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Politik

Früher war in den USA alles besser

...Und für die Amerikaner einfacher. Früher wollte der Westen sein wie sie und eiferte ihrem Lebensstil, dem "American Way of Life", nach. Was aus den USA kam, war gut. Heute ist die Sachlage deutlich anders.

(Grafik: DW)

Klimaschützer, Pazifisten und Menschenrechtler stellen die USA heutzutage an den Pranger. Die Sympathiewerte sinken und die Amerikaner sind verunsichert Derartiges Verhalten ist man aus der Vergangenheit nicht gewöhnt. Und was tut der Präsident? Anstatt sich schützend vor die guten Amerikaner zu stellen, räumt er vor der Weltöffentlichkeit Fehler ein.

Das geht einigen US-Bürgern zu weit. Es kann doch nicht sein, dass man sich plötzlich dafür rechtfertigen oder gar schämen muss, ein guter Amerikaner zu sein. Diese Ansicht teilt auch der konservative TV-Moderator Glenn Beck. Er entschied sich, dem Volk einen symbolträchtigen Rettungsring zuzuwerfen. Die "Restoring Honor Rally" Ende August. Um die 100.000 Menschen strömten in der Hauptstadt Washington D.C. zusammen. Die meisten weil sie miterleben wollten, wie Amerikas Tugenden wieder aufleben. Aber auch ich war vor Ort.

Geschichtsträchtiges Datum

Ein bekennender Konservativer veranstaltet am 28. August 2010 einen Massenevent zur Rückbesinnung auf Amerikas älteste Werte und deren Ehrung. Das war nicht irgendein Samstag, sondern der 47. Jahrestag der berühmten "I have a Dream"-Rede von Martin Luther King Jr. Und als wäre das nicht schon provokativ genug, wählt Glenn Beck als Schauplatz auch noch das Denkmal Lincoln Memorial aus. Jenen Ort, an dem Martin Luther King im Jahre 1963 zu den Menschen sprach. Das hat einen gewissen Beigeschmack.

Als Gastrednerin lud Beck die erzkonservative Politikerin Sarah Palin ein. Wie er hat sie bestimmte Vorstellungen davon, wie gute Amerikaner auszusehen und zu denken haben. Ob das im Sinne Kings, des Kämpfers für Gleichberechtigung, ist, ist fraglich. Aber da Glenn Beck nicht dumm ist, holte er auch Martin Luther Kings Nichte und zwei Nachkommen amerikanischer Ureinwohner auf die Bühne. Das sollte die politische Korrektheit gewährleisten. Und Beck beteuerte ohnehin immer wieder, dass seine Rally keine politische Veranstaltung sei. Es ginge ausschließlich darum, stolzen Bürgern des Landes die Gelegenheit zu geben, gemeinsam Amerika zu feiern.

Tatsächlich bedeutete das an diesem Tag vor allem, dem Militär zu huldigen. Die Streitkräfte des Landes, die "mutigen Männer und Frauen in Uniform", wurden eindeutig in den Vordergrund gestellt. Drei besonders mutige Kämpfer, Marcus Luttrell, Eddie Wright und Tom Kirk, wurden für ihren außerordentlichen Einsatz für Amerika sogar geehrt. Sarah Palin bekräftigte dies in ihrer Rede. Sie sei gebeten worden, nicht als Politikerin, sondern als jemand "viel bedeutenderes" zu sprechen: als die Mutter eines Soldaten. "Die Leute können über mich sagen was sie wollen, aber ich habe einen Kämpfer großgezogen, und das kann mir niemand nehmen", sagte sie.

Und wenn man nun kein Amerikaner ist?

Als deutsche Staatsbürgerin fühlte ich mich von Anfang an etwas deplatziert. Schließlich war das als Festakt von Amerikanern für Amerikaner gedacht. Ich war alleine zwischen Männern und Frauen mit ultra-patriotischen T-Shirts. Sie hatten Aufschriften wie "Thank God I'm an American". Wäre für diesen jungen Mann das Leben weniger wert, wäre er Kanadier oder Italiener? Oder noch besser: "Proud Mother of a Soldier". Würde diese Mutter ihren Sohn weniger lieben, hätte er sich für ein Sozialpädagogikstudium entschieden statt zur Armee zu gehen? Es dauerte nicht lange, bis mir richtig unwohl war.

Als Sarah Palin davon sprach, "wie wundervoll es ist, Amerikaner zu sein", sagte sie es, als wäre das ein Privileg. Aber genau diese Denkweise rüttelt heftig an einem der Grundpfeiler der neuen Welt. Nämlich der Anerkennung der Tatsache, dass alle Menschen gleich sind. Aber wahrscheinlich waren an diesem Tag mit Menschen Amerikaner gemeint.

Autor: Christine Luzolo, Washington D.C.
Redaktion: Klaudia Prevezanos