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Fokus Osteuropa

Fortschritte bei Erdöl-Transportkorridor über die Ukraine und Polen

Der Euro-Asian Oil Transport Corridor, über den Europa mit kaspischem Erdöl beliefert werden soll, hat in Warschau eine weitere Hürde genommen. Experten zufolge müssen Polen und die Ukraine sich aber stärker engagieren.

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Hafen von Odessa

Die Aktionäre des internationalen Konsortiums Sarmatia haben die technische und wirtschaftliche Machbarkeitsstudie für den Euro-Asian Oil Transport Corridor (EAOTC) bestätigt. Er soll auf Basis der Erdölpipeline Odessa-Brody entstehen. Nach Plänen der Projektteilnehmer soll kaspisches Öl über den georgischen Hafen Poti am Schwarzen Meer mit Tankern nach Odessa transportiert und von dort über die Leitung bis zur ukrainischen Stadt Brody im Gebiet Lwiw gepumpt werden. Von dort aus soll die Pipeline bis zum polnischen Plozk verlängert werden, um die Märkte Westeuropas zu erreichen.

Potentielle Abnehmer in Mitteleuropa

Dem ukrainischen Energie-Experten Mychajlo Hontschar vom Kiewer Forschungszentrum Nomos zufolge kann bereits heute über die ukrainische Pipeline Odessa-Brody kaspisches Öl in Umgehung Russlands nach Europa geliefert werden. "Die Leitung schließt an den südlichen Abzweig der Druschba-Pipeline an. Das bedeutet, dass nicht nur zwei ukrainische Raffinerien, sondern auch die in der Slowakei und in Tschechien versorgt werden können", unterstrich Hontschar im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Prag und Bratislava haben, so der Experte, bereits vor sechs Jahren Interesse an der Pipeline bekundet. Die Bedingungen, sich dem Projekt anzuschließen, seien heute günstiger. So sei das Kontrollpaket der Aktien an der Erdöl-Transportgesellschaft Transpetrol inzwischen wieder in staatlicher slowakischer Hand. Früher habe es sich unter Kontrolle des russischen Unternehmens Yukos befunden. Die russische Seite habe aber die Entwicklung des Projekts für einen Euro-Asiatischen Erdöl-Transportkorridor blockiert, berichtete Hontschar.

Politischer Druck aus Moskau

Die von der Ukraine 2003 gebaute Ölleitung Odessa-Brody blieb lange aus politischen Gründen ungenutzt. Im Sommer 2004 beschlossen der damalige Präsident Leonid Kutschma und der damalige Premier Wiktor Janukowytsch unter dem Druck Moskaus, die Pipeline in umgekehrter Richtung für den Transport russischen Erdöls von Brody aus in Richtung Odessa in Betrieb zu nehmen.

Inzwischen ist jedoch geplant, dass das Öl in umgekehrter Richtung gepumpt werden soll. Vor drei Jahren wurde mit finanzieller Unterstützung der EU sogar zunächst eine Machbarkeitsstudie für den Weiterbau der ukrainischen Pipeline bis zum polnischen Plozk entworfen. Ein Weiterbau hätte ermöglicht, dass kaspisches Erdöl nicht nur die Märkte Mittel- sondern auch Westeuropas erreicht. Für das damalige Scheitern des Projekts macht Hontschar die Regierungen der Ukraine und Polens verantwortlich.

Polen und die Ukraine müssen handeln

Die jetzige Machbarkeitsstudie legte die amerikanische Gesellschaft Granherne im Auftrag des Konsortiums Sarmatia vor, dem ukrainische, aserbaidschanische, georgische, litauische und polnische Gesellschaften angehören. Das Projekt ist Teil eines größeren Plans zur Zusammenarbeit in der Region zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, das auch die Einbindung der kaspischen Staaten vorsieht.

Hontschar sagte, wenn sich Polen und die Ukraine nun um einen Zeitplan zur Fertigstellung der Pipeline bis nach Plozk bemühen würden, dann stünde einer weiteren Pipeline für kaspisches Erdöl nach Europa in Umgehung Russlands nichts mehr im Wege. "Es gibt Abnehmer in Tschechien und es gibt das Angebot Aserbaidschans, Öl zu liefern. Nötig ist nur noch der politische Wille der Regierungen in Polen und der Ukraine", so der Experte.

Autor: Oleksandr Sawyzkyj / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Bernd Johann

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