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Kultur

Flugzeug rutscht über Landebahn

Bei der Bruchlandung eines Flugzeugs in Sibirien sind 131 Insassen getötet und 55 weitere verletzt worden. Das Unglück lenkt die Aufmerksamkeit auf die oft schlechten russischen Landebahnen.

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Der Airbus A310 raste mit hoher Geschwindigkeit in eine Wartungshalle

Nach Angaben des Moskauer Ministeriums für Notfälle kam der Airbus A310 der Fluggesellschaft Sibir am Sonntag (9.7.2006) mit hoher Geschwindigkeit von der Landebahn der sibirischen Stadt Irkutsk ab. Er prallte in der Nähe einer Siedlung gegen eine einstöckige Wartungshalle am Rande des Flughafens. Die Maschine ging in Flammen auf; der vordere Teil der Maschine wurde völlig zerstört. Die Löscharbeiten dauerten zwei Stunden; danach begannen die Bergungsarbeiten und Ermittlungen zur Unglücksursache. Die Flugschreiber in den so genannten Black Boxes wurden sichergestellt.

Der russische Verkehrsminister Igor Lewitin wurde in russischen Medien mit der Einschätzung zitiert, der Airbus sei anscheinend wegen des Zustands der Landebahn nach einem Regenschauer ins Schlittern gekommen und gegen die Wartungshalle geprallt. "Das Flugzeug ist von der Landebahn abgekommen, es hatte geregnet, die Bahn war nass", sagte Lewitin dem Fernsehsender Rossija. Die Piloten der Maschine hätten über Funk noch erklärt, sie seien erfolgreich gelandet. Dann sei der Kontakt aber abgebrochen.

Beileid des Präsidenten

Flug Nummer 778 der Gesellschaft Sibir war Stunden zuvor im rund 5000 Kilometer entfernten Moskau gestartet. An Bord waren Medienberichten zufolge viele Kinder, die am beliebten Baikal-See Ferien machen wollten. Präsident Wladimir Putin sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und ordnete eine Untersuchung an.

Fernsehbilder vom Unglücksort zeigten rauchende Wrack-Teile des Airbus'. Nur das Heck des Flugzeugs schien noch relativ unbeschädigt. Rund 600 Mitarbeiter von Rettungsdiensten waren bei regnerischem Wetter im Einsatz. Mit Schneidgeräten arbeiteten sie an dem rauchenden Wrack.

Überlebende

In Berichten russischer Medien hieß es, elf Flugzeuginsassen hätten sich selbst aus der Maschine retten können. Die übrigen Geretteten hätten zumeist Brand- oder Rauchgasverletzungen erlitten.

Die Fluggesellschaft Sibir (S7) ist Russlands zweitgrößte Fluglinie und beförderte im Jahr 2005 insgesamt 4,2 Millionen Passagiere. Auf Inlandsflügen in dem Riesenreich liegt die sibirische Linie vor dem Branchenführer Aeroflot, auf internationalen Verbindungen auf Platz zwei hinter Aeroflot. In Deutschland fliegt Sibir Frankfurt, München, Düsseldorf und Hannover an.

Sibirs Aufstieg

Die Gesellschaft entstand 1998 aus dem früheren Aeroflot-Ableger in der sibirischen Hauptstadt Nowosibirsk, die Aktienmehrheit gehört dem Management. Heute operiert Sibir von Nowosibirsk, Moskau-Domodedowo und Irkutsk aus. Zum Flugzeugpark gehören nach Firmenangaben acht Maschinen Airbus A-310, ein Airbus A-319, elf Boeing 737 sowie 27 russische Tupolew 154 und neun Iljuschin-86.

Der Aufstieg von Sibir wurde bislang durch zwei Unglücke erschüttert, an denen die Gesellschaft keine Schuld trug. Im Oktober 2001 schoss die ukrainische Luftwaffe bei einer Übung versehentlich eine Sibir-Maschine über dem Schwarzen Meer ab. Keiner der 78 Menschen auf dem Flug von Tel Aviv nach Nowosibirsk überlebte. Im August 2004 riss eine tschetschenische Selbstmordattentäterin auf einem Sibir-Nachtflug von Moskau nach Sotschi 46 Menschen in den Tod.

Traditionell fliegen die Sibir-Maschinen in blau-weiß mit dem kyrillischen Schriftzug "Sibir" auf dem Leitwerk. Seit Anfang 2006 präsentiert sich die Gesellschaft in neuer, modisch grüner Farbe und nennt sich nach ihrem internationalen Airline-Code S7. (mas)

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