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Politik

Fluten und Feste

Das Lichterfest Loy Krathong ist Thailands populärstes. Und wenn auch das Haus unter Wasser steht – es wird gefeiert. Schließlich gehört die Flussgöttin besänftigt. Vorsorglich schon mal.

Fernschreiber-grafik Bangkok

Zu Tausenden strömten sie an Flüsse, an Seen, an Teiche, an Kanäle. Manche saßen schlicht im Garten, am eigenen Pool. Das alljährliche Lichterfest Loy Krathong lockte die Thais ans Wasser, um die Flussgötter zu besänftigen. Doch dieses Jahr, da wollte das Wasser nicht so Recht. Es war ein wenig gierig. Nahm viel mehr, als die Thais zu geben bereit waren.

Seit rund einem Monat ist rund ein Drittel des Landes von Überflutungen betroffen. Zwar regnet es seit gut einer Woche nicht mehr. Der Winter ist eingezogen in Thailand. Von einem Tag auf den anderen sanken die Temperaturen um mehr als fünf Grad. Die Wollmützen werden ausgepackt für frische Morgenstunden. Doch die Fluten stauen sich noch immer, vor allem nördlich von Bangkok, rund um die alte Hauptstadt Siams, Ayutthaya – wo die Tempelruinen halb unter Wasser stehen. Und überall sonst werden Schäden behoben. Häuser wieder aufgebaut. Straßen geräumt.

Feierliche Pfützen

Doch die Thais lassen sich eines ihrer beliebtesten Feste nicht nehmen. Während Loi Krathong bitten sie die hiesige Flussgöttin um Verzeihung, weil sie deren Wasser benutzen und verschmutzen. Kleine Flöße (krathongs) aus Bananenstauden werden prächtig mit Blumen, Räucherstäbchen und Geld geschmückt und ins Wasser gelassen. Egal wo man in Thailand ist: jede Pfütze erstrahlt feierlich.

In Bangkok drängelten sich Zigtausende an den Ufern des Chao-Phraya-Flusses und in den städtischen Parks. Nur der Santi Chai Prakan Park – normalerweise ein Knotenpunkt für die Krathong-Abreise – war überraschend leer. Das Rathaus hatte ihn aus Respekt vor der Notlage der Flutopfer gesperrt.

Halbe Häuser und Hundekadaver

In Nakhon Sawan nördlich von Bangkok verkaufte man Krathongs und spendete den Gewinn an einen Tempel, dessen uralte Pagode beschädigt ist. Die Armee brachte über 400 Kinder aus Katastrophengebieten nach Bangkok, wo sie freudestrahlend gespendete Krathongs entgegennahmen. Nur Bangkoker Restaurants entlang des Flussufers machten nicht den erhofften Umsatz. Einmal rasch ein Floß absetzen, das geht schon. Aber wie ein Festmahl genießen, während halbe Häuser und Hundekadaver die Terrasse passieren?

Doch selbst in den Regionen, wo das Wasser noch immer hüfthoch steht, ließen sich viele das Fest nicht verderben – stand das Erdgeschoss unter Wasser, kletterte man einfach aufs Dach und ließ von dort die Krathongs gleiten. Denn die Flussgöttin, die muss besänftigt werden. Auf dass die Fluten einen nächstes Jahr verschonen.