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Kunst

Fotografin Adriane Ohanesian erhält Anja Niedringhaus-Preis

Kriegsfotografinnen gehen oft ein sehr hohes Risiko für ihre Arbeit ein. Manche verlieren dabei ihr Leben, wie Anja Niedringhaus. Ein nach ihr benannter Preis geht nun an Adriane Ohanesian - für ihre Fotos aus dem Sudan.

Was ist ein gutes Foto? Wie viel Leid kann es dem Betrachter zumuten? Mit diesen Fragen setzen sich Kriegsfotografen auseinander, die nicht nur die schrecklichen, sondern auch die alltäglichen Seiten des Krieges zeigen. Manche ihrer Aufnahmen bleiben für immer im Gedächtnis haften, wie zum Beispiel das berühmte Bild des nackten Mädchens, das während des Vietanmkriegs weinend eine Straße entlangläuft.

Seit 2014 wird der Mut und der journalistische Einsatz von Kriegsfotografinnen mit dem Anja Niedringhaus-Preis gewürdigt. Der von der "International Women's Media Foundation" (IWMF) verliehene Preis ist nach der bekannten deutschen Kriegsfotografin und Pulitzer-Preisträgerin Anja Niedringhaus benannt, die 2014 in Afghanistan im Alter von 48 Jahren ums Leben kam. Bei einer Straßensperre wurde sie von einem afghanischen Polizisten erschossen. Ein Jahr nach ihrem Tod rief die IWMF – die sich seit 1990 für die Pressefreiheit und die Stärkung mutiger Journalistinnen in aller Welt einsetzt und mit der Deutschen Welle eine Medienkooperation unterhält – den mit 20.000 Dollar dotierten Preis ins Leben.

"Ein scharfsinniges und mitfühlendes Auge"

Die erste Preisträgerin wurde im vergangenen Jahr die US-Amerikanerin Heidi Levine, die seit 1983 in Jerusalem lebt und unter anderem für die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) arbeitet. Die

eng mit Niedringhaus verbundene Fotografin

wurde für ihre journalistische Berichterstattung während der Revolutionen in Ägypten, Syrien und Libyen und während der Stationierungen von US-Soldaten im Irak ausgezeichnet.

Dieses Jahr geht der Preis an Adriane Ohanesian. Die freiberufliche Fotojournalistin aus den USA lebt seit 2010 in Nairobi, der Hauptstadt Kenias, und arbeitete unter anderem bereits für Al Jazeera, National Geographic und das Wall Street Journal. Im Jahr 2012 fing sie an, für die Nachrichtenagentur Reuters mit ihren Fotografien über den Bürgerkrieg im Sudan zu berichten. Die Jury lobt in ihrer Begründung die "bewegenden Bilder und ihren beharrlichen Einsatz in der Berichterstattung über die Auswirkungen von Konflikten auf die Bevölkerung in Krisengebieten". Ihr "scharfsinniges, mitfühlendes Auge" ermögliche der Öffentlichkeit außergewöhnliche Einblicke in Orte, die sie sonst womöglich nie sehen würde, heißt es weiter.

Verhaftete Männer in Somalia, Foto von Adriane Ohanesian

Verhaftete Männer in Somalia stehen unter Verdacht, der islamistischen Al-Shabaab Miliz anzugehören.

Ohanesian: "Am Ende des Tages geht es nicht um mich."

Für Ohanesian steht die Botschaft ihrer Bilder und nicht sie selbst im Mittelpunkt: "Am Ende des Tages geht es nicht um mich. Es geht um das Leben der Menschen auf den Bildern. Meine Fotos dokumentieren, was ich in isolierten Gebieten dieser Welt gesehen habe. Ich hoffe, die Menschen, die ich fotografiere, sehen diese Fotos als Möglichkeit, den Menschen der Außenwelt von ihren Lebensumständen zu berichten."

Neben Ohanesian ehrt die Jury – die aus Fotoredakteuren der Associated Press, der New York Times und VII Photo besteht – die beiden Fotografinnen Lynsey Addario und Paula Bronstein. Addario gewann 2009 zusammen mit weiteren Journalisten der New York Times den Pulitzerpreis. Sie steuerte Fotos zum Artikel "Talibanistan" aus dem Jahr 2008 bei, der über den Krieg in Afghanistan berichtete. Bronstein, die bereits den World Press Award erhielt, berichtete in ihrer bisherigen Karriere über Flüchtlinge, Naturkatastrophen und politische Proteste u.a. in Thailand, Afghanistan, Griechenland, Hong Kong und Nepal. Alle drei Fotografinnen werden am 9. Juni in Washington D.C. bei einer vom Deutsch-Amerikanischen Botschafter Peter Wittig geleiteten Veranstaltung geehrt.

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