1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Alltagsdeutsch – Podcast

Frühling

Schmetterlinge tummeln sich im Frühling nicht nur auf den zahlreichen Blüten, sie befinden sich auch in den Bäuchen vieler Menschen. Und die erste Sonne erwärmt nicht nur die blassen Gesichter, sondern auch die Herzen.

Frühling

"Frühling lässt sein blaues Band

Wieder flattern durch die Lüfte

Süße, wohlbekannte Düfte

Streifen ahnungsvoll das Land

Veilchen träumen schon,

Wollen balde kommen

Horch, von fern ein leiser Harfenton!

Frühling, ja du bist's!

Dich hab ich vernommen!"

(Eduard Mörike 1804 - 1875)

Lenz:

"Gestatten, mein Name ist Lenz. Ich bin der Frühling. Ach, ich liebe es, wenn die Menschen Gedichte über mich schreiben. Generationen von Kindern haben diese Zeilen schon aufgesagt. Das hab ich mir aber auch redlich verdient. Schließlich ist es eine Heidenarbeit, den Winter zu verdrängen. Väterchen Frost zieht sich nämlich nicht gerne zurück, und alle Jahre wieder muss ich ihm ein Schnippchen schlagen, damit die Natur endlich wieder zum Zuge kommt und die zarten Pflänzchen nicht erfrieren. Ist ja auch kein Anblick, wenn alles unter Schneemassen begraben ist. Aber ich sag Ihnen, ich muss schon alle Register ziehen, damit der Frühling so wird, wie ihn die Menschen sich vorstellen."

O-Töne:

"Also Frühling ist für mich die schönste Jahreszeit, nach dem Winter freue ich mich wie ein Schneekönig, dass es endlich wieder heller wird. Man ist überhaupt irgendwie so glücklich, weil die Sonne wieder rauskommt und überall die Blumen wieder anfangen zu blühen und die Bäume duften, ja, dann hat man so Schmetterlinge im Bauch und das ganze Leben wird einfach so ein bisschen rosarot. / Frühling, da sind die Röcke wieder kürzer, die Mädchen werden hübscher, das Wetter ist gut, und man hat die Winterdepression endlich hinter sich gelassen. Ich bin verknallt, verschossen in wunderschöne Sommersprossen. / Alles blüht, alles ist grün und bunt, und die Vögel bauen ihre Nester. / Ja, der Frühling, das ist doch die Zeit, in der man leicht verknallt ist und sich in andere Leute verguckt, ich find, eigentlich ’ne schöne Zeit, wo sich die Natur im Sinne von grün aufmacht, aber auch so mancher Mensch auf Freiersfüßen."

Amor:

"Freiersfüße, das ist mein Stichwort. Herr Lenz hat mich mal wieder unterschlagen. Okay, er sorgt dafür, dass alles grünt und blüht und dass es wärmer wird, aber ich bin es, der die Hormone in Wallung bringt. Sie wissen doch längst, wer ich bin? Natürlich, Amor mein Name, früher nannte man mich auch Cupido. Meinen Liebespfeil haben Sie bestimmt auch schon mal gespürt. Euch Menschen muss man ja immer auf die Sprünge helfen ..."

Amor:

"Jaaa, getroffen!"

Mann:

"Schau mir in die Augen, Kleines."

Frau:

"Ohhh. Ich glaub’, ich hab mich verliebt."

Sprecherin:

Ja, ja, was wäre die Liebe ohne Amors Pfeil. Schon in der Antike hat er Liebespaare zusammen gebracht. Der geflügelte Himmelsbote muss den Menschen auf die Sprünge helfen, er muss ihnen weiterhelfen, damit sie sich ineinander verlieben. Wenn er richtig getroffen hat, dann haben seine Kandidaten Schmetterlinge im Bauch; sie sind überglücklich und spüren ein gewisses Kribbeln, was darauf hinweist, dass sie verknallt, nämlich verliebt oder verschossen sind, angeschossen eben von Amors Liebespfeil. Das Knallen symbolisiert die Heftigkeit, mit der man sich oftmals Hals über Kopf verliebt. Wenn Amor allerdings gerade nicht in der Nähe ist, muss man sehen, wie man selber zum Zuge kommt, wie man wie beim Schachspiel den nächsten Schritt ausführt, um sein Ziel zu erreichen. Manchmal muss man alle Register ziehen, damit die oder der Angebetete die Zuneigung erwidert, man muss alle verfügbaren Mittel anwenden, um den anderen zu überzeugen. Dieser Ausdruck stammt aus der Musik. Die Orgel hat mehrere Pfeifenreihen, die man Register nennt. Damit man den vollen Klang zu hören bekommt, muss man all diese Register betätigen.

