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Naher Osten

Früherer iranischer Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani ist tot

Als Kämpfer gegen das pro-westliche Schah-Regime wurde er im Gefängnis gefoltert. Später gehörte er zu dem geheimen Zirkel, der den Umsturz beschloss: die islamische Revolution von 1979.

Der ehemalige iranische Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Der Kleriker und Staatsmann war am Sonntagvormittag mit Herzrhythmusstörungen in ein Teheraner Krankenhaus eingewiesen worden.

Zwischen 1989 und 1997 stand er an der Spitze der Islamischen Republik. Seine achtjährige Amtszeit als Präsident war geprägt von der Öffnung des Landes nach außen - aber auch von zahlreichen Menschenrechtsverletzungen, steigender Inflation und Verschuldung. Rafsandschani fädelte den später höchst umstrittenen Tauschhandel ein, der als Iran-Contra-Affäre in Erinnerung blieb.

Dabei ging es um US-Waffenlieferungen nach Teheran, um amerikanische Geiseln freizubekommen, die im Südlibanon von radikalen schiitischen Gruppen festgehalten wurden. Die erzielten Einnahmen sollten jedoch an die rechtsgerichtete Guerilla-Bewegung der Contras in Nicaragua fließen, was in den USA einen Skandal auslöste.

"Chomeinis Bankier"

In der Zeit des pro-westlichen Schah-Regimes wurde der spätere Staatschef im Gefängnis gefoltert, weil er als Gefolgsmann des nachmaligen Revolutionsführers Ajatollah Chomeini am Aufbau eines Verschwörernetzwerks beteiligt war. Nach seiner Freilassung aus der Haft arbeitete er zunächst als erfolgreicher Immobilienhändler. Seit dieser Zeit galt Rafsandschani auch als "Chomeinis Bankier".

1977 tagte die geheime Runde, die in der Hauptstadt Teheran die Revolution beschloss. Nach dem Sturz des Schahs im Februar 1979 und der Ausrufung der "Islamischen Republik Iran" war Rafsandschani Mitglied des Revolutionsrates und für kurze Zeit Innenminister, ehe er zum Präsidenten des neuen Einkammerparlaments gewählt wurde. Als der damalige Staatspräsident Mohammad Ali Raja 1981 einem Attentat zum Opfer fiel, wurde der als Theologe ausgebildete Rafsandschani zweiter Mann hinter Revolutionsführer Chomeini.

Iran Fidel Castro und Aliakbar Hashemi Rafsanjani (fararu)

Rafsandschani mit dem kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro ...

Rotes Tuch für Erzkonservative

Über politische Zwischenstationen - unter anderem als Oberbefehlshaber der Streitkräfte - gelangte er 1989 an die Staatsspitze, wo er die Geschicke des Landes bis 1997 mitbestimmte. Als seinen Nachfolger baute er den Reformer Mohammad Chatami auf. Rafsandschanis moderater Kurs wurde allerdings mehr und mehr zu einem roten Tuch für die Erzkonservativen.

Tehran Präsident Akbar Hashemi Rafsanjani und Recep Tayyip Erdogan (picture alliance/dpa/AA/abaca/H. Sahin)

... und mit dem damaligen Premier und jetzigen Präsidenten der Türkei, Recep Tayyip Erdogan (Archivbilder)

2005 trat er erneut zur Präsidentenwahl an, musste sich aber gegen den damals eher unbekannten Mahmud Ahmadinedschad geschlagen geben. Nun grenzte er sich deutlich vom erzkonservativen Klerus ab und nahm den Kampf gegen die Hardliner auf. Diese brandmarkten ihn als Dissidenten. Er durfte nicht einmal mehr das Freitagsgebet in Teheran leiten.

Doch geschlagen gab sich Rafsandschani nicht: Erneut wurde er 2013 zum Präsidentenmacher für seinen Schützling Rohani. Der stellte die Weichen komplett neu. Rohani handelte mit dem Westen ein Atomabkommen aus und erreichte so die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran, unter denen das Land lange gelitten hatte.

Oberste Führung trauert um Rafsandschani

Irans oberster Führer Ajatollah Chomenei und Präsident Hassan Rohani zeigten sich angesichts des Todes von Rafsandschani tief betroffen. "Seit 59 Jahren war er ein treuer Freund und politischer Weggefährte", sagte Chomenei. Sein Tod sei für ihn schmerzlich und herzzerreißend. Mit Rafsandschani habe er alle Höhen und Tiefen des politischen Kampfes durchgemacht. Auch zwischenzeitliche politische Differenzen hätten seine Freundschaft zu Rafsandschani nie getrübt. 

Rohani würdigte Rafsandschani auf Twitter als "eine große Persönlichkeit der Revolution, ein Idol des Widerstands und ein Symbol der Geduld". 

jj/ust/rk (dpa, afp, munzinger)