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Wirtschaft

Frühlingsluft am Arbeitsmarkt

Im Frühjahr belebt sich der deutsche Arbeitsmarkt regelmäßig - diesmal hat er sogar den geringsten Arbeitslosenstand seit 24 Jahren erreicht. Experten erwarten jedoch bald eine nachlassende Dynamik.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im April wie für die Jahreszeit üblich gesunken. Mit 2,843 Millionen Arbeitslosen verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit (BA) die geringste Erwerbslosigkeit in einem April seit 1991. Wie die Behörde am Donnerstag in Nürnberg weiter mitteilte, waren dies 89.000 Arbeitslose weniger als im März und 100.000 weniger als ein Jahr zuvor.

Die Arbeitslosenquote ging im Monatsvergleich um 0,3 Prozentpunkte auf 6,5 Prozent zurück. Die positive Entwicklung setze sich fort, erklärte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise. "Auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und die gemeldeten Stellen entwickeln sich weiterhin positiv."

Ein Rückgang der registrierten Arbeitslosigkeit ist im April üblich, weil mit der Besserung des Wetters unter anderem die Beschäftigung in Außenberufen wie am Bau und in der Landwirtschaft steigt. Aber auch unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Einflüsse ging die Erwerbslosenzahl zurück. Saisonbereinigt sank sie laut BA im Vergleich zum März um 8000 auf 2,792 Millionen.

In Zukunft weniger Dynamik

Für die kommenden Monate rechnen die Experten mit einer weniger dynamischen Entwicklung. Gemessen an der Zahl der freien Stellen präsentiert sich der deutsche Arbeitsmarkt aber noch sehr robust. Deutschlands Unternehmen suchen derzeit so viele neue Mitarbeiter wie schon lange nicht mehr. Im April sei die Zahl der freien Stellen saisonbereinigt auf ein Rekordhoch gestiegen, hatte die Bundesagentur für Arbeit (BA) bereits am Mittwoch bei der Veröffentlichung ihres Stellenindexes BA-X mitgeteilt.

Der Index kletterte auf die Bestmarke von 186 Punkten. Das sind zwei Punkte mehr als im März und 20 Punkte mehr als vor einem Jahr. Im April gab es der BA zufolge in vier Fünfteln aller Branchen mehr offene Stellen als vor einem Jahr. Rund zehn Prozent der freien Stellen entfallen auf das Gesundheits- und Sozialwesen. Weitere acht Prozent hätten Unternehmen des Groß- und Einzelhandels gemeldet.

In den kommenden Monaten dürfte der Arbeitsmarkt dagegen nach Einschätzung von Analysten an Dynamik verlieren. Die gute Entwicklung zum Jahresanfang sei möglicherweise durch den milden Winter und den niedrigen Ölpreis etwas überzeichnet gewesen, vermuten die Fachleute.

"Ich könnte mir vorstellen, dass die Dynamik am Arbeitsmarkt nach zwei starken Quartalen ein bisschen nachlassen dürfte", schätzt etwa der DZ-Bank-Volkswirt Michael Holstein. Auch Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld rechnet nicht mehr mit einem so starken Aufschwung wie zuletzt: "Die Bäume wachsen nicht mehr in den Himmel. Es wird auch in den kommenden Monaten sinkende Arbeitslosigkeit geben, aber es dürfte nicht mehr so euphorisch weitergehen."

Für das Gesamtjahr 2015 halten die Ökonomen an ihrer bisherigen Prognose dennoch fest; danach gehen sie von einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen um 100.000 bis 110.000 im Jahresdurchschnitt aus.

wen/ul (afpd, dpa,rtr)