Sprecher:

Das kann eine Heidenarbeit sein, eine Menge Arbeit. Das Wort "Heiden" zur Verstärkung eines Begriffs – wie bei Heidenangst, Heidengeld oder Heidenlärm wurzelt in der christlichen Vorstellung vom wilden, ungestümen Barbaren. Wenn etwas Heidenspaß macht, also großen Spaß, dann kann man sich freuen wie ein Schneekönig, sich ganz besonders oder von Herzen freuen. Diese Redewendung spielt auf den Vogel Zaunkönig an, auch Schneekönig genannt, der im kältesten Winter noch munter sein Lied anstimmt. Da schlägt das Tierchen dem Winter wohl ein Schnippchen, es spielt ihm einen Streich, es vereitelt seinen Plan. Im Mittelalter war das Schnippen mit Daumen und Zeigefinger eine Geste der Geringschätzung, mit der man jemandem seine Überlegenheit deutlich machte. Aber lassen wir den Lenz zu Wort kommen, den Frühling. Lenz ist ein altmodisches und poetisches Wort für diese Jahreszeit. Ursprünglich bezeichnet es die Zeit der länger werdenden Tage. Ähnlich wie der Winter als Väterchen Frost ist es in die Literatur eingegangen. Und...

Lenz:

"Ich denke, ich sollte jetzt zu Wort kommen."

Sprecherin:

Stimmt, Herr Lenz. Nur eine Sekunde noch. Wir müssen noch erklären, was es mit den Freiersfüßen auf sich hat.

Amor:

"Davon hat der Frühling doch gar keine Ahnung. Das ist mein Ressort. Ich bring’ die Menschen doch auf Trab, damit sie zum Schäferstündchen zusammenfinden. Ohne mich gäbe es doch gar keine Techtelmechtel!"

Sprecher:

Na gut, Amor, dann erklär’ uns doch, was es bedeutet, wenn jemand auf Freiersfüßen wandelt und woher der Ausdruck kommt.

Amor:

"Bin ich Historiker? Außerdem ist es höchste Eisenbahn, dass ich mich wieder auf den Weg mache. Ich hab da vorne im Park ein einsames Fräulein gesehen."

Fräulein:

"Bin weder Fräulein weder schön – Kann ungeleit nach Hause gehen." (Johann Wolfgang von Goethe 1749 - 1832 / Faust)

Lenz:

"Nanu, das war doch Gretchen, die da dem Faust begegnet. Jeder weiß doch, dass die Geschichte nicht gut ausgeht. Amor hat wirklich nur Sperenzchen im Kopf. Nun ja, das kann ich auch nicht ändern. Außerdem bin ich Ihnen noch eine Erklärung schuldig. Also, wer auf Freiersfüßen wandelt, der sucht sich eine Braut. Bei den Germanen war es üblich, dass der Jüngling die Tochter beim Vater frei kaufte. Daher der Ausdruck freien für heiraten."

Sprecherin:

Aha. Kannst Du uns denn auch etwas darüber erzählen, wie die Monatsnamen entstanden sind?

Lenz:

"Das ist doch ein alter Hut. Der Monat März hat seinen Namen vom Kriegs- und Wettergott Martius. Der Winter ist besiegt, und der Frühling hält seinen Einzug. Der April ist der "Eröffner" des Frühlings, vom lateinischen aprire, öffnen. Der Mai hat seinen Namen von Maia, der Wachstumsgöttin, die dafür sorgte, dass alles in Hülle und Fülle blühte. Den Juni nennen wir oft Juno. Sie war die Gattin des Göttervaters Jupiter und galt als Göttin der Gestirne. Im Frühling stehen viele Festtage an, Ostern, Pfingsten, Christi Himmelfahrt oder der Muttertag. Den hat übrigens 1907 die Amerikanerin Anna Jarvis erfunden, sie wollte ihrer verstorbenen Mutter gedenken. In Deutschland hat sich der Brauch, diesen Tag zu feiern, allerdings erst um 1950 durchgesetzt. Moment, da scharwenzelt doch schon wieder Amor um mich rum."

