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Sport

"Foul von Rechtsaußen"

…so heißt die deutschlandweite Kampagne von Sport und Politik. Mit einem Handlungskonzept sollen all die großen und kleinen Initiativen gebündelt werden, die bereits gegen die Unterwanderung durch Rechtsextreme kämpfen.

Say No To Racism - FIFA Antirassismus Kampagne mit den U 20 Nationalspielerinnen aus den USA und Deutschland bei der WM 2008 (Foto: dpa)

L-r: DFB-Präsident Theo Zwanziger, DOSB-Präsident Thomas Bach, Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) stehen zu Beginn der Auftaktveranstaltung zu Aktion Foul von Rechtsaußen - Sport und Politik verein(t) für Toleranz, Respekt und Menschenwürde zusammen. (Foto: dpa)

Sport und Politik vereint gegen Rechtsextremismus

Zuerst die gute Nachricht: Der organisierte Rechtsextremismus in Deutschland ist auf dem Rückzug. Laut Bundesinnenministerium sind nur noch etwa 7.000 Menschen in rechten Parteien wie der NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands) organisiert. Die schlechte: Der informelle Rechtsextremismus unterwandert verstärkt das gesellschaftliche Leben. Besondere Sorge gilt dem Sport. Hier häuften sich in den vergangenen Jahren Negativschlagzeilen über rechtsextreme Fan-Gruppierungen oder Sporttrainer, die über den Umweg des Sports rechtes Gedankengut verbreiten.

Zahlreich sind hier kleine und große Initiativen, die versuchen mit Informationsveranstaltungen und Aktionen die vielen Sportvereine in Deutschland für dieses Thema zu sensibilisieren. Damit hier aber nicht jede Initiative ihr eigenes Süppchen kocht, startet nun eine bundesweite Kampagne unter dem Motto "Foul von Rechtsaußen – Sport und Politik verein(t) für Toleranz, Respekt und Menschenwürde".

4,5 Millionen Jugendliche in Sportclubs aktiv

"Wir werden nie die ganze Gesellschaft erreichen können", gab Bundesinnenminister Thomas de Maiziere zu. "Allerdings ist fast die Hälfte eines Jahrgangs zwischen 15 und 26 Jahren im organisierten Sport vertreten. Wir wären doch dumm und töricht, wenn wir diese breite Ansprechmöglichkeit nicht nutzen würden." Sorgen würden dem Innenminister beispielsweise "einige Aktive in Kampfsportarten und einige Fangruppen" machen.

Dabei sei es aber wichtig, dass sich die Sportclubs ihrer Mitverantwortung bewusst würden. "Manche Vereine behaupten immer wieder: Mit Politik haben wir nichts zu tun, wir machen doch einfach nur Sport", sagt hierzu der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger. Aber so einfach könnten es sich die Vereine nicht machen, sondern müssten sich der Problematik stellen und notfalls auch rechtsextreme Mitglieder oder Trainer ausschließen.

Keine "Reparaturwerkstatt der Gesellschaft"

In Brandis bei Leipzig griffen am 24.10.2009 rund 50 Neonazis bei einem Bezirksklassespiel die gegnerischen Fans an.

Neonazis in Brandis bei Leipzig

Hier gebe es bereits viele Initiativen, die die Vereine fachlich unterstützen können. Das gemeinsame Handlungskonzept von Sport und Politik soll nun diese vielen Einzelaktionen vernetzen. Wie diese Zusammenarbeit im Konkreten aussehen soll, blieb bei der Auftaktveranstaltung offen. Aenne Kürschner vom Landessportbund Thüringen ist dennoch zufrieden. Ihr Verein arbeitet seit längerer Zeit schon gegen rechtsextreme Unterwanderung, klärt lokale Sportvereine auf und berät sie bei möglichen Ausschlussverfahren von einzelnen Mitgliedern oder Trainern. "Für mich ist es ein unheimlich wichtiges Zeichen, weil es zeigt, dass der Sport mit dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe nicht überfrachtet wird, sondern dass es eben auch der Mithilfe der Politik bedarf." Schließlich könne der Sport ja nicht allein die "Reparaturwerkstatt der Gesellschaft" sein.

Das erste Signal ist also gesetzt. Bleibt zu hoffen, dass möglichst viele der rund 40.000 Sportvereine in Deutschland von dieser bundesweiten Kampagne profitieren und gemeinsam mit der Politik gegen rechtsextreme Bewegungen vorgehen werden.

Autorin: Nadine Wojcik
Redaktion: Arnulf Boettcher