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Wirtschaft

Foodtrucks - Businessmodell auf vier Rädern

Um erfolgreich in der Gastronomie Fuß zu fassen, braucht man Stehvermögen genauso wie eine gute Portion Flexibilität. Gründer sogenannter Foodtrucks beweisen beides – gleichzeitig.

Matthias Kaufmann und Fabian Fallenbüchel sind leidenschaftliche Spießer - und stolz drauf. Genau genommen firmieren die jungen Gastronomen mit ihrem rollenden Imbiss als Spießgesellen, Untertitel "Die Fastfood Rebellen". Statt schnöder Currywurst oder Pommes rot-weiß servieren die beiden regionale Hausmannskost am Spieß. Maultaschen zum Beispiel, aber auch Bratwurst, Fleischküchle, Puten- und Schweinemedaillons. "Eben richtig gute Sachen aus der heimischen Küche aus Topzutaten", so Fabian Fallenbüchel, der wie sein Kompagnon Matthias Kaufmann Betriebswirtschaft studiert hat.

Seit Anfang des Jahres touren die beiden jungen Männer montags bis freitags durch die Industriegebiete von Pforzheim und Karlsruhe. Sogar ein Standort am Rand der Pforzheimer Innenstadt ist dabei, dank Kooperation mit einem Studentencafé. "Ansonsten ist es so gut wie unmöglich, direkt in der City aufzuschlagen", sagt Fallenbüchel. Denn im Gegensatz zu den USA, Wiege und Hochburg der kreativen Kleinrestaurants, darf man in Deutschland selbst mit Reisegewerbeschein nicht einfach am Straßenrand oder auf öffentlichen Plätzen seine heiße Ware verkaufen. Egal wie kreativ oder anspruchsvoll das Angebot: Viele Kommunen sehen Essen auf Rädern nicht gern, gastronomische Anlieger mögen die mobilen Mitbewerber noch viel weniger.

Foodtruck Erna und Co(Foto: Erna und Co)

Frédéric Bierbrauer und Florian Romer betreiben Erna & Co.

Der richtige Standort ist erfolgsentscheidend

Alternativ bleiben den fahrbaren Futterkrippen nur Stellplätze auf privaten Geländen oder Engagements auf (Wochen-)Märkten und Festivals, wissen auch andere Foodtruck-Pioniere zu berichten. "Vor allem Süddeutschland ist da recht streng", erzählt Frédéric Bierbrauer. Zusammen mit Florian Romer hat er Erna & Co. zum Laufen gebracht. Die beiden Schwaben, ebenfalls mit BWL-Hintergrund, sind seit März 2011 im Raum Stuttgart unterwegs. Eine ihrer bislang wichtigsten Reiseerfahrungen: Nur mit dem richtigen Standort schafft man es auf die Erfolgsspur. "Niemand macht einen Umweg für einen Foodtruck!"

Ihre Haltepunkte liegen allesamt auf Industriegebieten und Firmengeländen mit großem Einzugsgebiet. Immerhin habe der Großraum Stuttgart mehr als 20 solcher Areale mit jeweils durchschnittlich 40.000 Arbeitern und Angestellten zu bieten, so Bierbrauer. Absolute Verlässlichkeit sei übrigens genauso wichtig, also feste Ankerpunkte an den gleichen Wochentagen. Routine, die Vertrauen schafft und Gäste bindet. Als Informationsquelle dient das Internet - die eigene Homepage, aber auch soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter & Co.

Wie die Spießgesellen setzen auch die Erna-Macher auf lokale Klassiker in Restaurantqualität als kostengünstige Alternative zum Kantinenallerlei. Im Gegensatz zu den jüngeren Mitwerbern jedoch nicht mit dem großen Ziel, damit einmal eine kleine Foodtruck-Flotte durchs Ländle zu schicken. Vielmehr soll die dynamische Erna Vehikel dafür sein, mit relativ überschaubaren Investment zu testen, ob hochwertiges, regional gefärbtes Streetfood marktfähig ist. Statt gleich mehrere 100.000 Euro für ein fest installiertes Ladenlokal in die Hand nehmen zu müssen, genügten für das rollende Testlabor knapp 80.000 Euro.

Foodtruck Mr. Whippy (Foto: Mr. Whippy)

Die ersten Foodtrucks tauchten in den USA auf

Vorbild USA

Niedrige Investition, geringes Risiko, große Freiheit – im krisengeschüttelten Nordamerika der vergangenen Jahre waren das die entscheidenden Einflussgrößen für den schnellen Erfolg der mobilen Imbisse. Ein Hype, der eine regelrechte Start-up-Welle auf den Weg brachte. Allein durch New York sollen inzwischen rund 3.000 Foodtrucks rollen, in Los Angeles sogar 1.000 mehr. Aus ihnen werden Edel-Steaks oder Bio-Burger verkauft, zuckersüße Cup Cakes oder üppig belegte Gourmet-Sandwiches für kleines Geld. Kein Wunder, dass die New York Times das Phänomen als Branchenrevolution bezeichnet, wie sie zuletzt die Einführung von Drive Ins ausgelöst hatte.

"Dass es bei uns einmal so weit kommen wird, dürfte ziemlich unwahrscheinlich sein, allein aufgrund der Rahmenbedingungen", meint Peter Appel. Mit Andrea Übelhack hat er in Bayreuth und später in Nürnberg das Swagman etabliert. Bevor das Paar Ende 2011 ins Abenteuer Foodtruck startete, verdiente es seinen Lebensunterhalt in der Textilbranche. Auch wenn der Wechsel ins Gastro-Fach alles andere als ein Zuckerschlecken war - bis sie mit ihrem Angebot überzeugen konnten, vergingen etliche Wochen - den Schritt bereut haben die beiden keineswegs. "Neue Ideen brauchen nun mal eine gewisse Anlaufphase", so Appel. Bereits im November 2012 wurde dann Swagman Nr. 2 in Betrieb genommen, Franchising nicht ausgeschlossen. Anfragen gäbe es jedenfalls reichlich.

Nischen suchen und nutzen

Auch Eva Langhorst und Deniz Kumru könnten sich gut vorstellen, ihrem Mr. Whippy’s Frozen Yoghurt Truck in Berlin noch einen zweiten Wagen zur Seite zu stellen. "Um erstklassigen Kaffee zu verkaufen, zum Beispiel", sagt Langhorst. Im Mai 2012 ging der pastellfarbene Oldtimer auf Jungfernfahrt, in diesem Jahr tourt er von Festival zu Festival. Ein waschechtes Unikum und ebenfalls in der Hauptstadt zu Hause ist der Kjosk. Rosmarie Köckenberger hat einen BVG-Doppeldeckerbus aus dem Jahr 1965 zu einem originellen Tante-Emma-Lädchen mit Sitzgelegenheiten umgerüstet.

Doch Foodtrucks sind nicht nur ein interessantes Sprungbrett für ambitionierte Gründer. Sie können auch Luxusmarken aufmerksamkeitsstark in Szene setzen, siehe Veuve Clicquot mit seinem Diner im Wohnwagenformat. Nach seiner Deutschlandtour im vergangenen Jahr ist der mobile Showroom der Champagnermarke in diesem Sommer auf großer Asienreise. Von Singapur geht es über Korea, Japan und China bis nach Australien.

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