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Wirtschaft

Flugzeug-Recycling als Marktnische

Eine kleine Firma zerlegt in der Nähe von Bremen Passagiermaschinen und verkauft die brauchbaren Teile. Das schafft Arbeit und reduziert Metallschrott in der Wüste.

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Ein A 380 - wenn er nicht mehr fliegt, kommt er in die Wüste - oder nach Bremen

In den Wüsten Nevadas, auf "Flugzeugfriedhöfen", gammelten sie zu Hunderten vor sich hin: Flugzeuge aus militärischer ebenso wie ziviler Nutzung . Lange lagerten sie dort nur als ausrangierter Schrott; dann wurden sie neu entdeckt - als wertvolles Altmaterial, das sich weiterverwerten lässt. Dieser innovativen Idee hat sich mit wachsendem Erfolg auch AMS - Aircraft Maintenance Services - verschrieben: eine kleine Firma in der Nähe von Bremen.

Auf dem Fliegerhorst Ahlhorn hat das Unternehmen eine Halle gemietet. Für den Riesen-Jet darin ist sie eigentlich zu klein; Heck und Leitflossen ragen heraus. Noch ist klar zu erkennen, dass hier ein Flugzeug steht - ein Airbus A 300. Doch die Kabine ist zum größten Teil schon leergeräumt. Unten in der Halle stehen 300 Sitze in Reih und Glied. Die Toiletten und die Seitenverkleidung sind ebenfalls demontiert, auch die Küchen. Als nächstes werden Fenster und Türen ausgebaut.

Beschäftigung für 17 Mitarbeiter

"Wir liegen gut im Zeitplan", sagt Jürgen Hampe. Mitte des Jahres 2005 gründete er zusammen mit seinem früheren Arbeitskollegen Jörg Marohn die Firma. Aus einer Konkursmasse übernahmen sie Gerätschaften und 17 Mitarbeiter. Eine von ihnen ist Fluggerätemechanikerin Kathi Gertemann. "Wir machen eigentlich dieselbe Tätigkeit, wie bei der Wartung", erklärt sie. Der Unterschied: Nachdem die Geräte sauber ausgebaut wurden, werden sie nicht wieder eingesetzt.

Die Triebwerke des Jets wurden als erstes demontiert und sofort per Flugfracht nach Dubai verschickt, berichtet Hampe: "Dort brauchten sie die beiden Turbinen. Sie waren in einem tadellosen Zustand."

Einzelteile im Wert von Millionen

Vor 23 Jahren wurde das Flugzeug an die Air France ausgeliefert. Viele Jahre flog es für eine japanische Fluggesellschaft und ging dann an eine saudi-arabische Leasingfirma. Nun hat die Maschine ihren Dienst getan. Ist sie in Einzelteile zerlegt und verkauft, erhofft sich der Eigentümer von ihr ein Plus von zwei Millionen Dollar. Den Zuschlag erhielt die kleine Firma in Ahlhorn, weil die Geschäftsführer aus ihren früheren Tätigkeiten gute Kontakte zu Fluggesellschaften eingebracht haben. Kaum zu glauben: Ende des Jahres soll von dem Großraum-Flugzeug nichts mehr zu sehen sein, sagt Marohn. Verschrottet wird dabei nur die nackte Zelle.

01.11.05 mig airbus

Die Ausschlachtung eines Airbus bringt bis zu zwei Millionen Dollar

Beide Inhaber versichern, dass ihre Firma die einzige in Deutschland sei, die sich auf das Recyclen von Flugzeugen versteht. Die Idee stammt aus den USA; auf den großen Flugzeugfriedhöfen in den Wüsten Nevadas und Arizonas wurden die ersten Flugzeuge zerlegt. Wer es fachgerecht angehen will, muss fit sein in der Flugzeug-Wartung. Die Instandhaltung soll Standbein der jungen Firma im oldenburgischen Ahlhorn bleiben - neben dem Flugzeug-Recycling. Marohn rechnet mit einer positiven Entwicklung: "Für nächstes Jahr stehen von dieser Flotte allein drei Maschinen an. Von anderen Airlines sind Maschinen im Gespräch. Es ist durchaus ein Markt dafür da."

Arbeit, die in der Seele schmerzt

Im Cockpit des Airbus A 300 klaffen derweil runde, schwarze Löcher, wo einst sündhaft teure Instrumente saßen. "Die liegen unten im Lager und warten darauf, verschickt zu werden", sagt Marohn. Vorher müssen sie aber erst einmal rezertifiziert werden.

Als nächstes ist das Leitwerk des Airbus A 300 dran. Draußen vor der Halle steht eine hydraulische Arbeitsbühne. Zwei Mechaniker in Blaumännern inspizieren die Bolzen. 40 Tonnen Zugkraft zerrten im Flugbetrieb an ihnen. Feinsäuberlich werden sie herausgeschossen. Das erfordert ein geschultes Auge und eine ruhige Hand. Qualifizierte Arbeit hat ihren Preis; mit Brachialgewalt wäre den saudi-arabischen Auftraggebern nicht geholfen. Demnächst kommt der Kran und löst Flossen und Ruder des Höhenleitwerks vom Flugzeug-Rumpf. In der Seele weh tut es den Mechanikern, den Airbus in seine Einzelteile zu zerlegen. Doch der Auftrag bringt ihnen auch Arbeit.

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