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Europa

Fluglotsen haben Streik beendet

Chaos in Spanien: Weil die Fluglotsen in einen Ausstand getreten sind, sitzen Hunderttausende Menschen an den Flughäfen fest. Die Regierung rief den Notstand aus, die Lotsen kehren langsam wieder an die Arbeit zurück.

Gestrandete Passagieream Madrider Flughafen(Foto: ap)

Gestrandete Passagiere in Madrid: Hunderte Flüge von und nach Spanien wurden gestrichen

Die spanische Regierung hat wegen des 'wilden' Streiks der Fluglotsen am Samstag (04.12.2010) den Notstand ausgerufen. Wie Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba mitteilte, werden die Fluglotsen damit dem Militärrecht unterstellt. Der spanische Flugraum bleibe bis Sonntag gesperrt, erklärte Rubalcaba weiter. Um die Flugsicherheit zu gewährleisten hatte das Militär bereits am Freitag die Kontrolle über den Luftraum des Landes übernommen.

Spaniens größte Fluggesellschaft Iberia kündigte an, bis Sonntag 6.00 Uhr alle Flüge auszusetzen. Der Billigflieger Ryanair teilte ebenfalls mit, Spanien zunächst nicht anzufliegen. Auch Air Berlin und Lufthansa strichen zahlreiche Flüge.

Fast alle Flughäfen geschlossen

Ein Fluglotse bei der Arbeit (Foto: dpa)

Die Fluglotsen wehren sich gegen verlängerte Arbeitszeiten

Rund 90 Prozent der spanischen Fluglotsen hatten am Freitagnachmittag die Arbeit niedergelegt, um gegen Pläne der Regierung zu protestieren, ihre Arbeitszeiten zu verlängern. Insgesamt acht Flughäfen mussten schliessen - unter anderen der Großflughafen von Madrid und die Flughäfen der Urlaubsziele in Ibiza, Palma de Mallorca und Menorca. Der spanische Luftraum wurde daraufhin fast vollständig gesperrt. Hunderte Flüge fielen aus, mehr als 250.000 Passagiere saßen fest. Der Streik kam zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, denn er traf zeitlich mit dem Beginn eines langen Wochenendes in Spanien zusammen: Montag und Mittwoch in der kommenden Woche sind dort freie Tage, weshalb viele Spanier Urlaubsflüge gebucht hatten.

Die Flughafengesellschaft AENA vereinbarte mit der europäischen Luftfahrtbehörde Eurocontrol und der US-Aufsicht FAA, dass bereits in der Luft befindliche Maschinen noch in Spanien landen können. Noch nicht gestarteten Flugzeugen wurde jedoch keine Startgenehmigung mehr Richtung Spanien gegeben.

In Barcelona im Nordosten des Landes entspannte sich die Lage am späten Freitagabend, wie die AENA mitteilte. Demnach kehrten die Fluglotsen am Airport der zweitgrößten spanischen Stadt gegen 23.00 Uhr an ihre Arbeitsplätze zurück. Am Madrider Airport Barajas traten zwar fünf Fluglotsen zur Nachtschicht an. Sie konnten aber nicht ihren Dienst aufnehmen, weil ihre Kollegen in einem regionalen Kontrollzentrum weiter streikten.

Tarifstreit eskalierte

Barajas Airport in Madrid (Foto: ap)

Die Privatisierung der Flughäfen, wie dieser in Madrid, soll der überschuldeten Regierung Milliarden bringen


Im Streit mit den Fluglotsen hatte die unter massiven Sparzwängen stehende Regierung in Madrid am Freitag beschlossen, eine maximale Arbeitszeit von 1670 Stunden pro Jahr festzuschreiben. Dabei sind Zeiten, in denen die Lotsen nicht in der Flugüberwachung tätig sind, nicht einbezogen. Die Fluglotsengewerkschaft kritisierte, damit würden etwa Krankheitstage nicht mehr als Arbeitszeit gerechnet. "Wir haben unsere mentale Grenze mit der neuen Verordnung erreicht, die uns verpflichtet, mehr zu arbeiten", sagte Lotsensprecher Jorge Ontiveros.

Die Entscheidung zu den Arbeitsstunden ist Teil eines neuen Sparpakets der Regierung in Spanien, das nach der griechischen und irischen Schuldenkrise als weiterer möglicher Wackelkandidat in Europa gilt. Madrid beschloss auch, bis zu 49 Prozent der Flughafenbehörde AENA an private Investoren zu verkaufen, was laut Medien bis neun Milliarden Euro bringen soll. Bisher hatte die Regierung den Verkauf von maximal 30 Prozent angestrebt. Zudem ist auch die teilweise Privatisierung von Flughäfengebäuden vorgesehen.

Autorin: Annamaria Sigrist (ap,dpa,rtr,ap)
Redaktion: Eleonore Uhlich

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