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Ostmitteleuropa

Frage des Kircheneigentums nach Estland-Besuch des Moskauer Patriarchen weiter ungeklärt

Tallinn, 30.9.2003, ESTNISCHES FERNSEHEN, estn.

Der Patriarch von Moskau und ganz Russland Aleksij II. hat seinen Besuch in Estland beendet. Vor seiner Abreise hatte er ein Treffen mit dem Metropoliten der Estnischen Apostolischen Orthodoxen Kirche Stephanos. Vor seiner Abreise erklärte der Patriarch, er sei mit dem Besuch zufrieden, die Frage des Kircheneigentums müsse aber noch geklärt werden. (...)

(Korrespondentenbericht) (...) Der Patriarch kam mit dem Metropoliten der Estnischen Apostolischen Orthodoxen Kirche zusammen. Nach dem Treffen sagte er, dass, wenn die Eigentumsfrage geklärt sei, über die Kommunionsgemeinschaft diskutiert werden könnte. Metropolit Stephanos erläuterte, Metropolit Kornelius habe im Namen des Moskauer Patriarchats eine Vereinbarung über die Aufteilung des Vermögens unterzeichnet. Die Estnische Apostolische Orthodoxe Kirche habe ihr kirchliches Eigentum dem Staat übertragen und der Staat habe es danach der Estnischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats zur Nutzung übergeben.

(Stephanos, in französischer Sprache, estnische Untertitel) "Uns wird über Dinge berichtet, die uns nicht betreffen. Dieses Eigentum gehört dem Staat; es ist nicht mehr unser Eigentum."

(Korrespondent) Der Metropolit hält es für nicht annehmbar, dass das Eigentumsproblem gleichgesetzt wird mit der Kommunionsgemeinschaft.

(Moderator) Wir haben Tonis Ruutel, Sprecher der Estnischen Apostolischen Orthodoxen Kirche, im Studio. (...)

In Ihrer heutigen Mitteilung unterstreichen Sie, dass das Treffen des Patriarchen und des Metropoliten auf Bitten des Patriarchen stattfand. Warum müssen Sie dies ausdrücklich betonen? Das Treffen war doch wohl im Interesse beider Seiten?

(Ruutel) Ohne Zweifel. Die ganze Geschichte ist aber ein wenig unschmackhaft, denn das Treffen stand bekanntlich nicht auf dem Programm des Patriarchen. Aufgenommen hat der Patriarch es in das Protokoll erst gestern, als er während des Dinners dem Metropoliten Stephanos sagte, dass er gern mit ihm sprechen würde. (...)

(Moderator) Wie war die Stimmung, die Atmosphäre bei diesem Treffen?

(Ruutel) Es war bedauerlich, denn der Patriarch und die zwei Bischöfe, die ihn begleiteten, forderten unzweideutig, dass das Kircheneigentum, das die estnische Kirche des Moskauer Patriarchats nutzt, der Kirche zurückgegeben wird.

(Moderator) War das die einzige Botschaft, die der Patriarch bei seiner Begegnung mit dem Metropoliten zu überbringen hatte?

(Ruutel) Leider ja, denn er hatte sich das zur wichtigsten Aufgabe gemacht. Metropolit Stephanos setzte natürlich woanders an. Er äußerte sich besorgt über die Unfähigkeit der beiden Bruderkirchen zusammenzuarbeiten und gemeinsame Gottesdienste abzuhalten. Genau hier müsse begonnen werden. Sein Vorschlag wurde jedoch strikt abgelehnt und seine Umsetzung wurde von der Frage des Kircheneigentums abhängig gemacht, obwohl die Regierung der Republik ihr bestes getan hat, um diese Kirchen und heiligen Gebäude 50 Jahre lang diesen Kirchen in Pacht zur Verfügung zu stellen. Dies sollte als ausreichende Garantie gelten, denn wie wir wissen, bestand das Problem bisher darin, dass die Kirche des Moskauer Patriarchats aus Furcht um ihre Zukunft ihre Gottesdienste nicht in Frieden abhalten konnte. (...)

(Moderator) Um erneut aus ihrer Pressemitteilung zu zitieren: Sie sagen, Patriarch Aleksij hatte in Estland zwei Aufgaben zu erfüllen - eine moralische und eine religiöse, das heißt erstens, sich bei der estnischen Bevölkerung Sympathien zu erwerben und die Kommunionsgemeinschaft mit Ihrer Kirche einzuführen, in der er getauft wurde und in der sein Vater bis 1945 Priester war. Ihr sehr pessimistischer Gesichtsausdruck sagt mir, dass Ihrer Meinung nach keines dieser Ziele erreicht worden ist.

(Ruutel) Leider ist es so, denn wir haben sehr gehofft...

(Moderator unterbricht) Aber er hat sich bei den Esten Sympathien erworben. Er kam her, er lächelte freundlich, er sprach Estnisch, sprach über seine estnischen Wurzeln, besuchte den Friedhof und das Nonnenkloster, (...)

Was geschieht als nächstes? Die russische Seite hat den Ball wieder einmal an das estnische Gericht weiter gegeben, die estnische Seite aber, insbesondere Ihre Kirche, war nicht gewillt, diese Fragen zu lösen.

(Ruutel) Die Estnische Apostolische Orthodoxe Kirche hat diese Fragen gelöst und dies auf die bestmögliche Art und Weise getan. (...)

(Moderator) Wir wissen sehr genau, wie Moskau, sei es das weltliche oder das religiöse Moskau, Druck auszuüben weiß. Wenn Moskau ganz plötzlich beschlossen hat, einen neuen Kurs einzuleiten und die Vereinbarung, die unterzeichnet worden ist, zu revidieren, was dann?

(Ruutel) Nun, Sie sehen, es gibt keinen vernünftigen Grund für eine Revision der Vereinbarung.

(Moderator) Es fällt mir schwer, all das zu kommentieren. Ich habe aber den Eindruck, dass dahinter ein politisches Ziel steckt. (TS)

  • Datum 01.10.2003
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