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Aktuell Deutschland

Flugzeug entgeht offenbar Katastrophe

Ein Flugzeug der Fluglinie Germanwings ist nur knapp einem Unfall entgangen. Die Piloten waren wegen giftiger Dämpfe fast ohnmächtig geworden. Der Vorfall ereignete sich vor knapp 2 Jahren, kam aber erst jetzt ans Licht.

Im Dezember 2010 ist der Airbus A319 im Landeanflug auf den Flughafen Köln/Bonn. Laut Bericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen, nehmen die zwei Piloten im Cockpit einen Geruch wahr, der "eine Mischung aus verbrannt und elektrisch Riechendem ist". Dem 26-Jährigen Piloten wird übel und seine Arme und Beine fühlen sich taub an. Schnell stülpt er sich die Sauerstoffmaske über. Auch der 35-Jährige Pilot nimmt die Gerüche wahr und merkt wie ihm "die Sinne schwinden". Er hätte sich "am Ende seiner Leistungsfähigkeit gefühlt". Das Flugzeug landen sie wenig später mit "deutlich spürbarem" aufsetzten. Die 149 Passagiere haben nichts bemerkt, die Gerüche waren nur in das Cockpit des Flugzeugs gelangt.

Wurde der Vorfall vertuscht?

Der Vorfall wurde am Freitag durch die Recherchen von "Die Welt" und dem Sender NDR bekannt. Die Pilotenvereinigung Cockpit fordert Aufklärung und eine bessere Luftversorgung. Sprecher Jörg Handwerg erklärte, in dem Fall müsse Öldampf in die Kabinenluft gelangt sein. Auf die Frage warum der Vorfall erst mit fast zweijähriger Verspätung an die Öffentlichkeit gelangte, reagierte er deutlich: "Es ist sicherlich nicht im Interesse der Industrie und nicht im Interesse der deutschen Politik, dass dieser Vorgang überhaupt an die Öffentlichkeit geraten ist."

Germanwings-Sprecher Heinz Joachim Schöttes hingegen bestritt jegliche Art der Informationszurückhaltung: "Wir haben nichts vertuscht, nicht heruntergespielt." Der Pilot hätte ihnen gesagt, er habe kurzfristig leichte Beeinträchtigungen gehabt, die sofort nach dem Aufsetzen der Sauerstoffmaske nachgelassen haben. Noch im Cockpit habe der Pilot das Meldeformular für die Bundesstelle ausgefüllt.

Nicht der erste Zwischenfall

Flugzeug-Cockpt (Quelle: Fotolia)

Giftige Dämpfe im Cockpit einer Germanwings-Maschine

Bereits 2008 kam es nach Angaben von Germanwings zu einem "ähnlich gelagerten Vorfall" mit derselben Maschine in Irland. Aber die Ursachen seien "sehr intensiv in enger Abstimmung" mit irischen Behörden und Airbus aufgearbeitet worden. In dem Zeitraum zwischen den Zwischenfällen habe die Maschine mehr als 6000 Flüge ohne Beanstandungen absolviert. Die Ursachen seien "sehr intensiv in enger Abstimmung" mit irischen Behörden und Airbus aufgearbeitet worden. Zwischen beiden Vorfällen habe die Maschine über 6000 Flüge ohne Beanstandungen absolviert.

Auch in Köln habe man das Flugzeug intensiv und gemäß den Vorgaben des Herstellers Airbus untersucht und nach umfangreichen Inspektionen wieder eingesetzt. "Es konnte bei den Untersuchungen keine eindeutige Ursache der Geruchsentwicklung festgestellt werden." Wegen der Bauart heutiger Verkehrsflugzeuge könnten Geruchsbelästigungen nicht völlig ausgeschlossen werden, hieß es. SPD und Grüne forderten eine gründliche Untersuchung aller Vorfälle mit kontaminierter Kabinenluft.

pt/hf (dpa, afp, dapd)