Amor:

"Ja, ich hab mich gerade wieder fürchterlich aufgeregt. Da flirten die Menschen auf Teufel komm raus, weil ich ihnen einen Pfeil verpasst habe, und dann behaupten die Biologen immer wieder, dass chemische Reaktionen und Nervenbotenstoffe für die Hochstimmung und die Frühlingsgefühle verantwortlich seien. Der Mensch verhalte sich wie in grauer Vorzeit, als das Ende der Frostperiode die Fortpflanzung und das Aufziehen der Nachkommen begünstigt habe. Das mag ja für die Tierwelt stimmen, aber bei den Menschen deichsele ich die Sache, damit das klar ist!"

Sprecherin:

Reg’ dich nicht auf, Amor. Hör Dir lieber das Gedicht an:

"Das Lenzsymptom zeigt sich zuerst beim Hunde,

dann im Kalender und dann in der Luft,

und endlich hüllt auch Fräulein Adelgunde

sich in die frischgewaschene Frühlingskluft..."

(Kurt Tucholsky 1890 - 1935)

Sprecherin:

So, und jetzt mach’ dich auf die Socken, damit die Menschen bei einer Liebelei ihre Frühjahrsmüdigkeit überwinden. Die soll ja laut Wissenschaft davon kommen, dass der Körper in den dunklen Wintertagen seine Reserven verbraucht hat und dringend Vitamine braucht.

Lenz:

"Ich weck’ die Lebensgeister schon auf. Hören Sie selbst..."

"Veronika, der Lenz ist da.."

Veronika, der Lenz ist da,

die Mädchen singen tralala.

Die ganze Welt ist wie verhext,

Veronika, der Spargel wächst!

Veronika, die Welt ist grün,

drum lasst uns in die Wälder zieh'n.

Sogar der Großpapa

Sagt zu der Großmama:

Veronika, der Lenz ist da!

(Comedian Harmonists / deutsche Gesangsgruppe der 1920er Jahre)

O-Töne:

"Man mag nicht mehr bis in die Puppen schlafen, bei dem schönen herrlichen Wetter und bei der Luft und bei dem Vogelgesang am frühen Morgen. / Zum Frühling fällt mir ein: Gartenmöbel saubermachen, den Garten herausputzen, den Vögeln zuschauen beim Nesterbauen und den Blümchen beim Wachsen zusehen. / Man fühlt sich wohl, man ist nicht mehr so träge, da kann man fast wie im siebten Himmel sein, so wie in jungen Jahren."

Sprecher:

Im Himmel soll es ja sehr schön sein, wie wunderbar muss man sich da erst im siebten Himmel fühlen. Dort gibt es bestimmt alles, was das Herz begehrt, in Hülle und Fülle, nämlich reichlich. Der Teufel hat im Himmel nichts zu suchen, aber vielleicht fällt auch in höheren Sphären mal der Ausdruck: auf Teufel komm raus. Früher glaubte man, dass der Teufel nur durch das Rufen seines Namens erschien. Wer also auf Teufel komm raus etwas will, begehrt es ohne Rücksicht darauf, dass der Teufel wirklich erscheinen könnte. In so einem Falle wäre es höchste Eisenbahn zu verschwinden, es wäre höchste Zeit. Aus dem Lateinischen kommt die Wendung Sperenzchen machen, also Umstände machen oder sich sträuben. Sperentia bedeutet Hoffnung, und jemand, der Sperenzchen macht, hofft wohl, dass eine Sache in seinem Sinne ausgeht, wenn er sich dem Gegenüber nur lange genug widersetzt. Wenn jemand Sperenzchen macht, ist es schwer, ihn auf Trab zu bringen, ihn anzutreiben oder gar zurechtzuweisen. Bei der Kavallerie geht es oft nicht ohne Peitsche und Sporen ab, um ein Pferd zum Traben zu bringen, daher erklärt sich diese Wendung fast von selbst. Ein alter Hut, möchte man da fast sagen, etwas Altbekanntes und Vertrautes.

