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Kultur

Früh übt sich

Wenn vor lauter "ähem" die Plauderei nicht in die Gänge kommt und die Unwetterwarnung im Lokalradio nicht verstanden wird, dann ... hätte man einfach viel früher anfangen sollen, die Sprache des Urlaubslandes zu lernen.

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Drei Sprachen sind ideal: die eigene, die der Nachbarn und eine dritte

Die begabtesten Sprachgenies der Welt kriegen keinen einzigen sinnvollen Satz zusammen: die Neugeborenen. Sie – und nur sie – können die Lautstruktur jeder x-beliebigen Sprache der Welt aufnehmen. Vom ersten Tag an sortieren sie das, was Mama, Papa, Tante und Onkel zu ihnen sagen unbewusst in zwei Schubkästchen in ihrem Hirn: In das eine kommen die Laute, die sie immer wieder hören, in das andere der zu vernachlässigende Rest. So behalten Babys die für ihre Muttersprache typischen Laute. Die anderen werden verdrängt und vergessen. Und das erschreckend schnell.

Hirnforscher der Universität Helsinki haben 2001 in einer Studie gezeigt, dass sich das Lernfenster für Lautunterscheidungen im Hirn bereits schließt, bevor das Kind überhaupt sprechen kann. So können zum Beispiel Kinder im Alter von sechs Monaten Laute, die es im Estnischen aber nicht im Finnischen gibt, sauber unterscheiden. Einjährige haben den Sortiervorgang im Hirn bereits abgeschlossen und unterscheiden lediglich die Laute, die für ihre Muttersprache wichtig sind. Jetzt ist es nur noch mit einem erheblichen geistigen Kraftakt möglich, die Lautstruktur einer anderen Sprache eins zu eins aufzunehmen.

Bilingual ist besser

Ein japanisches Kleinkind hat zum Beispiel "begriffen", dass R und L nicht wichtig sind für seine Sprache – und es hat später die allseits bekannten Schwierigkeiten, Englisch oder Deutsch zu lernen. Am sinnvollsten für den Fremdsprachenerwerb ist es, bereits mit Neugeborenen in mehreren Sprachen zu sprechen. Wenn das Kind nicht bei zweisprachigen Eltern aufwächst, dann - so empfiehlt die britische Sprachforscherin Judith Evans - sollten sie den Nachwuchs mit Kassetten oder Radioprogrammen in Fremdsprachen beschallen. Nur so bilden sich im Hirn "Lautkarten" für die Sprachen aus.

Und auch Fehler gehören zum Lernprozess dazu. Mehrsprachig erzogene Kinder machen sie - logischerweise - in allen ihren Sprachen. Viele Eltern fürchten dann, dass ihre Sprösslinge alles durcheinander bringen und keine Sprache richtig können. "Das ist vollkommener Unsinn", beschwichtigt Henning Wode, Linguist an der Universität Kiel. "Die Kinder lernen jede der Sprachen so, als wäre es die Muttersprache. Niemand ist vom ersten Tag an perfekt." Die Ängste der Eltern sind also unbegründet - zumindest wissenschaftlich.

Es ist nie zu spät

Wer erst im Schul- oder Erwachsenenalter anfängt, Fremdsprachen zu lernen, dem ist das frustrierende Ergebnis jahrelangen Büffelns aus dem Buch wohlvertraut: Meist bleibt der Wortschatz eher bescheiden, die Grammatik hakelt und überall stempelt einen der hörbare Akzent als Ausländer ab. "Das Gedächtnis greift beim Lernen auf das Sprachwissen der Muttersprache zurück", erklärt Wode, "und zwar hochgradig systematisch." Zwangsläufig kommt aus dem Mund des Lenrnenden eher ein Satz "English for Runaways" als geschliffenes Oxford English.

Doch selbst beim Spätstart ist nicht alle Mühe vergebens. Amerikanische Psychologen empfehlen für den Zweitsprachenerwerb eine Mischung aus dem "Prinzip Kleinkind" und Sprachreisen: Für den Anfang genügt es, die neue Sprache häppchenweise, am besten Wort für Wort, in alltagspraktischen Situationen zu lernen. Wer das geschafft hat und sich einigermaßen verständlich machen kann, der sollte längere Zeit ins Ausland fahren – um Grammatik und Stil unter Muttersprachlern zu perfektionieren.

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