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Frühling

Einige Frühlingsworte: blühen, riechen, erwachen, Hauch, endlich, ersehnt, Luft, Knospen, aufbrechen, ausschlagen ... Ein Wildwuchs an Worten, unsortiert, bunt wie der Frühling selbst.

Wann beginnt der Frühling? Die Antworten verwirren – wie der Frühling selbst. Da gibt es den kalendarischen Frühlingsanfang, 21. März, den meteorologischen Frühlingsbeginn, 1. März, und den phänologischen Frühlingsanfang, der sich am Wetter orientiert – wie einst schon der Geheimrat von Goethe mit den berühmten Zeilen aus dem Faust: "Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / Durch des Frühlings holden, belebenden Blick." Hold? Geschmackssache! Belebend? Sicher!

Lümmel mit "ü"

Kurt Tucholsky sieht den Blick anders: "Frühling? Dieser lange, etwas bleichsüchtige Lümmel, mit einem Papierblütenkranz auf dem Kopf [...] alles ist hellblau und laut, die Spatzen fiepen und sielen sich in blauen Lachen, die Knospen knospen mit einem kleinen Knall, grüne Blättchen stecken fürwitzig ihre Köpfchen … ä, pfui Deibel! […] Die Erde sieht aus wie unrasiert, der Regen regnet jeglichen Tag und tut sich noch was darauf zugute: 'Ich bin so nötig für das Wachstum', regnet er."

Klingt übel. So übel ist der Frühling überhaupt nicht. Alles blüht, die Düfte der Blümchen ziehen durch die Lüfte – alles kündigt den Frühling an. Zum Beispiel der Buchstabe "ü". Süß! Man merkt wie mit dem "ü" die Tage länger zu werden scheinen. Alles sprießt: Grün dominiert. Grün ist die Farbe der Hoffnung, aber auch das Wort "giftgrün" gibt es. Und so ist auch der Frühling. Nicht jedem "ist er grün", das heißt "wohlgesonnen". Was die einen genießen, die ersten Stunden im Freien, bringt die anderen zum Niesen. Die einen putzen sich heraus, die anderen putzen sich die Nase. Denn mit dem Frühling kommen die Blütenpollen, und die sind so manchem Allergiker ein Dorn im Auge.

Immer wieder Frühling

Auch der Frühling, begrüßt als Aufbruch, als Weckruf für die Natur, geht einmal dahin, verschwindet sanft, wenn der Sommer kommt und ihn ablöst. Diese Umbruchstimmung kann auf der bildlichen Ebene ziemlich abrupt erfolgen. Im "Prager Frühling" wurden die zarten Hoffnungen auf einen politischen Wechsel abrupt von einer neuen Eiszeit zerstört. Freilich: Das ist in der Natur auch möglich. Der Frühling ist nicht nur eine klischeehaft blühende und fröhliche Zeit, er besteht auch aus Unsicherheiten, Gefahren. Der eisige Winter ist nicht von einem auf den anderen Tag vorüber, er kann mit frostigen Temperaturen zurückschlagen.

Doch irgendwann ist er besiegt. Bis er wiederkehrt. Wie auch der Frühling ja wiederkehrt. Er ist folglich genau genommen nicht die Zeit des Erwachens, sondern die des Wiedererwachens. Sagt man von einem Menschen, er erlebe den "zweiten Frühling", so heißt das: Auch wer schon sehr auf den "Herbst seines Lebens", also das Lebensende zugeht, kann sich noch einmal jung fühlen, fröhlich, verliebt, wie ein junger Hüpfer, als stünde er noch in der "Blütezeit" des Lebens.

Frühlingsgefühle


Viele Kulturen feiern den Einzug des Frühlings. Der Winter wird symbolisch mit Feuer und Lärm verjagt und die bösen Dämonen von Wiesen und Äckern vertrieben. Schöneres steht an. Und man kann der schlichten Erkenntnis Heinrich Heines zustimmen: "Im wunderschönen Monat Mai, / Als alle Knospen sprangen, / Da ist in meinem Herzen / Die Liebe aufgegangen."

Was passiert mit der Natur? Und was passiert mit dem Menschen, diesem Teil der Natur? Ein Mehr an Licht, ein Mehr an Wärme, ein Mehr an frischer Nahrung – da gerät der Hormonhaushalt durcheinander. Eine gewisse Paarungsbereitschaft stellt sich ein, aber auch die Frühjahrsmüdigkeit. Gesteuert werden all diese Vorgänge vermutlich durch die Hormone Melatonin – zuständig für die Schlafphasen, bei Tieren auch für den Winterschlaf – und Serotonin – für die Gemütslage und die sexuellen Energien. So weit die Biologie. Kommen wir ins Reine.

Frühlingsfrisch


Reinemachen, das ganze Haus einmal so richtig durchputzen, gehört auch zum Frühling. Der berühmte Frühjahrsputz geht übrigens nicht nur auf neu erwachte Lebensgeister nach einem langen dunklen Winter zurück, er hat seinen Ursprung auch in der Tatsache, dass früher, als noch mit Holz und Kohle geheizt wurde, die Wohnung nach einer langen Heizperiode von Ruß befreit werden musste. Heute sorgen elektrisches Licht und Heizung während der Winterperiode und frische Lebensmittel das ganze Jahr über dafür, dass sich der Körper den Jahreszeiten kaum noch anpassen muss. Und trotzdem gibt es diesen Aufbruch im Frühling. Oder? Bei Ihnen etwa nicht?

Fragen zum Text

Welchen Frühlingsanfang gibt es nicht?

1. den hormonellen

2. den kalendarischen

3. den meteorologischen

Wie fühlt sich jemand im zweiten Frühling?

1. erschöpft

2. verschnupft

3. energiegeladen

Heutzutage muss sich der Körper den Jahreszeiten kaum noch anpassen, …

1. weil sich die Jahreszeiten immer weniger voneinander unterscheiden.

2. weil es das ganze Jahr über frische Lebensmittel zu kaufen gibt.

3. weil der Hormonhaushalt nicht mehr so sehr durcheinander gerät.

Arbeitsauftrag

Welche Eindrücke, Stimmungen oder Rituale verbinden Sie mit der Jahreszeit des Wiedererwachens? Schreiben Sie ein Frühlingsgedicht von vier bis sechs Zeilen Länge und tragen Sie es anschließend Ihrer Klasse vor.

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