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Ostmitteleuropa

Forderungen im Wert von über 31,5 Milliarden Dollar

- Ein Expertenteam untersucht die Verluste Warschaus infolge des Zweiten Weltkrieges

Posen, 12.7.2004, WPROST ONLINE – WIADOMOSCI, poln.

In Warschau arbeitet seit einem Monat ein Expertenteam, das die Summe der Verluste errechnen soll, die die Hauptstadt Polens infolge des Zweiten Weltkrieges erlitten hat. Nach ersten Schätzungen handelt es sich dabei um über 31,5 Milliarden Dollar.

Fachleute für Immobilienpreise untersuchen Dokumente und vergleichen Fotos von Gebäuden, um ihren Wert feststellen zu können. Zu den Aufgaben des Teams gehört aber auch die Erstellung juristischer Gutachten, die sich auf die rechtlichen Grundlagen der Forderungen beziehen, die eventuell an die deutsche Seite gerichtet werden.

Die ersten offiziellen Ergebnisse der Arbeit dieses vom Präsidenten Warschaus ins Leben gerufenen Teams werden wahrscheinlich Ende Juli vorgestellt. Die Untersuchungen sollen jedoch bis Ende 2004 durchgeführt werden. (...)

Die Mitglieder des Teams besuchen persönlich fast jede für die Schätzung ausgewählte Adresse, darunter auch die Plätze, auf denen bereits neue Gebäude errichtet wurden. Es ist allgemein bekannt, dass von dem ehemaligen Gebiet des Warschauer Ghettos nach dem Krieg nichts mehr übrig geblieben ist, weil alles von den Deutschen dem Erdboden gleich gemacht wurde. Es ist jedoch bekannt, dass an einigen Stellen große Gebäude standen. "Uns stehen sowohl Fotos als auch Unterlagen zur Verfügung, die beweisen, was von diesen Häusern im Jahre 1945 übrig geblieben ist, "erklärt Jozef Menes, der Leiter des Beraterteams von Jaroslaw Kaczynski, dem Präsidenten Warschaus.

"Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine detaillierte Auflistung der Verluste erstellt. Aus diesem Grunde stehen uns ausführliche Beschreibungen zur Verfügung und zwar sowohl in Bezug auf die technischen Daten, die Bestimmung als auch auf die Infrastruktur der Häuser. Wir haben auch Unterlagen darüber, was von diesen Häusern nach dem Krieg übrig blieb", sagte Jozef Menes und fügte hinzu: "Wenn etwas komplett vernichtet wurde, müssen wir den ursprünglichen Wert feststellen. Die Untersuchungen werden einen Stichtagswert ergeben".

Das Expertenteam, zu dem 18 Mitglieder gehören, wurde Anfang Juni d. J. vom Präsidenten Warschaus ins Leben gerufen. Dazu gehören Juristen, Historiker, Architekten und Fachleute für Immobilienpreise.

Das Team arbeitet u. a. mit Hilfe von 60 000 Dokumenten aus den Jahren 1945 - 1946, in denen die Kriegsverluste den damaligen Behörden Warschaus offiziell gemeldet wurden. Diese Unterlagen wurden von der Abteilung für Kriegsverluste gesammelt, die damals bei der Stadtverwaltung tätig war.

Ferner erklärte Jozef Menes gegenüber der Polnischen Presseagentur PAP, dass bisher 14 Kategorien für Kriegsverluste bestimmt wurden, darunter diejenigen, die mit dem Verlust des Lebens, mit dem Handel, dem Handwerk, der Bildung und der Industrie verbunden sind. Die Mehrheit bilden jedoch Unterlagen, in denen Privatpersonen ihre Verluste dokumentieren. Die Abteilung für Kriegsverluste wurde im Dezember 1946 aufgelöst und die Ergebnisse der Arbeit dieser Abteilung wurden archiviert. (...)

Die Idee, die Verluste Warschaus einzuschätzen, stammte von den Abgeordneten der Partei Liga Polnischer Familien (LPR). Sie wollen auf diese Weise auf die Entschädigungsforderungen mancher deutscher Vertriebenenverbände antworten, die noch vor dem Beitritt Polens in die EU angekündigt hatten, dass sie die Rückgabe von Eigentum fordern werden, das die vertriebenen Deutschen in Polen und Tschechien zurücklassen mussten. (sta)

  • Datum 14.07.2004
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  • Permalink http://p.dw.com/p/5Jfw
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