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Meilensteine

Flutkatastrophe in Hamburg - O-Ton-Feature über das Unglück vom 16.2.1962

"Dann hörten wir das Schreien von den Anderen, die auf den Bäumen saßen" - einer der Überlebenden der Flutkatastrophe erinnert sich an die Ereignisse vom 16.2.1962

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Ein überfluteter Bauernhof in der Nähe von Hamburg. Die folgenschwerste Naturkastrophe in der Geschichte der Bundesrepublik (hier am 21.2.62)

"Schwarze Tage an der Küste" ("Deutsche Zeitung" am 18.2.62), "Bettlaken auf den Dächern als Zeichen der Kapitulation" ("Die Welt" am 20.2.62), "Stadt unter" ("Der Spiegel" am 28.2.62)" - mit solchen und ähnlichen Schlagzeilen informierte die deutschsprachige Presse die Öffentlichkeit über die größte Flutkatastrophe, die die Nordküste Deutschlands seit zweihundert Jahren am Freitag - vom 16. zum 17.2.62 - heimsuchte. Ganze Stadtteile standen unter Wasser, der auf einer Insel und tiefer gelegene Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg füllte sich wie eine Badewanne auf.

Sturmflut über Hamburg

Ein Polizist im Noteinsatz bei der Evakuierung von Flutopfern aus dem Überschwemmungsgebiet in Hamburg (hier am 18.2.62)

Lückenhafter Katastrophenplan

Die Auswirkungen dieser Flut waren verheerend: über 300 Hamburger kamen dabei ums Leben, 60.000 waren tagelang von der Außenwelt abgeschnitten, unzählige von ihnen wurden über Nacht obdachlos, die meisten von ihnen verloren ihr gesamtes Hab und Gut. Dabei hätten die meisten Opfer vermieden werden können. In seiner Ausgabe vom 28.2.62 rekonstruiert "Der Spiegel" minutiös den Hergang der Ereignisse. Eines wird bei der Lektüre deutlich: die zuständigen Behörden unterschätzten die sich anbahnende Gefahr und reagierten viel zu spät. Der erst im Dezember 1961 verabschiedete Katastrophenplan für Hamburg erwies sich ebenfalls als lückenhaft. Es herrschte Chaos und Desinformation. Erst der damalige Innensenator und spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt nahm die Zügel in die Hand und organisierte einen provisorischen Notstandsstab, der die Hilfsmaßnahmen organisierte und koordinierte. Schmidt ging sogar so weit, dass er die Hilfe der Bundeswehr anforderte, obwohl sie laut Grundgesetz keine zivilen Aufgaben übernehmen durfte.

Die politische Aufarbeitung

Es entstand ein Sachschaden von über 3 Milliarden DM. Die Katastrophe wurde zugleich zum Anlass einer politischen Auseinandersetzung um eine rasche Einführung der Notstandsgesetzgebung in der Bundesrepublik. Die SED-Zeitung "Neues Deutschland" nutzte diese Debatte für ihre Zwecke und schrieb am 22.2.62: "Mit unverblümter Offenheit werden jetzt die Opfer der Sturmflutkatastrophe von der westzonalen Regierungspartei offiziell dazu mißbraucht, die Bonner Notstandsgesetzgebung durchzudrücken. Am Mittwoch hat das Adenauer-Kabinett erste Maßnahmen zur beschleunigten Einführung der Notstandsdiktatur beraten."

In dem DW-Feature vom Februar 1992 werden Erinnerungen an die Sturmflut vom 16.2.1962 noch einmal wach.

Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

Audio und Video zum Thema