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Europa

Früherer Cameron-Mitarbeiter festgenommen

Der Abhörskandal um die Boulevardzeitung "News of the World" bringt den britischen Premierminister David Cameron unter Druck. Sein früherer Kommunikationschef Andy Coulson wurde vorübergehend festgenommen.

Cameron am Redner-Pult (Foto: dapd)

Kann der britische Premier den Abhör-Skandal unbeschadet überstehen?

Coulson war von 2003 bis 2007 Chefredakteur der Zeitung "News of the World". Von dort wechselte er in den Beraterstab Camerons und wurde dessen Kommunikationschef. Nach neuen Vorwürfen im Zusammenhang mit Coulsons Arbeit bei der Zeitung ließ der konservative Politiker seinen Pressesprecher im Januar fallen. Am Freitag (08.07.2011) wurde er festgenommen, nachdem er sich für eine Befragung in einer Londoner Polizeidienststelle eingefunden hatte. Nach der Vernehmung wurde er unter Auflagen später am Tage wieder freigelassen. Gegen den 43-jährigen Coulson wird wegen des Abhörens von Kommunikation und wegen Korruption ermittelt, wie ein Polizeisprecher mitteilte.

Coulson mit Hand an der Wange (Archivfoto: ap/dapd)

Camerons früherer Mitarbeiter Andy Coulson sitzt im Gefängnis

Mitarbeiter des Blatts, das zum Medien-Konzern von Rupert Murdoch gehört, sollen die Telefone von Prominenten, Angehörigen von Verbrechensopfern sowie Hinterbliebenen getöteter Soldaten ausspioniert haben. Scotland Yard zufolge könnten die Telefone von bis zu 4000 Menschen angezapft und abgehört worden sein. Der Konzern kündigte mittlerweile die Einstellung der Zeitung an. Das Blatt soll am Sonntag letztmalig erscheinen.

Pressekonferenz des Premierministers

Bei einer eilig anberaumten Pressekonferenz teilte Cameron am Freitag mit, es werde eine unabhängige Untersuchung der Affäre geben. Demnach soll eine Kommission unter Leitung eines Richters prüfen, was sich genau bei "News of the World" abgespielt habe. Auch andere Zeitungen würden ins Visier genommen. Zudem müsse geklärt werden, warum die Polizei bei ihren Ermittlungen gegen das Blatt so "abgrundtief" gescheitert sei, sagte Cameron. Eine zweite Kommission werde sich mit der Frage der Medienregulierung in Großbritannien auseinandersetzen.

"Die Wahrheit ist: Wir stecken da alle mit drin", erklärte Cameron selbstkritisch. Die Parteiführer seien zu sehr darauf aus gewesen, die Unterstützung der Zeitungen zu bekommen. Dadurch sei man auf einem Auge blind geworden. "Die Menschen an der Macht wussten, dass da etwas nicht in Ordnung ist, aber sie haben nicht schnell genug etwas dagegen getan."

Tony Blair vor Downing Street 10 (Archivfoto: ap)

Tony Blair erhielt einst Wahlkampfhilfe von einer Murdoch-Zeitung

Angesichts der Kritik an seiner Entscheidung, Coulson zu seinem Sprecher gemacht zu haben, sagte Cameron: "Die Entscheidung ihn einzustellen, war einzig und allein meine, und ich übernehme dafür die volle Verantwortung." Er habe sich damals entschlossen, Coulson eine "zweite Chance" zu geben, und niemand habe jemals dessen Arbeit als Pressesprecher beanstandet. "Das mit der zweiten Chance hat nicht geklappt", sagte Cameron.

Was wusste Tony Blair?

Der frühere Labour-Premier Tony Blair hält die nun anstehende Debatte für längst überfällig. "Jeder, der in den vergangenen vier Jahrzehnten eine politische Führungsrolle hatte, weiß, dass es eine Debatte über die Interaktion zwischen Medien und Politik und Medien und öffentlichem Leben geben sollte", sagte Blair. Er wurde einst im Wahlkampf selbst von der "Sun" gestützt – ein Schwesterblatt von "News of the World", das gleichfalls zur Murdoch-Gruppe gehört. Auch Blair werden enge Verbindungen zu Murdoch nachgesagt.

Autor: Martin Schrader (afp, dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Ursula Kissel / Frank Wörner

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