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Kunst

Fotograf Steve McCurry wegen Photoshop-Nutzung in der Kritik

Mit dem National-Geographic-Titelbild "Afghan Girl" erlangte er Weltruhm. Nun gab Fotograf McCurry zu, einige seiner Bilder bearbeitet zu haben. Manche Kollegen sehen dadurch die Ethik des Fotojournalismus' verletzt.

Der amerikanische Fotografieblog PetaPixel brachte die Geschichte Anfang des Monats ans Licht, nachdem der italienische Fotograf Paolo Viglione ein verpfuschtes Bild von McCurry veröffentlichte. Viglione hatte ein McCurry Bild von einer Kubareise auf dem Blog der Magnum-Fotografen entdeckt. Das zweifelhafte Foto zeigt ein

Stück eines Straßenschildes, welches an einem Bein eines Passanten "klebt"

.

Social Media Nutzer forderten daraufhin eine Erklärung und stellten den Wahrheitsgehalt der McCurry-Werke in Frage. McCurrys persönlicher Blog, der ein Archiv seiner Bilder enthielt, ist seitdem komplett gelöscht.

"Moralische Verfehlung"

Bereits Ende April hatte Gianmarco Maraviglia, Gründer und Direktor der "Echo Photojournalism" Agentur, zwei Bilder von McCurry veröffentlicht: Das unbearbeitete Original und das gleiche Foto - dieses Mal bearbeitet -, auf dem zwei Personen wegretuschiert wurden.

"Was er mit Photoshop gemacht hat, überschreitet absolut die Grenzen des Berufs", so Maraviglia im Gespräch mit der DW. "Meiner Meinung nach darf man in der journalistischen Fotografie nicht einmal einen Pixel verändern."

McCurry "trägt die Verantwortung dafür, die ethischen Standards seiner Kollegen und der Öffentlichkeit hochzuhalten, welche ihn als Fotojournalist sehen", legt Sean D. Elliot, Vorsitzender der Ethikkommission der "National Press Photographer's Association" (NPPA) nach. "Jede Änderung der journalistischen Wahrheit seiner Bilder, eine eventuelle Manipulation der Fakten, unabhängig davon, wie relevant er oder andere sie sehen, stellt eine moralische Verfehlung dar", so Elliot.

Steve McCurry selbst ist sicher keine Verfehlung bewusst. Trotz seiner jahrelangen Arbeit in Konfliktgebieten verstehe er sich nicht als Fotojournalist, sondern als "visueller Storyteller" - also als Künstler, sagte er dem Time Magazin.

"Obwohl ich das Gefühl habe, dass ich mit meinen Bildern ästhetisch und kompositionell tun kann, was ich will, verstehe ich jetzt, wie verwirrend es für Menschen sein muss, die noch immer denken, dass ich ein Fotojournalist bin", so der amerikanische Fotograf im Interview. Er räumte aber ein: "In Zukunft werde ich dieses Programm nur noch minimal verwenden - für meine eigenen Arbeiten auf persönlichen Reisen."

Müssen Bilder immer die Wahrheit erzählen?

Generell sind Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop akzeptiert, um etwa Kameradateien zu verarbeiten oder um geringe Farb- bzw. Belichtungskorrekturen vorzunehmen. Doch die meisten Fotoagenturen verbieten es, Objekte aus den Bildern wegzuretuschieren oder hinzuzufügen.

So auch "Associated Press", eine der größten Agenturen der Welt: "AP Bilder müssen immer die Wahrheit erzählen. Auf keinster Weise verändern oder manipulieren wir digital den Inhalt des Fotos", heißt es in ihrem Kodex. Und weiter: "Kein Element sollte digital von einem beliebigen Foto entfernt oder hinzugefügt werden. Die Gesichter oder Identitäten von Personen dürfen nicht durch Photoshop oder eine andere Bearbeitungssoftware verdeckt werden."

Auch AP's größte Konkurrenz, die Nachrichtenagentur "Reuters", untersagt, Nachrichten künstlerisch zu interpretieren. 2015 etwa informierte sie ihre Fotografen per E-Mail, dass sie in Zukunft keine "RAW-Dateien" mehr verwenden dürften, sondern nur noch "JPEG's". Diese seien wesentlich schwerer zu bearbeiten, als RAW-Dateien.

McCurry hat Vorbildfunktion

McCurrys Verhalten ist auch nach seinen Erläuterungen weiterhin umstritten unter den Fotografen. "McCurry ist ein Vorbild für viele angehende Fotojournalisten, trotzdem ist das digitale Entfernen von Objekten in seinen Bildern völlig falsch", so der Echo-Fotojournalist Maraviglia im Gespräch mit der DW. "Ich habe ihn und seine Arbeit respektiert. Aber die Regeln müssen für alle gleich sein."

In der heutigen Welt, in der Fotos sogar mit dem Smartphone schon mehr oder minder professionell bearbeitet werden können, dürfte es immer schwieriger werden, diese Regeln aufrecht zu erhalten.

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