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Politik

Flutopfer von Seuchengefahr bedroht

Nach der Überschwemmung und der Zerstörung droht den Flutopfern in Pakistan nun der Ausbruch von Seuchen. Die UN bestätigten einen Fall von Cholera. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ist unterwegs in das Katastrophengebiet.

Ein älterer Mann trinkt inmitten von Trümmern Wasser von einer Wasserpumpe (Foto: AP)

Durch das seit Wochen anhaltende Hochwasser ist die Seuchengefahr erheblich gestiegen

Die Flut in Pakistan hat nach Angaben der Regierung in Islamabad sechs Millionen mehr Menschen betroffen als bisher angenommen. Premierminister Yousuf Raza Gilani sagte am Samstag (14.08.2010), 20 Millionen Menschen seien vom Hochwasser aus ihren Häusern vertrieben worden. Das Hochwasser habe Ernten und Lebensmittel vernichtet, Brücken und Straßen fortgespült sowie Energieversorgung und Telefonleitungen zerstört, so Gilani in einer Fernsehansprache.

Die Vereinten Nationen gingen bislang von 14 Millionen Betroffenen aus, von denen sechs Millionen dringend Hilfe benötigten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ist unterwegs nach Pakistan, um sich einen Überblick über den Bedarf in den Katastrophengebieten zu verschaffen. Am Sonntag will er mit Regierungsvertretern zusammenkommen und die Flutgebiete besuchen.

UN bestätigen einen Cholera-Fall

Flutopfer mit Vieh (Foto: AP)

Die Katastrophe ist noch längst nicht vorüber

"Die Lage ist alarmierend", sagte ein Sprecher des Welternährungsprogramms am Freitag. Unter den Überlebenden der seit Wochen anhaltenden Überschwemmungen breiten sich Fieber, Magen- und Darmkrankheiten sowie Hautreizungen aus. Es gebe bereits 36.000 Verdachtsfälle einer schweren, oft tödlich verlaufenden Durchfallerkrankung.

In der Gegend rund um die Stadt Multan in der Provinz Punjab sind in den vergangenen drei Tagen mindestens 1000 Kinder mit Magen- und Darmbeschwerden registriert worden, berichteten Helfer. Das Hilfswerk Malteser International spricht derweil von ersten Cholerafällen. Ein Sprecher des UN-Büros für die Koordination Humanitärer Angelegenheiten sagte am Samstag, dass es in Mingora im nordwestlichen Distrikt Swat einen bestätigten Cholerafall gebe.

Gesundheitseinrichtungen zerstört

Dorfbewohner, bepackt mit Gegenständen, waten durch das Wasser (Foto: AP)

20 Millionen Menschen mussten aus ihren Häusern flüchten

Hinzu kommt, dass rund 100 Gesundheitseinrichtungen im Land durch die Fluten zerstört wurden. Die Hilfsorganisationen arbeiteten zwar mit Hochdruck daran, eine Ausbreitung von Seuchen zu verhindern. Ein Sprecher der lokalen Hilfsdienste gab aber zu bedenken, dass in einigen von Wasser eingeschlossenen Regionen keine Laboruntersuchungen vorgenommen werden könnten, so dass eindeutige Diagnosen unmöglich seien.

Die mühsamen und logistisch schwierigen Rettungsarbeiten würden durch den Ausbruch von Seuchen noch erschwert. Zudem könnten weitere Regenfälle die Lage verschlimmern. Die pakistanischen Gesundheitsbehörden befürchten, dass deshalb die Zahl der Toten weit über die bislang angegebenen rund 1600 steigen könnte.

UN: Gelder müssen schneller fließen

Die Vereinten Nationen appellierten an ihre Mitgliedsstaaten, die zugesagten Hilfsgelder rascher auszuzahlen. Von den benötigten 459 Millionen Dollar (352 Millionen Euro) sei erst ein Fünftel fest zugesagt oder bereitgestellt worden, hieß es in New York. Größter bisheriger Geber sei Großbritannien mit mehr als 40 Millionen US-Dollar.

Die USA haben zwar etwas mehr als 60 Millionen Dollar versprochen, bislang aber nur knapp 25 Millionen freigegeben. Deutschland hat seine Hilfe von zehn auf 15 Millionen Euro aufgestockt. Angesichts der weiteren Zuspitzung der Lage erhöhten Auswärtiges Amt und das Entwicklungsministerium ihre Hilfszusagen um jeweils 2,5 Millionen. wie das Auswärtige Amt am Samstag mitteilte.

Spendenbereitschaft in Deutschland wächst

Flutopfer teilen sich eine Portion Reis (Foto: AP)

Die Vereinten Nationen fordern eine schnellere Überweisung der Hilfsgelder

Nach anfänglichem Zögern wächst derweil die Spendenbereitschaft der Bürger in Deutschland. Die Zahlungen bei Caritas International haben sich innerhalb von vier Tagen verfünffacht. Auch die Welthungerhilfe verzeichnet mehr Spenden und weitet ihre finanzielle Unterstützung aus. Mit mehr als einer Million Euro engagieren sich die Malteser in der Nothilfe und im Wiederaufbau. Allerdings können nicht alle betroffenen Regionen erreicht werden. Viele Straßen sind durch Erdrutsche und Schlammlawinen unpassierbar, auf anderen campieren Flutopfer.

Auch die Sicherheitslage bleibt angespannt. Vor allem in der Grenzregion zum benachbarten Afghanistan gebe es "eine Verbindung zwischen örtlichen politischen Einheiten und anhaltender bewaffneter Gewalt", formulierte ein Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Berichten zufolge versuchen radikal-islamische Taliban-Aufständische, durch eigene Hilfen für die Flutopfer Sympathien in der Bevölkerung zu gewinnen.

Regierung will ihr Ansehen verbessern

Zardari vor Mikrofonen (Foto: AP)

Um Schadensbegrenzung bemüht: Staatspräsident Zardari

Denn Präsident Asif Ali Zardari und seine Regierung stehen heftig in der Kritik, weil Zardari erst nach Tagen von einer Auslandsreise nach Pakistan zurückgekehrt war. Zudem hat seine Regierung äußerst zögerlich auf die Katastrophe reagiert. Mit Besuchen in den Überschwemmungsgebieten bemüht der Präsident sich jetzt öffentlichkeitswirksam um Schadensbegrenzung.

An seiner Russland-Reise in der nächsten Woche will er trotzdem festhalten. Wie sein Sprecher am Freitag mitteilte, will er an einem Gipfel zur regionalen Sicherheit mit den Führern Russlands, Afghanistans und Tadschikistans teilnehmen.

Autoren: Eleonore Uhlich/Reinhard Kleber (apn, dpa, rtr, afp)
Redaktion: Frank Wörner/Ursula Kissel

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