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Deutschlehrer-Info

Früher Englischunterricht bringt weniger als erhofft

In einigen Bundesländern beginnt der Englischunterricht bereits in der ersten Klasse der Grundschule. Das bringt nicht viel, sagt eine Studie. Und es gibt noch weitere Gründe gegen frühen Fremdsprachenunterricht.

Früher Englischunterricht in der Grundschule ist Forschern zufolge weniger effektiv als erhofft. Kinder, die in der ersten Klasse mit Englisch beginnen, sind sieben Jahre später sogar schlechter in diesem Fach als Kinder, die erst in der dritten Klasse damit starten. Das ergab eine Studie der Ruhr-Universität Bochum. „Der fremdsprachliche Frühbeginn wird häufig hochgelobt, obwohl es insgesamt wenig Forschung gibt, die diesen Mythos unterstützt“, erklärte Nils Jäkel vom Lehrstuhl Didaktik des Englischen. Mit Forschern der Technischen Universität Dortmund hatten die Bochumer Experten Daten von 5.130 Schülerinnen und Schülern von Gymnasien in Nordrhein-Westfalen analysiert.


Teilweise sogar schlechter

Verglichen wurden Schülergruppen, die in der ersten und der dritten Klasse mit dem Englischunterricht begonnen hatten. In der fünften Klasse schnitten jene Kinder besser ab, die früh mit dem Englischunterricht in der Grundschule begonnen hatten. In der siebten Klasse waren allerdings die Leistungen der Spätstarter besser. Die Studie bestätigt Ergebnisse aus anderen Ländern, etwa Spanien, die zeigen, dass ein früher Beginn mit ein bis zwei Stunden Englischunterricht pro Woche bei Grundschülern auf längere Sicht nur wenig zur Sprachkompetenz beiträgt.


Vielleicht die falsche Methode

Als mögliche Ursache nennen die Forscher den Umstand, dass der frühe Englischunterricht zu einer Zeit stattfindet, in der ein intensiverer Kontakt notwendig wäre, um eine Sprache nachhaltig zu lernen. Auch könne es beim Übergang zum Gymnasium einen „Bruch“ geben, wenn das eher spielerische Erlernen der Fremdsprache in die „lehrgangsmäßige Grammatik- und Wortschatzarbeit“ übergeht. Außerdem hört man immer wieder Beschwerden von Lehrern, die Mühe hätten, die verschiedenen Wissensniveaus der Grundschüler anzugleichen. Die Bochumer Forscher wollen nachdrücklich nicht den frühen Beginn des Englischunterrichts infrage stellen. Es dürfe aber „keine überzogenen Erwartungen“ geben. Sinnvoll könne es sein, die Stundenzahl in der dritten Klasse zu steigern.


Deutsch und Mathe statt Englisch

Ob der frühe Englischunterricht sinnvoll ist, wird seit längerem diskutiert. In Baden-Württemberg, wo seit dem Jahr 2003 in der ersten Klasse Englisch und entlang des Rheins teilweise französisch unterrichtet wird, gibt es auch andere Gründe, die gegen den frühen Fremdsprachenunterricht sprechen. Das Hauptargument heißt hier Lehrermangel. Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann hat deshalb vor kurzem erklärt: Man überlege, den Fremdsprachenunterricht zu reduzieren, um mehr Lehrkräfte für Deutsch und Rechnen zu haben. Insgesamt fehlten im Frühjahr 2017 in Baden-Württemberg 1.700 Lehrerinnen und Lehrer.


mk/sts ( mit dpa/afp)

 

 

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