dilemma, er verhagelt uns die Bilanz, alles andere wäre Augenwischerei". Mit verschiedenen Maßnahmen würde die Grüne Politikerin den Frankfurter Flugverkehr gerne reduzieren und so die Emissionen deutlich senken. Eine Mehrheit für solch eine Politik sieht sie derzeit jedoch nicht. 

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