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Wirtschaft

Ford stellt verschärften Sparplan vor

Angesichts von Milliardenverlusten will der US-Autobauer Ford noch drastischer sparen als bislang geplant. Mehr als 75.000 Beschäftigten in den USA sollen Abfindungen und Vorruhestandsregelungen angeboten werden.

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Bis 2008 könnten 14 Werke in Nordamerika geschlossen werden

Nur neun Tage nach seiner Ernennung stellt der neue Ford-Chef Alan Mulally den Beschäftigten am Freitag (15.9.2006) seinen Sparplan vor. Bereits am Donnerstag einigte sich die Firma mit der Gewerkschaft United Auto Workers auf einen umfangreichen Stellenabbau: 75.000 UAW-Arbeitern bietet Ford eine Abfindung an, wenn sie das Unternehmen freiwillig verlassen. 14 Werke in Nordamerika sollen nach Einschätzung von Analysten bis 2008 und nicht wie bisher angekündigt bis 2012 geschlossen werden. Ford beschäftigt weltweit rund 325.000 Menschen.

Hohe Verluste befürchtet

Die Verkäufe von Ford in den USA gingen im ersten Halbjahr 2006 um zehn Prozent zurück, das Unternehmen machte in dem Zeitraum 1,4 Milliarden Dollar Verlust. In den letzten drei Monaten des Jahres will der Konzern seine Produktion in Nordamerika um 21 Prozent zurückfahren, wie er bereits angekündigt hatte.

Einer internen Prognose zufolge rechnet Ford mit einem Vorsteuerverlust von insgesamt 5,6 bis 5,9 Milliarden Dollar für das Gesamtjahr, wie die "Detroit News" berichtete. Kommen die Kosten für die Restrukturierung hinzu - schätzungsweise zwei bis drei Milliarden Dollar -, könnten sich die Verluste demnach sogar auf bis zu neun Milliarden Dollar belaufen.

Nach den bisherigen Plänen sollten bis 2012 in Nordamerika bis zu 30.000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Ford wollte dabei nur den Arbeitern in den Werken Abfindungen anbieten, die geschlossen werden sollten. 6500 Gewerkschaftsmitglieder nahmen das Angebot bis zum 1. September an. Nach dem Abkommen vom Donnerstag bekommen nun alle 75.000 gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer das Angebot, das Unternehmen zu verlassen: Jüngere Arbeiter können Abfindungszahlungen, ältere Übergangsregelungen in den Ruhestand vereinbaren. Die Arbeitnehmer müssen die Offerten laut UAW bis zum 27. November annehmen.

Massives Absatzproblem

Gehen sollen auch ein Drittel der Manager und ein Viertel der Angestellten der mittleren Führungsebene, wie am Mittwoch aus Unternehmenskreisen verlautet war. Ford wolle die mehrstufige Qualitätskontrolle effizienter machen, hieß es aus Gewerkschaftskreisen. Zwei Topmanager des Nordamerika-Geschäfts, die den bisherigen Sanierungsplan mit ausgearbeitet hatten, verließen Ford, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Es handelt sich um Anne Stevens und David Szczupak.

Im August hatte Ford bereits angekündigt, die britische Luxusmarke Aston Martin verkaufen zu wollen. Experten schätzen, dass auch die Edelmarke Jaguar veräußert werden könnte. In den USA wird auch darüber spekuliert, dass die Ford-Familie den Konzern wieder von der Börse holen könnte. Damit könnte Mulally das Unternehmen umstrukturieren, ohne auf die Interessen von Aktionären Rücksicht nehmen zu müssen. Vor allem aber muss Ford nach Meinung von Branchenkennern Autos anbieten, die die Kunden kaufen wollen.

Der US-Automarkt ist durch harte Preiskämpfe gekennzeichnet. Zudem kehren viele Käufer heimischen Marken zugunsten der Anbieter aus Japan und Südkorea mit ihren sparsamen Modellen den Rücken. Ford und die Nummer eins in den USA, General Motors, hatten lange Zeit auf Sprit fressende Geländewagen gesetzt. (kas)

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