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Politik

Flugzeug von Musharraf beschossen - Koranschüler kämpfen weiter

Unbekannte haben am Freitag in Islamabad nach Angaben aus Sicherheitskreisen das Flugzeug von Pakistans Präsident Musharraf beschossen. Unklar ist, ob es einen Zusammenhang mit den Kämpfen um die Rote Moschee gibt.

Zwei Soldaten der pakistanischen Armee rollen einen Stacheldrahtzaun aus, Quelle: AP

Pakistanische Soldaten verbarrikadieren die Rote Moschee

Präsident Pervez Musharraf (Archivbild). Quelle: AP

Präsident Pervez Musharraf (Archivbild) hat schon mehrere Anschläge radikaler Muslime überstanden

Die Maschine, die gerade abgehoben hatte, sei nicht getroffen und Pervez Musharraf nicht verletzt worden, berichteten pakistanische Medien. Ein Polizeioffizier, der nicht genannt werden wollte, bestätigte den Beschuss. Die Polizei habe auf dem Dach eines Hauses nahe der Luftwaffenbasis Chaklala Flugzeugabwehrwaffen gefunden, sagte er. Zwei Männer und eine Frau seien beobachtet worden, wie sie nach den Schüssen das Haus verließen. Musharraf hat bereits mehrere Anschläge radikal-islamischer Muslime überlebt.

Das Militär nannte Berichte über den Attentatsversuch spekulativ. Der Präsident wollte nach Medienangaben nach den schweren Überflutungen der vergangenen Tage die betroffene Region in der südpakistanischen Provinz Belutschistan besuchen.

Unklar blieb zunächst, ob es einen Zusammenhang mit den Kämpfen um die Rote Moschee im Zentrum der Hauptstadt gab. Die Koranschüler dort verweigern weiterhin die Kapitulation. Sicherheitskräfte beschossen den Koranschulen-Komplex am Freitag mit Maschinengewehren und Mörsern, um den Druck auf die Fanatiker zu erhöhen. Nach Angaben der Moscheeleitung kamen bei dem Mörserbeschuss mindestens 30 Koranschülerinnen ums Leben.

Regierung fordert von Aufständischen bedingungslose Kapitulation

Nach tagelanger Belagerung der Roten Moschee in Islamabad durch Sicherheitskräfte hat der dort mit seinen Schülern verschanzte Islamisten-Prediger angeboten, gegen freies Geleit aufzugeben. "Diejenigen, die aufgeben, sollten nicht verhaftet werden", sagte Abdul Rashid Ghazi dem Fernsehsender Aaj während einer Feuerpause am Donnerstagabend (5.7.2007). Die Regierung lehnte das Kapitulationsangebot ab und forderte erneut eine bedingungslose Kapitulation.

Ein Sprecher des Innenministeriums forderte die Rebellen zudem auf, Frauen und Kinder aus der Moschee zu lassen, die dort gegen ihren Willen als menschliche Schutzschilde festgehalten würden. Mit dem als Hassprediger bekannten Ghazi harren noch mehrere hundert teilweise bewaffnete Koranschülerinnen und -schüler in der Roten Moschee in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad aus.

Eltern gehen zu ihren festgehaltenen Kindern

Eine Anwohnerin des Viertels um die Rote Moschee schaut skeptisch aus ihrer Tür heraus, Quelle: AP

Eine Anwohnerin des Viertels um die Rote Moschee schaut skeptisch aus ihrer Tür heraus

Eine Gruppe von besorgten Eltern betrat am Freitagmorgen (6.7.) die besetzte Moschee. Minuten nachdem die Eltern die Moschee gegen acht Uhr morgens Ortszeit (5.00 Uhr MESZ) betreten hatten, waren vereinzelte Schüsse zu hören.

Eine Stunde später war die Gruppe von rund 25 Menschen immer noch in dem Gebäude. Regierungsbeamten zufolge hat Präsident Pervez Musharraf die Sicherheitskräfte angewiesen, den Eltern so lange wie möglich Zeit zu geben, damit diese ihre Kinder herausholen können.

Wieder Schüsse und Explosionen

Unterdessen haben erneute Kämpfe an der Moschee nach einer fast achtstündigen Kampfpause am Freitagmorgen offenbar zu Opfern unter den Islamisten geführt. "Es gibt Opfer auf unserer Seite, aber ich kann nicht sagen, wie viele", sagte ein Vertreter der Moschee der Nachrichtenagentur AFP.

Zahlreiche Sicherheitskräfte wurden vor der Moschee zusammengezogen. Drei gepanzerte Fahrzeuge fuhren mehrmals auf das Gelände und wieder zurück. Die Sicherheitskräfte begannen nach Behördenangaben damit, die Mauer des Moschee-Geländes zu zerstören und setzten dazu auch Sprengstoff ein. Die Lautsprecher der Moschee riefen vor Sonnenaufgang nicht wie üblich zum Gebet - ein Zeichen für die Zerstörung nach den mehrtägigen Kämpfen.

Tödliche "Operation Stille"

Festgenommene, die an den Händen gefesselt sind, werde in einem LKW abtransportiert, Quelle: AP

Abtransport von Festgenommenen

In einer Feuerpause hatten die Sicherheitskräfte am Donnerstagabend Krankenwagen passieren lassen, um Tote und Verletzte abzutransportieren. Nach unbestätigten Angaben eines Moschee-Sprechers sollen bei den jüngsten Auseinandersetzungen 45 Menschen getötet und rund 200 verletzt worden sein. Zuvor hatten die Behörden mitgeteilt, dass es bei den vorangegangenen Kämpfen seit Dienstag 16 Todesopfer gegeben habe.

Bei ihrer "Operation Stille" stießen gepanzerte Truppentransporter mehrfach zu dem abgeriegelten Komplex vor und schossen mit Tränengasgranaten. Aus der Moschee waren Explosionen zu hören. Der festgenommene Leiter der Moschee, Maulana Abdul Aziz, forderte die Koranschüler zur Kapitulation auf.

Kampf für islamischen Gottesstaat

Am dritten Tag der Gefechte zwischen Sicherheitskräften und Koranschülern in der Roten Moschee harrten nach Aziz' Angaben noch rund 250 Schüler und 600 Schülerinnen in den beiden Medresen im Zentrum der pakistanischen Hauptstadt aus. Sie seien mit 13 oder 14 Kalaschnikow-Schnellfeuergewehren bewaffnet. Nach Angaben des Innenministeriums ergaben sich bis Donnerstag 1146 Schüler den Behörden. Aziz war am Mittwoch festgenommen worden, als er als Frau verkleidet unter einer Burka versteckt aus den umkämpften Koranschulen fliehen wollte.

Die Zusammenstöße hatten am Dienstag begonnen, als radikale Koranschüler eine neu errichtete Kontrollstelle der Polizei in der Nähe der Moschee stürmten. Kurz darauf war es zu heftigen Schusswechseln gekommen. Die den afghanischen Taliban nahe stehenden Islamisten treten für die Errichtung eines islamischen Gottesstaates in Pakistan ein. (je)

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