1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Forscher stoppen Versuch mit Anti-AIDS-Gel

Frauen sollen sich mit Mikrobiziden vor HIV schützen können. Noch ist das ein Wunschtraum. Grade mussten zwei Studien zu den Vaginal-Gels abgebrochen werden. Armin Schafberger erklärt im Interview mit DW-WORLD.DE warum.

default

Der Versuch musste nach 30 Neuinfektionen abgebrochen werden

DW-WORLD.DE: In den vergangenen zwei Jahren sind 1300 Frauen in Südafrika, Benin, Uganda und Indien mit Mikrobiziden getestet worden. 30 dieser Frauen haben sich infiziert. Ist das ein Grund so einen Versuch abzubrechen?

Armin Schafberger: Solche Versuche werden immer zwischen-evaluiert. Die Hälfte der Frauen bekommt ein Mikrobizid, in dem einWirkstoff ist, die andere Hälfte bekommt nur eine Creme ohne Wirkstoff. Das Prinzip ist wie bei Impfstoffstudien: Man macht Zwischenevaluationen und wenn man feststellt, in einer Gruppe infizieren sich deutlich mehr als in der anderen Gruppe, dann guckt man nach, was da los ist und unterbricht die Studie. Man hätte auch unterbrochen, wenn das Ergebnis eindeutig zu Gunsten des Mikrobzidids ausgefallen wäre. Dann hätte man gesagt, wir haben das Ergebnis jetzt schon, die Studie muss nicht länger laufen. Das ist ein normaler Vorgang im Umgang mit so einer Studie.

Ist es ethisch zulässig, derartige Tests mit offensichtlich nicht fertig-entwickelten Medikamenten in Entwicklungs- und Schwellenländern durchzuführen? Bringt man die Frauen damit unnötig in Gefahr, weil sie unter Umständen auf Präventionsmaßnahmen wie Kondome verzichten?

Das sind Fragen, die im Zusammenhang mit solchen Studien immer wieder gestellt werden. In diesem Fall ist eine Studie in der letzten Phase der klinischen Entwicklung gestoppt worden. Das ist selten, denn bevor man eine Phase-III-Studie am Menschen macht, macht man Phase-I- und -II-Studien am Menschen in denen eigentlich die Sicherheit dieses Produkts getestet wird und diese Studien haben ergeben, dass dieses Mikrobizid sicher sei. Es sollte also keinen Schaden anrichten. In der Phase-III-Stufe geht es dann erst darum, ob das Produkt einen Nutzen hat. Nun hat sich aber herausgestellt, dass es unsicher ist. Das ist ein seltener Fall und das hat Erstaunen und Entsetzen ausgelöst.

Gibt es Untersuchungen dazu, ob die Nutzung von Kondomen abnimmt, wenn Frauen an so einer Studie teilnehmen?

Wir haben die Ergebnisse dieser Studie noch nicht. Aber wenn man andere Studien macht, wie zum Beispiel Impfstoffstudien oder Beschneidungsstudien, macht man es immer so, dass man beide Studienarme, also die, die den Impfstoff bekommen, oder die, die beschnitten werden und die den Impfstoff oder die Beschneidung nicht bekommen, intensiv berät. Und man hat bislang durchgehend die Erfahrung gemacht, dass sich beide Gruppen anschließend besser mit Kondomen vor HIV schützen. Die Beratung muss man aus ethischen Gründen machen. Diese Leute darf man nicht einem erhöhten Risiko aussetzen. Und die bisherigen Erfahrungen waren immer so, dass die Gruppen ihr Safer-Sex-Verhalten verbessert haben. Sie haben ein besseres Safer-Sex-Verhalten als die Bevölkerung drum herum, die nicht an der Studie teilnimmt.

Vielleicht war es in diesem Fall anders und die Frauen haben eher auf die Kondome verzichtet. Das könnte sein. Komisch ist dann aber, dass ja nur die Frauen, die in dem Mikrobizid-Arm waren, schlechter abgeschnitten haben. Das ist schon verwunderlich und ich habe keine schlüssige Antwort darauf.

Auf der Welt-AIDS-Konferenz in Toronto wurde viel von Mikrobiziden gesprochen. Warum wird so viel Hoffnung in diese Präventionsmaßnahme gesetzt?

Nach fast 25 Jahren Erfahrung mit HIV muss man feststellen, dass sich das Kondom nicht immer und nicht überall durchsetzen lässt. Vor allem Frauen in afrikanischen Ländern sind stärker gefährdet als Männer. Sie können sich aus vielen gesellschaftlichen Gründen schlechter gegen Männer durchsetzen und mit Mikrobiziden hätten sie erstmals ein Instrument, das in der Anwendung in der Hand von Frauen läge.

Armin Schafberger ist Medizinreferent bei der Deutschen Aidshilfe in Berlin

Die Redaktion empfiehlt