Sprecherin:

Die Puppen waren um 1760 ein alter Hut für die Berliner. Friedrich der Große hatte im Tiergarten Statuen aus der antiken Götterwelt aufstellen lassen, die die Städter schlicht die Puppen tauften. Damals lagen die Standbilder weit außerhalb des Zentrums und ein Spaziergang dorthin dauerte sehr lange. So erklärt sich die Wendung bis in die Puppen: Wer bis in die Puppen feiert, schläft oder arbeitet, der tut es sehr lange. Auch Schäferstündchen dauern mitunter lange, denn dann verbringt man die Zeit mit seiner Liebsten. Den Ausdruck verdanken wir den Romantikern im 17. und 18. Jahrhundert, denn damals spielten Schäfer in der künstlerischen Darstellung von Liebesidyllen oft eine wichtige Rolle. Das Techtelmechtel, der Flirt, die Liebelei, ist eine Verballhornung des italienischen tecomeco, was soviel heißt wie: mit dir – mit mir. Und wenn man so unter vier Augen ein Schäferstündchen verbringt, kann man bestimmt keinen gebrauchen, der um einem herum scharwenzelt, der sich dienstbeflissen und fast kriecherisch gibt. Dieses Wort setzt sich aus dem italienischen servente, Diener, und dem tschechischen cervenec, Herzbube, zusammen.

Lenz:

"Apropos: Haben Sie schon mal gesehen, wie in der Walpurgisnacht die Hexen auf dem Brocken um den Teufel herumscharwenzeln? In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai? Ich sag Ihnen, da führt so mache Hexe was im Schilde."

Sprecherin:

Aber Herr Lenz, heute glaubt man doch gar nicht mehr an Hexen.

Lenz:

Ja, aber feiern wollen die Menschen trotzdem, sie tanzen in den Mai, junge Männer stellen ihren Angebeteten geschmückte Maibäume vor die Tür, und ich sorge dafür, dass sich das Wetter von seiner besten Seite zeigt.

Sprecher:

Ist ja auch dringend nötig nach dem April!

O-Töne:

"April, April, der macht was er will. / Ja, der April, das ist natürlich zum ersten das berühmte Datum, der 1. April, wo ja wir gerne in den April geschickt werden ansonsten, fällt mir dazu nur schlechtes Wetter ein, Regen, Sturm und manccchmal auch Rückfall in den Winter. / Schlechtes Wetter gibt es nicht, da muss man sich halt die Kleidung danach anziehen."

Lenz:

"Sehen Sie, Schwamm drüber. Ich muss mich jetzt aber auf die Socken machen und Amor finden."

Sprecher:

Ob Amor wieder was im Schilde führt? Ob er etwas vorhat, das nicht ganz korrekt ist? Früher trugen die Germanen bei ihren Kämpfen Schilde mit dem Familienwappen. Wenn der Wächter meldete, dass sich unbekannte Reiter näherten, lautete der Befehl: "Schau zu, was sie im Schilde führen? Freund oder Feind?" Vielleicht hat sich dann auch ein Bote auf die Socken gemacht, er ist davongeeilt, um die Absicht der Reiter zu erkunden. Hoffentlich hat man ihn dann nicht in den April geschickt, ihn zum Narren gehalten. Der 1. April war bei den alten Römern der Beginn des Narrenfestes, und der Brauch, jemanden genau an diesem Tag zu verulken, hat sich bis heute gehalten. Wenn man Opfer eines solchen Spaßes wird, sagt man sich am besten, Schwamm drüber, man vergisst es, so wie ein Lehrer mit dem Schwamm die Tafel reinigt und kein Kreidestrich zurückbleibt.

Lenz:

Wenn Sie uns jetzt entschuldigen, ich kann mich nicht bis in die Puppen mit Ihnen unterhalten, man hat ja Pflichten, nicht wahr Amor?!

Amor:

Genau, Herr Lenz, ich hab da auch schon wieder jemanden im Visier.

Frau:

"Oh, getroffen, ich glaub’, ich hab mich verliebt."

Fragen zum Text

Jemand, der Schmetterling im Bauch hat, der ...

1. hat Raupen gegessen.

2. ist sehr wütend.

3. ist verliebt.

Jemand, der alle Register zieht ...

1. ist hilflos und weiß nicht weiter.

2. verwendet alle verfügbaren Mittel, um etwas zu erreichen.

3. hat große Angst sich zu verlieben.


Jemand, der sich auf die Socken macht ...

1. hat sich verliebt.

2. geht davon.

3. wünscht sich den Winter zurück.

Arbeitsauftrag

Im Frühling sprießen sprichwörtlich die Gefühle. Beschreiben Sie in einer kleinen Gechichte, wann Amors Pfeil Sie zum ersten Mal getroffen hat.

Autorin: Suzanne Cords

Redaktion: Beatrice Warken

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads