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Frühjahrsputz

Besonders im Frühjahr sind sie aktiv – die Putzteufel. Da wird geputzt, was das Zeug hält. Herausputzen muss man sich dafür nicht. Belohnen kann man sich, wenn man kräftig auf den Putz haut. Mit oder ohne Kopfputz.

Für viele, in erster Linie Hausfrauen, ist er ein wahrer Albtraum, auf jeden Fall aber lästige Pflicht. Manche jedoch scheinen ihn zu mögen und gehen geradezu freudig und mit Schwung ans Werk. In der Schweiz heißt er anders als in Süddeutschland und in vielen deutschen Städten gibt es gar eine doppelte Ausführung – und zwar eine zusätzliche im Herbst. Die Rede ist vom Frühjahrsputz.

Pure Notwendigkeit

Eine Frau, die Schwämme auf dem Kopf und einen Staubwedel in der Hand hat, die ziemlich unzufrieden schaut

Frühlingsputz: Nicht jederfraus Sache

Dieser, in der Schweiz Frühjahrsputzete genannt, ist keineswegs eine Erfindung der chemischen Industrie – kein modernes Festival all jener Putzmittel, die angeblich in Nullkommanix jede Wohnung in diesen sagenhaften, lebensmittelsauberen Zustand versetzen, der jede Hausfrau mitsamt der glücklichen Familie so strahlen lässt. So verheißt es zumindest die Werbung. Nein.

Der Frühjahrsputz ist seit dem Mittelalter bekannt und war damals eine zwingende Notwendigkeit. Denn gerade während der kalten und nassen Jahreszeit hatte sich in den einfachen Häusern der Dreck von Monaten angesammelt. Man stelle sich vor: gestampfte Lehmböden, auf denen sich der Schmutz von schlammigen Straßen allmählich festgetreten hatte. Schließlich gab es keine Kanalisation, keine Gehsteige, Schmutzabstreifer und auch keine Hausschuhe.

Großreinemachen

Übrigens, Sie kennen doch die Redensart Das tritt sich fest! – oder? Ganz nach dem Motto: Halb so schlimm, wenn etwas auf den Boden gefallen ist. Dieser Ausdruck stammt aus jener Zeit, als tatsächlich so einiges festgetreten wurde und deshalb dann auch der mittelalterliche Frühjahrsputz eine nicht nur gründliche, sondern auch ziemlich derbe Angelegenheit darstellte.

Dreck und alles, was sich so über den Winter an Unbrauchbarem angesammelt hatte, wurde kurzerhand auf die Straße befördert. Das Haus – auch dies ein ganz alter bildhafter Ausdruck – wurde auf den Kopf gestellt.

Sich oder etwas putzen

Ein Hamster, der sich das Fell reinigt

Auch Tiere putzen sich

Der Frühjahrsputz unserer Tage nimmt sich gegen den mittelalterlichen geradezu harmlos aus. Aber der alte Wortsinn von putzen hat sich bis heute erhalten. Putzen heißt nach wie vor Unreinheiten beseitigen, sauber machen. Verzeichnet ist das Wort seit dem 15. Jahrhundert.

Damals meinte man damit allerdings die Reinigung der Nase, das Naseputzen sowie das Putzen von Kerzen. Unter Kerzen putzen verstand man das Aufrichten beziehungsweise Kürzen des Dochts. Dafür gab es Lichtputzscheren. Auch Bärte oder Gemüse werden geputzt. Das bedeutet dann aber, dass überflüssige Haare beziehungsweise vertrocknete oder schlechte Teile, die nicht gegessen werden können, entfernt werden.

Putzen und seine Präfixe

Junge Frau in Abendkleidung mit Handy im Büro

Herausgeputzt - für Büroarbeit

Wer sich fein herausputzt, der zieht sich besonders chic an, zum Beispiel wenn er oder sie in einem feinen Restaurant essen geht. Sagt jemand dann aber "Du hast dich aber rausgeputzt", so ist das nicht immer als Kompliment zu sehen. Eher im Gegenteil.

