1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Frachter und Luxusliner im Kleinformat

Das Berliner Unternehmen Georgi ist zum größten Modellbauer Europas aufgestiegen. Seit 1995 fertigt die Werkstatt Miniexemplare aller Art an: vom Tunnelbohrer bis zum Kreuzfahrtschiff.

Schiffrumpf, ein Schiff im Modell, noch nicht fertig (Foto: DW)

Modellbau ist feinste Handarbeit

Sowohl der Microsoft-Gründer Bill Gates als auch der russische Milliardär und Besitzer des englischen Erstligavereins FC Chelsea, Roman Abramowitsch, haben sich Kleinformate ihrer prunkvollen Luxusyachten vom Modellbauer Reinhard Georgi anfertigen lassen. Zahlreiche Öl-Scheichs aus dem arabischen Raum gehören auch zum illustren Kundenkreis der Berliner Werkstatt. Die Modelle würden nicht mehr aus Holz gebaut, sagt Georgi, heute gebe es schließlich modernere Werkstoffe, zum Beispiel Kohlestoffe oder Glasfaser. Und manchmal seien auch Gold oder Silber dabei.

Wenn die Aida vom Stapel läuft…

Kreuzfahrtschriff Aida auf dem Meer (Foto: Aida)

Wie das Original - so das Modell

Auftraggeber sind unter anderem große Anlagen- und Maschinenbauer, vor allem aber alle wichtigen Werften an der deutschen Nord- und Ostseeküste. So gehört auch die Meyer-Werft in Papenburg zu den Kunden der Berliner Werkstatt. Die Meyer-Werft zählt auf ihrem Geschäftsfeld zu den größten drei Werften der Welt. Bereits mehrere 2000-Betten-Dampfer mit dem Namen "Aida" haben die Papenburger in den letzten Jahren vom Stapel gelassen. Die Luxusliner im Kleinformat kommen allerdings aus der Modellbauschmiede Georgi. Etwa drei Meter lang und detailgetreu sind die Schiffe angefertigt - und wie im Original auf den weiten Meeren auch in Georgis Werkstatt an ihrem typisch roten Mund am Bug leicht zu erkennen. Derartige Modelle kosten zwischen 20.000 und 30.000 Euro. Die Modellbauer arbeiten in der Regel etwa drei Monate an einem Luxusliner.

Detailgetreu bis ins Kleinste

Reinhard Georgi, Chef des Berliner Modellbau-Unternehmens (Foto: DW)

Reinhard Georgi, Chef des Berliner Modellbau-Unternehmens

Die Modelle der "Aida" sind für Ausstellungszwecke bestimmt, wie auch die zahlreichen Yachten, an denen bei Georgi gearbeitet wird. Es ist Feinarbeit, die die Konstrukteure da leisten. Da hängen beispielsweise kleine Rettungsboote an den Seiten einer Yacht, winzige Liegestühle sind auf dem Deck aufgestellt, überdacht von einigen Sonnenschirmen. Und nicht zu vergessen: der Swimmingpool in sattem Meeresblau.

Reinhard Georgi beschäftigt derzeit 25 Mitarbeiter. "Sie können auch Friseur sein von Beruf, man muss nur ein hohes Abstraktionsvermögen haben, also eine gute Vorstellungskraft", sagt Georgi, der seit fast 15 Jahren den kleinen Betrieb leitet. Unter seinen "Tüftlern" sind Mechaniker ebenso wie Schlosser und auch Quereinsteiger, die über Kenntnisse aus dem Hobbymodellbau verfügen. "Und seit einigen Jahren bilde ich auch aus – zum Anschauungsmodellbauer." So heißt der Beruf. Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung.

Miniaturen von riesigen Windanlagen verlassen ebenso die Berliner Werkstatt wie auch Kleinformate für die Firma Herrenknecht, die gigantische Tunnelbohrer baut. Wobei die Bezeichnung Kleinformate in diesem Falle eher eine Untertreibung ist. Denn die Modelle für die Firma Herrenknecht seien nicht selten bis zu sieben Meter lang, so Georgi: "Da kommt dann hier schon mal ein 20-Tonner vorgefahren und dann werden die Modelle oftmals in Segmenten zerlegt und vor Ort wieder montiert".

Statt Computersimulation alt bewährter Modellbau

Modellbauer in der Werkstatt von Reinhard Georgi bastelt an einem Sonnenschirm für ein Schiff

Bis ins Kleinste muß alles stimmen - auch der Sonnenschirm an Deck

Vor allem für Prestige- und Demonstrationszwecke ordern Firmen oder Schiffseigner Modelle aus der Werkstatt Georgi – obwohl sich heute fast alles am Computer zeigen lässt: "Man hat eine zeitlang gedacht, man kann überall Fernseher aufstellen auf Messen und Ausstellungen und per Animation zeigen. Aber irgendwann hat man gemerkt, den Leuten ist das einfach zu langweilig. Und da stellt man besser ein Modell auf, weil mit einem Blick alles zu erfassen ist, was gemeint ist", sagt Reinhard Georgi. Schließlich sehe das auch hübsch aus. Und dann fügt der Berliner mit einem Schmunzeln hinzu: "Männer sind sowieso verspielt, die wollen halt Modelle sehen."

Autor: Monika Lohmüller

Redaktion: Henrik Böhme