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Kultur

"Frühlingsbotschaft"

Wenn alles grünt und blüht, wenn Mütze und Handschuhe weggepackt sind, wenn Parkbänke und Cafés wieder zum Verweilen einladen - dann ist Frühling. Lesen Sie eine Auswahl der Lieblingsgedichte von DW-WORLD-Usern.

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Von Alessa Semet aus Berlin und Herbert Fuchs aus Lahti/Finnland:

Er ist's

Frühling läßt sein blaues Band

Wieder flattern durch die Lüfte

Süße, wohlbekannte Düfte

Streifen ahnungsvoll das Land

Veilchen träumen schon,

Wollen balde kommen

Horch, von fern ein leiser Harfenton!

Frühling, ja du bist's!

Dich hab ich vernommen!

(Eduard Mörike)

Von Petra Huffmire aus Anaheim in Kalifornien/USA:

Frühlingsgruß

Es steht ein Berg in Feuer,

In feurigem Morgenbrand,

Und auf des Berges Spitze

Ein Tannbaum überm Land.

Und auf dem höchsten Wipfel

Steh ich und schau vom Baum,

O Welt, du schöne Welt, du,

Man sieht dich vor Blüten kaum!

(Joseph von Eichendorff)

Von Rimma Cavallier:

Frühlingsbotschaft

Leise zieht durch mein Gemüt

Liebliches Geläute.

Klinge, kleines Frühlingslied,

Kling hinaus ins Weite.

Kling hinaus bis an das Haus,

Wo die Veilchen sprießen!

Wenn du eine Rose schaust,

Sag, ich lass' sie grüßen.

(Heinrich Heine)

Von Erica Feik:

Aus einem April

Wieder duftet der Wald.

Es heben die schwebenden Lerchen

mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern

schwer war;

zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er leer

war,-

aber nach langen, regnenden Nachmittagen

kommen die goldübersonnten

neueren Stunden,

vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten

alle die wunden

Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.

Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser

über der Steine ruhig dunkelnden Glanz.

Alle Geräusche ducken sich ganz

in die glänzenden Knospen der Reiser.

(Rainer Maria Rilke)

Von Steve Kennedy:

Märztag

Wolkenschatten fliehen über Felder,

blau umdunstet stehen ferne Wälder.

Kraniche, die hoch die Luft durchpflügen,

kommen schreiend an in Wanderzügen.

Lerchen steigen schon in lauten Schwärmen,

überall ein erstes Frühlingslärmen.

Lustig flattern, Mädchen, deine Bänder;

kurzes Glück träumt durch die weiten Länder.

Kurzes Glück schwamm mit den Wolkenmassen;

wollt' es halten, musst' es schwimmen lassen.

( Detlev von Liliencron)

Eduard Mörike (1804 bis 1875) ist ein Dichter der Romantik. Neun Jahre war er evangelischer Pfarrer in einem Dorf im Schwäbischen, bevor er in Stuttgart als Literaturlehrer arbeitete.

Joseph Freiherr von Eichendorff (1788 bis 1857) studierte Jura und Philosophie in Halle und Heidelberg. Er ist einer der bekanntesten Dichter der Romantik und gilt als der volkstümlichste unter ihnen.

Heinrich Heine (1797 bis 1856) schrieb nicht nur Gedichte, sondern auch politisch-zeitkritische Schriften. Er gilt als Wegbereiter des modernen Feuilletons. Seine letzten acht Lebensjahre fristete er in seiner berühmt-berüchigten "Matratzengruft".

Die existenzialistischen Gedichte des Österreichers Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926) erschließen sich nicht beim ersten Lesen. Der Autor hat in halb Europa gelebt, traf Lew Tolstoi, war Sekretär von Auguste Rodin und starb in der Schweiz.

Detlev von Liliencron (1844 bis 1909) ist einer der wichtigsten deutschen Lyriker des Impressionismus. Seine Themen sind Liebe, Krieg und Jagd.

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