1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Forschernase zu Hühnerschnabel

Man kennt es: Beim Öffnen des Frühstückseis quillt leichter Fischgeruch an die Nase - widerlich. Woran liegt's? Am Futter? An den Hühnern? Einblicke in die Stink-Ei-Forschung.

default

Stinkt's?

Nein, es liegt nicht am Fisch. Hühner bekommen in Deutschland schon seit vielen Jahren kein Fischmehl mehr zu fressen. Dennoch ist das Problem nicht gelöst. Ein Huhn, das fast jeden Tag ein Ei legen soll, muss viel fressen. Viel Eiweiß vor allem.

Freilaufende Hühner mit Hahn

Freilaufende Hühner mit Hahn

Deswegen füttert Eckhardt Eisenach seine Hühner mit den wertvollsten Eiweißquellen, die sein Biohof in Guntershausen bei Kassel hergibt: Ackerbohnen und Erbsen, Weizen und Gerste, und sogar Sojakuchen - der kommt aber aus Südtirol. Nur Rapsschrot ist nicht dabei. Wegen der Sorge um den guten Geschmack im Hühnerei: "Rapsschrot an sich ist schon hochwertiges Futter", weiß der Bauer. "Aber man sagt, wenn bestimmte Hühnerrassen Rapsschrot fressen, dann können die Eier fischig schmecken und riechen." Deshalb gibt's bei ihm keinen Raps für die Hühner.

Müsli zum Frühstück

Schuld am Fischgestank im Frühstücksei ist eine Substanz, die im Körper einiger Hennen nicht vollständig abgebaut wird: Trimethylamin. "Unter normalen Umständen kommt es nicht zu den Stinke-Eiern", sagt Agrarwissenschaftler Dr. Sven Dänicke von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig. Aber: "Bestimmte Hennen haben einen genetischen Defekt. Denen fehlt ein Enzym", erklärt er. Dänickes Arbeit hat weltweite Bedeutung. Da viele Legehennen aus deutscher Zucht stammen, kann der Fischgeruch an amerikanischen Frühstückstafeln genauso auftreten wie in Australien oder Skandinavien.

Genau hinriechen

Auf der Suche nach den "Stinke-Hühnern" bedienen sich die Züchtungsforscher der klassischen Methoden der Gentechnik. Ziel ist es, die Erbsubstanz soweit aufzuschlüsseln, dass die betroffenen Tiere aus der Zucht ausgeschlossen werden. Bis es soweit ist, müssten die Hühnerhalter in ihren Ställen mal genau "hinriechen".

"Einige Leute sind der Meinung, dass man über Atemproben bei den Hennen auch die Stinker identifizieren kann", sagt Dänike. "Da ein Teil über die Lunge abgegeben wird, soll man das am Atem der Hennen erkennen können." Man muss also die Henne dazu überreden, dass sie einen mal riechen lässt. "Selber habe ich das noch nicht ausprobiert", gibt Dänike zu.

Hühnerhandel

Die Forschernase ganz dicht am Hühnerschnabel - sicher ein unkonventioneller Weg. Und das Ganze gerät zur Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Denn es ist nicht so, dass die einen Eier heftig stinken und die anderen überhaupt nicht - die Übergänge sind fließend. Und ebenso dürften Konsumenten unterschiedlich empfindlich reagieren. Denn bei Geschmacksproben fand Sven Dänicke heraus, dass die einen Testpersonen angewidert die Augen verdrehten, während andere genüsslich das Ei verspeisten.

Der Tipp vom Forscher

Erhöhte Dioxinwerte in Freilandeiern

Bislang ist auch nicht bekannt, wie groß der Anteil der Hühner ist, die Stinke-Eier legen. Dennoch hat Sven Dänicke einen Einkaufs-Tipp parat: "Die Gefahr, dass man ein Stink-Ei kauft, ist prinzipiell sehr gering", beruhigt er potentielle Ei-Erwerber, "aber wenn Sie ein braunschaliges Ei kaufen, ist die Gefahr größer, ein stinkendes zu erwischen."

Die Redaktion empfiehlt