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Filme

Fragwürdige Bestseller-Verfilmung: "Die Geisha"

Mit seinem Debütroman "Die Geisha" landete der US-Amerikaner Arthur Golden einen weltweiten Erfolg. Die Verfilmung des romantischen Epos durch Rob Marshall ist weit weniger gelungen.

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Kitsch in pittoresker Kulisse

Die Jahrzehnte umspannende Saga vom Leben eines zum Luxusspielzeug versklavten japanischen Fischermädchens fasziniert mit psychologischem Feingefühl, aufschlussreichen Bildern west-östlicher Historie und facettenreichen Kulturstudien. Die Erwartungen an eine Adaption des Romans für die Leinwand waren entsprechend hoch. Immerhin bietet die glutvolle Geschichte der 1929 als Kind aus einem ärmlichen Küstendorf in die Stadt verkauften Sayuri reichlich Stoff für großes Kino: Liebe, Lust und Leid geben dem Schicksalsepos eine oft geradezu berstende Spannung.

Als bekannt wurde, dass Steven Spielberg die Inszenierung übernehmen würde, stieg die Vorfreude auf die Verfilmung noch an. Schließlich hatte der Star-Regisseur mit Hits wie "Die Farbe Lila" und der "Indiana-Jones"-Trilogie bewiesen, dass er Action und Anspruch, Gefühl und Geschichtsbewusstsein, Kulturbetrachtungen und Kommerz aufs Beste verbinden kann. Doch dann sagte Spielberg wegen Zeitmangels ab, blieb lediglich als einer der Produzenten beteiligt. Rob Marshall, der gerade für seinen Kino-Erstling "Chicago" mehrere "Oscar" eingeheimst hatte, griff zu.

Peinlicher Missgriff

Der Musical-Experte Marshall dampft die Story auf eine Show des Exotischen ein. Vom gehaltvollen Buch bleibt dabei kaum mehr übrig als eine sentimentale Schnulze um zickig-rivalisierende Frauen und Liebesnöte. Allein schon die Besetzung der Rollen ist ein peinlicher Missgriff. Denn sowohl in der Titelrolle der schönen Geisha Sayuri (Zhang Ziyi) wie auch der ihrer ärgsten Rivalin Hatsumomo (Gong Li) sind nicht japanische, sondern chinesische Schauspielerinnen zu sehen. Das mag in westlichen Augen keinen großen Unterschied machen, beweist aber eine Ignoranz, die sich die exportorientierte Traumfabrik nicht mehr leisten sollte. Dass es gegen den Film auch aus diesem Grund wütende Proteste sowohl in Japan wie in China gegeben hat, ist nur allzu verständlich.

Filmszene Die Geisha

Szenenbild aus "Die Geisha" mit Zhang Ziyi

Marshall reduziert die Figur der Sayuri auf den Typ der romantisch verklärten Edel-Dirne. Der politische Hintergrund schrumpft dabei zur pittoresken Kulisse. Das gilt selbst für den Zweiten Weltkrieg, der unwiderruflich den Untergang der Jahrhunderte alten Geisha-Kultur einläutete. Hier mutet er an wie ein Karnevalsausflug von trunkenen Haudegen in Soldatenkostümen. Der Reichtum des Romans wird billigem Kitsch geopfert.

Langeweile - trotz Oberflächenreize

Es ist die Ignoranz, die auch den hiesigen Betrachter misstrauisch macht: Wie sensibel geht solch ein Film mit einer Kultur um, die es so nicht mehr gibt? Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass es noch immer in alten eleganten Teehäusern Japans jene Geishas gibt, die - wie das japanische Wort "gei" verrät - ihre ganz spezielle "Kunst" betreiben. Aber das ist eher nostalgischer Tribut an eine verklärte Vergangenheit als Element des modernen Lebens auf dem Inselstaat.

Bemerkenswert sind allein die handwerklich perfekt servierten Oberflächenreize, wie die bis zum letzten Lampion detailgetreuen stilisierten Tableaus aus dem Japan der 1930er und 1940er Jahre und die Präsenz der exzellenten Schauspielerinnen - neben Zhang Ziyi und Gong Li die Malaysierin Michelle Yeoh. Die drei fernöstlichen Stars sind eine Augenweide. Als Akteurinnen allerdings werden sie aufs Posieren in schicken Kostümen reduziert. Ein weiteres Indiz für die Ignoranz von Rob Marshall und seinem Drehbuchautoren-Team gegenüber der Wirklichkeit und gegenüber der Romanvorlage.

Zur Langeweile gesellt sich die Peinlichkeit. Kein Wunder, dass die Hollywood-Version des nach wie vor überaus lesenswerten Romans selbst das als eher wenig anspruchsvoll geltende US-Publikum kalt lässt und die Kassen weit seltener klingeln als von den Produzenten erhofft. (wga)

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