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Alltagsdeutsch – Podcast

Forscher aus dem Ausland

Deutschland ist für sehr viele ausländische Forscher ein attraktiver Standort. Sie schätzen unter anderem die guten Arbeitsbedingungen und die Förderprogramme. Die deutsche Sprache ist für sie kein Hindernis.

Sprecher:
Im Jahr 2011 hatte jeder zehnte Forscher in Deutschland einen ausländischen Pass. Rund 22.500 ausländische Forscher arbeiten laut einer Studie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge an deutschen Hochschulen. Im Vergleich zu 2006 ist die Zahl um mehr als ein Drittel gestiegen. Manche Forscher kehren in ihr Heimatland zurück, manche bleiben für immer. Zu ihnen gehört Professor Sanjay Mathur. Der Inder leitet den Lehrstuhl für Anorganische Chemie an der Universität zu Köln und ist in seinem Fach als sehr anerkannt, gilt als sogenannte Koryphäe. 1994 kam er als Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung nach Deutschland und blieb. Was sind die Beweggründe?

Sanjay Mathur:
„Ich fühle mich einfach hier im System zu Hause, habe ich meine Netzwerke hier, meine Kontakte und ich glaube, ich kann viel mehr für Indien aus Deutschland tun, als wenn ich in Indien wäre. Die Programme, die wir hier haben, sind extrem freundlich für das Forscherleben. Und ich bin selbst auch in vielen Teilen dieser Welt unterwegs, und ich kann sagen, dass die Freiheit, die man hier hat, die ist einmalig und unbezahlbar.“

Sprecher:
Professor Sanjay Mathur schätzt die Bedingungen, die er als Forscher in Deutschland vorfindet. Er fühlt sich in diesem System wohl, weil er unter anderem Kontakte mit vielen anderen Forschern aufgebaut hat, ein Netzwerk geschaffen hat. Außerdem ist die Möglichkeit einer freien Forschung für ihn sehr wichtig und wertvoll, sie ist unbezahlbar. Professor Mathur empfindet den Forschungsstandort Deutschland für Wissenschaftler als sehr günstig, als extrem freundlich – und damit ist er nicht der einzige. Vor allem nach Beginn der Weltwirtschaftskrise 2008 entdeckten immer mehr Wissenschaftler weltweit die Vorzüge deutscher Hochschulen. Deutschland überstand im Vergleich zu anderen Ländern die Krise besser, der Bildungsetat wurde sogar weiter erhöht. Die meisten ausländischen Forscher kommen aus der Europäischen Union – vor allem aus den osteuropäischen EU-Mitgliedsländern –, gefolgt von China, Indien und den USA. Was führt einen US-amerikanischen Wissenschaftler wie den Doktor der Philosophie Brendan nach Deutschland?

Brendan:
„Es ist für Forscher wie mich in Deutschland viel einfacher, freie Forschungsgelder zu bekommen als in den USA. Und etwas, das meiner Erfahrung Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien oder Spanien ganz besonders macht, ist, dass es nicht schwer ist, in Deutschland zu leben, wenn man Englisch spricht.“

Sprecher:
Viele amerikanische Wissenschaftler gingen nach Deutschland, weil in den USA die Forschungsetats an Hochschulen gekürzt wurden. Brendan schätzt – wie Professor Sanjay Mathur – die guten Bedingungen, die Wissenschaftler in Deutschland vorfinden, vor allem, wenn es darum geht, Forschungsmittel für ein Projekt zu erhalten. Die Bundesregierung und die Bundesländer starteten 2006 die sogenannte „Exzellenzinitiative“ zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an den Hochschulen. Sie stellen bis 2017 Gelder in Milliardenhöhe bereit, um die Forschung ausgewählter Universitäten zu unterstützen. Ähnliche Erfahrungen wie Brendan hat auch die britische Geologin Jude gemacht.

Jude:
„Als ich meine Promotion in Großbritannien abgeschlossen hatte, gab es keine Möglichkeit, einen Job in dem Forschungsbereich zu finden, in dem ich mich spezialisiert hatte. Zu der Zeit hatte die Regierung besonders in dem Bereich, in dem ich geforscht hatte, die Gelder stark gekürzt. Es sieht so aus, dass die deutsche Regierung momentan auf jeden Fall mehr Geld zur Verfügung stellt. Ich genieße es wirklich, hier in einem internationalen Team zu arbeiten, denn man lernt viele unterschiedliche Sichtweisen kennen. Das hätte man nicht, wenn man nur mit Landsleuten zusammenarbeiten würde.“

Sprecher:
Jude ist Mitglied einer Arbeitsgruppe Geochemie am Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Dort wird unter anderem erforscht, wie das Sonnensystem entstanden ist oder der sogenannte Erdmantel, die Schale im Inneren der Erde, sich entwickelt hat. Jude findet es gut, in einem Team mit Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Ländern zusammenzuarbeiten, weil jeder aufgrund seines kulturellen Hintergrunds anders an Themen herangehe. Man lerne – wie sie sagt – verschiedene Sichtweisen kennen. Aber auch ihre deutschen Kolleginnen und Kollegen sowie die Master-Studenten profitieren von ihrer Erfahrung und ihrer englischen Muttersprache:

