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Kultur

Frühwarn-Hühner und Kampfflugzeuge

Ein Virus hält die USA in Atem: Der West-Nil-Virus hat inzwischen große Teile des Landes durchseucht. Doch Experten warnen vor Hysterie.

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Mückenstich: immer lästig, manchmal gefährlich

Es begann im Sommer 1999, als in New York die Krähen starben. Im Sommer 2002 wurde der Virus schon in 41 US-Staaten festgestellt, fast 700 Erkrankungen werden auf ihn zurückgeführt, 32 Menschen sollen an den Folgen gestorben sein.

Das West-Nil-Fieber ist eine von Stechmücken übertragene, beim Menschen nicht allzu schwer verlaufende Virusinfektion. Für mehr als 80 Prozent der Infizierten hat das Eindringen des Virus in die Blutbahn keine spürbaren Folgen, bei etwa 20 Prozent meldet sich die Infektion mit leichten Grippe-Symptomen. Ein Prozent der Infizierten erkrankt ernsthaft, meist an einer schweren Hirnhautinfektion. Von diesen stirbt etwa jeder Zehnte. Vornehmlich sind dies alte und kranke Menschen. Die Gefahr an einer West-Nil-Infektion zu sterben liegt also etwa bei eins zu tausend.

Tote Frühwarn-Hühner

Der Virus verbreitet sich vor allem durch ebenfalls von Mücken infizierten Vögeln. Auf diesem Weg ist die Krankheit in diesem Sommer weit in den Westen der USA vorgerückt. Die Durchseuchung eines Gebietes läuft dabei meist nach dem selben Muster ab: Zunächst sterben Vögel, dann Pferde und schließlich eventuell auch Menschen. Die amerikanische Seuchenkontrollbehörde CDC hat sich daher ein spezielles Frühwarnsystem ausgedacht, um die Präsenz des Virus in einem Gebiet festzustellen: An speziellen strategischen Punkten, etwa den Rastplätzen von Zugvögeln, werden Hühner in Käfigen gehalten. Drei dieser Frühwarn-Hühner sind Ende August in Colorado, dem bislang westlichsten Punkt, tot aufgefunden worden.

Kampfflugzeuge gegen Mücken

Am weitesten verbreitet ist der Erreger momentan aber im schwül-heißen Süden um New Orleans. Die Staaten Louisiana und Mississippi haben sogar den Notstand erklärt. Flugzeuge der US-Army sollen den Überträgern des Virus mit Pestiziden zu Leibe rücken. Ein ebenso altes wie fragwürdiges Rezept: Die New Yorker Stadtverwaltung ließ schon 1999 den Central Park mit Gift einnebeln - ohne Erfolg.

Künftig medizinischer Alltag

Inzwischen sind sich die Fachleute einig, dass der Virus in den USA bei allem Aktionismus kaum mehr auszurotten ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der West-Nil-Virus in den USA zukünftig zum medizinischen Alltag gehören wie die Malaria in den Tropen. Einen Impfschutz gegen den Virus gibt es zwar inzwischen für Pferde, für Menschen jedoch nicht.

Die Prophylaxe-Ratschläge der US-Behörden weisen unterdessen auf eine gewisse Ratlosigkeit hin: Mückenschutzmittel solle man auftragen, eher zu langen Hosen greifen, bevorzugt in hellen Farben - zur Beruhigung der besorgten Bürger haben diese Tipps eher nicht beigetragen. Und auch die Medien taten wenig um Hysterie gar nicht erst aufkommen zu lassen. Sogar über einen B-Waffen-Angriff als Ursache der Epidemie wurde spekuliert.

"Maßlos übertrieben"

"Völliger Unsinn", meint dazu Prof. Herbert Schmitz vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin gegenüber DW-WORLD. Es sei inzwischen geklärt, dass der Virus über erkrankte Reisende aus Israel eingeschleppt worden sei. Überhaupt glaubt Schmitz in der Berichterstattung über den Virus hysterische Züge zu erkennen. Die Gefahr werde "maßlos übertrieben", schließlich sei bei jeder Grippewelle die Mortalität unter den Infizierten deutlich höher. Und eine epidemische Ausbreitung des Virus in mitteleuropäischen Breiten hält Schmitz entgegen kursierenden Berichten ohnehin für ausgeschlossen: Dem Virus ist es hierzulande schlicht und einfach zu kalt.

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