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Deutschland

Fräuleinwunder in Hollywood

Von der armen Pfarrerstochter zum Hollywoodstar - die Karriere der deutschen Schauspielerin Elke Sommer klingt märchenhaft. Die Ikone der 60er Jahre feierte am 5. November ihren 70. Geburtstag.

Die Schauspielerin und Sängerin Elke Sommer am 23.08.2010 in Berlin (Foto: dpa)

Elke Sommer 1973 in Florida

1958 im Badeort Viareggio an der italienischen Adria: Aus einer Laune heraus nimmt die deutsche Urlauberin Elke Schletz an einer Misswahl in dem kleinen Ferienörtchen teil. Die 17-jährige Blondine verdreht den Anwesenden den Kopf, gewinnt die Wahl und ist am nächsten Tag in der Lokalzeitung abgelichtet. Ein Filmregisseur wird auf das bildhübsche Mädchen aufmerksam. Prompt hat die junge Elke Schletz aus Deutschland eine Filmrolle und kurze Zeit später auch einen neuen Nachnamen - "Sommer" ist durchweg positiv besetzt und kann auf der ganzen Welt leicht ausgesprochen werden.

Schwierige Jahre

Als Elke Sommer noch Elke Schletz hieß, war sie eines von vielen verarmten Kindern, die mit ihrer Familie im zerstörten Nachkriegsdeutschland über die Runden kommen mussten. Ihr Vater war ein schlecht bezahlter Pfarrer im fränkischen Erlangen. Als er starb, war Elke erst 14 Jahre alt. Mutter und Tochter schlugen sich durch.

Elke ging nach der Schule für ein Jahr nach London, lernte Englisch und machte ein Examen für das später geplante Sprachenstudium. Zur Belohnung gab es den Italienurlaub, aus dem sie erst Jahre später wieder zurückkehren sollte.

Der Weg nach Hollywood

Elke Sommer 1963 (Foto: Mary Evans Picture Library)

Elke Sommer in "The Prize" (1963)

Nach den ersten Filmrollen steht der jungen Frau die Welt offen. Aus ganz Europa kommen Anfragen. Elke Sommer zieht mit ihrer Mutter nach Rom - schließlich schlägt dort in der Filmstadt Cinecitta das Herz der italienischen Filmindustrie. Sie dreht einen Streifen nach dem anderen. Regisseure aus ganz Europa strecken die Hände nach der blonden Schauspielerin aus, die mittlerweile fünf Sprachen fließend spricht.

1962 wird sie für ihre Rolle in "Das Mädchen und der Staatsanwalt" für den Golden Globe nominiert. Jetzt wird Hollywood auf sie aufmerksam. In "The Prize" spielt sie an der Seite von Paul Newman - ein riesiger Karriereschritt. Filme mit Peter Sellers, James Garner und Dean Martin folgen. In Hollywood wurde die Deutsche Elke Sommer eine feste Größe.

Gefragte Schauspielerin

Mit Dean Martin in The wrecking crew (1969) (Foto: Mary Evans Picture Library)

Mit Dean Martin in "The wrecking crew" (1969)

Sie jettet zwischen den USA und Deutschland hin und her, dreht auf beiden Seiten des Atlantiks Filme. Auch große deutsche Schauspieler sind ihre Filmpartner: Bernhard Wicki, Götz George oder Mario Adorf. Fünf Filme pro Jahr sind keine Seltenheit. Die Palette reicht von Krimis über Actionthriller bis hin zu Komödien.

Wobei sie auch Rollen annimmt, die sie auf ihre körperliche Erscheinung reduzieren: Sie mimt auch schon Mal das propere Blondchen mit den üppigen Kurven und dem Herzen am rechten Fleck - zum Beispiel 1964 als deutsche Farmerstochter Annie in der Karl-May-Verfilmung "Unter Geiern". So entsteht ihr Image als sexy Blondine - von machen wird sie gar als Nachfolgerin von Marilyn Monroe gefeiert. Auch wenn Elke Sommer dieses Image nie richtig los wurde, blieb ihr Privatleben skandalfrei - eine Seltenheit in Hollywood.

Sommer als Sängerin (Foto: dpa)

Mit der Gesangskarriere hat es nicht so gut geklappt

Als sie dann versucht, ihre Bekanntheit zu nutzen, um auch als Plattenstar Karriere zu machen, floppt sie. Dennoch gibt es mehrere Langspielplatten mit ihr. Und sie hat noch ein Talent: Sie malt. Unter dem Pseudonym E. Schwartz präsentiert sie ihre Werke in Ausstellungen auf der ganzen Welt. Wenn man Elke Sommer heute nach ihrem Hauptberuf fragt, dann sagt sie: "Ich bin Malerin."

Wahlheimat USA

In Deutschland ist der Name Elke Sommer zwar ein Begriff. Große Beachtung hat ihr Film "Die Reise nach Wien" mit Hannelore Elsner und Mario Adorf gefunden. Doch ihre große Karriere hat sie in den USA gemacht. Nicht nur in den üblichen Talkshows ist sie ein gern gesehener Gast: 1978 tritt sie neben Frosch Kermit und Miss Piggy in der "Muppet-Show" auf - in US-amerikanischen Künstlerkreisen kommt das damals einem Ritterschlag gleich.

Mit Hannelore Elsner in Die Reise nach Wien (1973, Foto: Kinowelt/Arthaus)

Mit Hannelore Elsner in "Die Reise nach Wien" (1973)

Am 5. November 2010 feiert Elke Sommer ihren 70. Geburtstag. Sie kann auf 95 Kinofilme, etliche Theaterrollen und TV-Auftritte zurückblicken - auf manche darf sie stolz sein, auf manche weniger. Sie lebt mit ihrem zweiten Mann, einem ehemaligen Hotelier, in Los Angeles. Eigene Kinder hat sie nach einer Fehlgeburt nie bekommen. Ihr Lebensmittelpunkt ist ihr Haus in Beverly Hills, doch ihre fränkische Heimat hat Elke Sommer nie vergessen. Einmal pro Jahr fährt sie in den kleinen Ort in der Nähe von Erlangen, hat sie vor kurzem dem Nachrichtenmagazin "Focus" erzählt - und zu Essen gebe es dann "einen zünftigen Sauerbraten, da haut's dich auf den Arsch!"

Text: Silke Wünsch
Redaktion: Kay-Alexander Scholz