Jude:
„So wie sie im Laufe ihrer wissenschaftlichen Laufbahn weiterkommen, müssen sie auf internationalen Konferenzen ihre Untersuchungsergebnisse auf Englisch verfassen und präsentieren. Und für sie ist es eine Gelegenheit, ihr Englisch mit Hilfe einer Muttersprachlerin zu verbessern. Im Gegenzug können sie mir helfen, mein Deutsch zu verbessern.“

Sprecher:
Für beide Seiten ist es eine sogenannte „Win-Win-Situation“. Die Britin unterstützt beim korrekten Abfassen von Untersuchungsergebnissen auf Englisch, da die Wissenschaftssprache ein eigenes Vokabular hat und an deutschen Universitäten immer mehr Studien auf Englisch veröffentlicht werden. Eigene Veröffentlichungen sind für Wissenschaftler sehr wichtig für die Karriere, die Laufbahn. Jude selbst lernt als eine Art Gegenleistung, im Gegenzug, besser Deutsch zu sprechen. Die deutsche Sprache ist für keinen ausländischen Wissenschaftler ein Hinderungsgrund, nach Deutschland zu kommen. Professor Sanjay Mathur ist nicht überrascht, dass immer mehr ausländische Wissenschaftler ein Interesse an Deutschland haben. Er selbst beschäftigt Mitarbeiter aus 13 verschiedenen Ländern in seinem Team.

Sanjay Mathur:
„Als Wissenschaftler spielt die Mobilität eine enorm große Rolle, weil die Projekte werden immer internationaler und die Forschung sehr interdisziplinär. Und es gibt auch viele Förderprogramme, wo die internationalen Netzwerke dann unterstützt werden – und in Deutschland ist das besonders gut ausgeprägt.“

Sprecher:
Laut Professor Sanjay Mathur sind für einen Wissenschaftler heutzutage zwei Dinge wichtig: nicht nur im eigenen Land bleiben zu wollen, mobil zu sein, und fächerübergreifend, interdisziplinär, arbeiten zu können. In der deutschen Forschungslandschaft sei zudem das Netzwerkdenken gut ausgebildet, ausgeprägt. Die Bundesregierung fördert es, dass deutsche Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen ihre internationalen Kontakte und Netzwerke weiter ausbauen. 2008 wurde eine entsprechende Strategie beschlossen. In Richtlinien wird für jedes Land festgelegt, wie die bilaterale Zusammenarbeit und der Wissenschaftleraustausch gestaltet werden. Auch Professor Sanjay Mathur unterstützt dieses Netzwerkdenken. Das hat seinen Grund.

Sanjay Mathur:
„Ich unterscheide zwischen der Internationalität und Internationalisierung, weil die Internationalität können Sie auch in Zahlen ausdrücken, aber Internationalisierung ist für mich eine Philosophie oder ein Gefühl.“

Sprecher:
Professor Sanjay Mathur setzt die beiden Begriffe Internationalität und Internationalisierung gegeneinander. Internationalität bezeichnet Mehrstaatlichkeit. So besteht zum Beispiel ein Team aus einer Anzahl von Menschen aus unterschiedlichen Ländern oder ein Unternehmen ist in einer bestimmten Zahl von Staaten vertreten. In beiden Fällen kennt man die Zahl, man kann es in Zahlen ausdrücken. Internationalisierung dagegen ist ein Vorgang – ausgedrückt durch die Endung -ierung. Sie bedeutet „machen zu“, „umwandeln“. Ob jemand auch international vernetzt denkt und handelt, hängt laut Professor Sanjay Mathur von der Einstellung beziehungsweise Empfindung jedes Einzelnen ab. Es ist eine Anschauung, eine Philosophie, oder ein Gefühl.




Fragen zum Text

Jemand, der in einem Fachgebiet besonders geschätzt wird, gilt als …
1. Kosmopolit.
2. Kolumnist.
3. Koryphäe.

Jude schätzt es, in Deutschland zu forschen, weil sie …
1. mobil sein will.
2. in Bonn leben wollte.
3. Sichtweisen anderer kennenlernen kann.

Judes muttersprachliche Hilfe ist für die anderen …
1. unerfüllbar.
2. unabdingbar.
3. unbezahlbar.


Arbeitsauftrag
Im Deutschen gibt es zahlreiche Wörter, die durch die Endung -isierung oder -ierung eine Bedeutungsverschiebung erhalten, wie zum Beispiel im Fall von „Nationalität“ und „Nationalisierung“, „Finanzen“ und „Finanzierung“, „Automat“ und „Automatisierung“. Finde einige weitere Wortpaare und erkläre ihre Bedeutung.

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