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Kultur

Fortpflanzung ohne Sex

Das besondere an Louise Joy Brown ist nicht nur, dass sie Freitag (25. Juli 2003) 25 Jahre alt wird - sie ist der erste Mensch, der im Reagenzglas geschaffen wurde. Was damals eine Sensation war, ist heute fast normal.

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Viele Babys kommen durch In-Vitro-Befruchtung zur Welt

Rückblick: Am 25. Juli 1978 im Kreiskrankenhaus von Oldham, Nordengland präsentiert der Gynäkologe Patrick Steptoe voller Stolz die neugeborene Louise Joy Brown: Ihr Schrei ist kräftig, die Haut rosig gefärbt - ein rundum gesundes Baby. Ihre Geburt ist etwas besonderes: Schließlich ist Louise weltweit der erste Mensch, der außerhalb des mütterlichen Körpers gezeugt wurde. Und das obwohl ihre Mutter bereits neun Jahre lang als unfruchtbar galt.

In-Vitro-Fertilisation

Bei einer normalen Befruchtung verschmelzen Samen und Eizelle im Eileiter der Mutter. Louises Zeugung fand im Labor statt. Genauer: In einer flachen Petrischale kamen Samen und Eizelle erfolgreich zusammen. Eine solche "Befruchtung im Glas" heißt In-Vitro-Fertilisation. Drei Tage nach diesem unbefleckten Zeugungsakt wird der entstandene Embryo dann in die Gebärmutter eingesetzt.

Kinder, um jeden Preis

Kleinkind saugt an der Mutterbrust

Kein Verzicht auf Mutterglück

Heute boomt das Geschäft mit der guten Hoffnung: 112 Zentren bieten derzeit In-Vitro-Befruchtungen an: Vor fünf Jahren waren es noch halb so viele. Immer mehr Frauen bekommen "Kinder aus der Petrischale". Im Jahr 2002 waren es mehr als 80.000. Allein in Deutschland sollen bislang etwa 100.000 Menschen leben, die im Reagenzglas gezeugt wurden, schätzen Wissenschaftler. Jedes sechste bis achte Paar gilt als ungewollt kinderlos. Eine Betroffene erklärt warum: "Mit dem Gedanken zu leben: ich kann kein Kind bekommen. Ich kann etwas nicht, was andere Frauen können. Das tut einfach weh."

Zeugung zu dritt

Geholfen wird mit der In-Vitro-Technick nicht nur Frauen, sondern auch Männern, die beispielsweise unbewegliche oder ganz einfach zu wenig Samen haben. Mit einer speziellen Technik kann ein einzelnes Spermium direkt in eine Eizelle gespritzt werden. Und damit nicht genug: Auch Dritte können zur Hilfe kommen, zum Beispiel als Leihmutter oder Eizellspenderin. Das ist besonders für Frauen interessant, denen nach einer Operation die Gebärmutter oder die Eierstöcke entfernt wurden.

Eizellen im Internet

Allerdings verbietet das Embryonenschutzgesetz in Deutschland sowohl die Leihmutterschaft als auch die Eizellspende. Viele Paare weichen deshalb nach Belgien, Großbritannien, Osteuropa oder in die USA aus. Dort sind die gesetzlichen Regelungen wesentlich lockerer oder schwammiger. Im Internet können sie in vollen Datenbanken nach "ihrer" Eizellspenderin suchen.

Sandy: blond, hellhäutig, freundlich

Auf der Internetseite einer amerikanischen Firma im Internet steht dann beispielsweise:"Sandy, 27. Deutsch-amerikanischer Herkunft. Größe: 1,76. Gewicht: 60 Kg. Blonde Haare. Braune Augen. Helle Hautfarbe. Keine Sommersprossen. Keine Vorerkrankungen in der Familie. Charakter: freundlich, gesellig und positiv denkend."

Baby träumt

Baby ohne dicken Bauch - die Leihmutter hilft

Billig ist das natürlich nicht: Wer Eizellen von Sandy bestellt muss etwa 3.000 Dollar bezahlen. Das Ganze funktioniert so: Entweder reist das Paar zum Zeitpunkt der Eizell-Entnahme zu der Spenderin, die Eizelle wird mit dem Sperma des Mannes vor Ort befruchtet und, nach erfolgreicher Befruchtung, in die Gebärmutter der Frau eingesetzt. Oder: Das Sperma wird per Express in speziell gekühlten Transportbehältern unter Umständen über Tausende von Kilometern zur Klinik der Eizellspenderin geschickt. Wenn alles gut geht, kommt dann ein paar Tage später der befruchtete Embryo zurück.

Kinder zeugen aus finanzieller Not

Sigrid Graumann, Forscherin und Ethikerin, sieht gerade diese Entwicklungen bei der Reagenzglas-Befruchtung sehr kritisch: "Ich meine dass man Regelungen finden muss, um die Frauen in den Ländern vor einer Ausbeutung zu schützen. Das sind in aller Regel unterprivilegierte Frauen, die aus finanziellen Notlagen heraus Eizellen spenden - und nicht, weil sie Gutes tun wollen für die deutschen Kinderwunsch-Patientinnen."

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