Als nicht besonders schicklich wird angesehen, wenn man in einem solchen Gourmettempel jede Menge verputzt. Umgangssprachlich bedeutet das, dass man sehr viel isst. Wird dagegen alles weggeputzt, freut sich der Koch. Denn das ist ein Zeichen dafür, dass es geschmeckt hat. Fällt vorher der gesamte Teller mit dem Essen auf den Boden, dann wird auch weggeputzt. Denn schließlich soll ja niemand im Dreck sitzen. Runtergeputzt, sprich ausgeschimpft, wird der Kunde für sein Missgeschick aber nicht.

Schlagkräftiges Putzen

Junge Leute tanzen auf einer Tanzfläche in der Discothek

Mal kräftig auf den Putz hauen!

Wenn doch, würde er bestimmt kräftig auf den Putz hauen und dem Geschäftsführer mitteilen, dass er so nicht behandelt werden will. Er kann aber auch woanders kräftig auf den Putz hauen, in einer Diskothek zum Beispiel, in der er nach dem opulenten Mahl sehr laut und fröhlich feiert.

Mag sein, dass er dort auf eine Putzfrau trifft, die auch mal auf den Putz hauen möchte. Zwar heißt die Putzfrau inzwischen Raumpflegerin oder Reinigungskraft – sie macht aber immer noch die gleiche Arbeit.

Die Putzfrau

Putzkorb mit Untensilien

Alles, was das Frühjahrsputzherz begehrt

Ihre Utensilien: Putzeimer und Putzlappen. Bei hartnäckigem Schmutz wird gerne auch Putzwolle verwendet – das sind zusammengeballte Fasern, die wie ein Wollknäuel aussehen. Putzmittel und Putzzeug sind die Oberbegriffe für alles, was man an so einem Putztag braucht. Denn der Frühjahrsputz sollte schon an einem einzigen Tag über die Bühne gehen.

Wenn man jeden Tag putzt, weil kein Staubkorn auf der Kommode liegen, kein Schmutzstriemen den Boden zieren darf, dann hat man einen Putzfimmel – oder schlimmer noch man ist ein Putzteufel mit einem Putzfimmel.

Der Kopfputz

Mondäne, blonde, junge Frau mit Erdbeere und Hut

Wir lassen putzen und putzen nicht (mehr) selbst!

Einen Kopfputz trägt die Putzfrau bei ihrer Arbeit bestimmt nicht – wenn überhaupt, dann hat sie sich ein schmuckloses Tuch um den Kopf gebunden. Den Kopfputz wird sie höchstens aufsetzen, wenn sie mit ihrer Discobekanntschaft nach Ascot zu den Pferderennen reist.

Dort wird sie wahrscheinlich jede Menge putzige, also niedliche, Hündchen sehen; putzmuntere Kinder, die überhaupt nicht müde sind und in der Gegend herumtollen, dagegen eher nicht.

Klinken putzen

Ja und wenn sie es schon bis Ascot geschafft hat, dann braucht sie eines gewiss nicht mehr: Sich um eine neue Arbeitsstelle zu bemühen, um den Dreck anderer Leute wegzuputzen. Oder anders gesagt: Sie muss keine Klinken mehr putzen!

Fragen zum Text

Jemand, der ausgelassen feiert, …

1. putzt etwas richtig weg.

2. haut auf den Putz.

3. schwingt den Putzeimer.

Einen Putzfimmel hat jemand, der …

1. den Schmutz auf dem Boden liegen lässt.

2. ständig sauber macht.

3. den ganzen Tag in Putzkleidung herumläuft.

Klinken putzt im übertragenen Sinn jemand, der …

1. sich bei mehreren Personen bemüht, etwas zu bekommen oder zu verkaufen.

2. bei einer Reinigungsfirma arbeitet, die auf Türklinken spezialisiert ist.

3. ein Haus baut.



Arbeitsauftrag
Bilden Sie 15 Sätze, in denen Sie putzen mit den verschiedenen Präfixen beziehungsweise Komposita einsetzen. Ein Beispiel: Hanna ist eine Schüssel mit Apfelmus auf den Boden gefallen. Sie putzt es sofort weg.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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