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Politik & Gesellschaft

Flughafen-Attentäter von Frankfurt gesteht

Im Prozess um den Anschlag auf US-Soldaten am Frankfurter Flughafen hat der Angeklagte seine Taten gestanden. Warum er im März zwei US-Soldaten erschossen und zwei weitere verletzt hatte, bleibt jedoch im Dunkeln.

Die Spurensicherung untersucht am 02. März 2011 den Militärbus, in dem zwei US-Soldaten bei einem Anschlag erschossen wurden (Foto: dapd)

Der Täter fühlte sich "schuldig für das, was in Afghanistan geschah"

Sein Angriff gilt als erster tödlicher Anschlag mit islamistischem Hintergrund in Deutschland. Arid U. wird als Einzeltäter eingestuft, der durch islamistische Propaganda im Internet zu seinem Plan angestachelt worden sein soll. Der Auslöser sei ein Video gewesen, das Vergewaltigungen muslimischer Frauen durch US-Soldaten zeige, sagte der gebürtige Kosovare am Mittwoch (31.08.2011) vor dem Frankfurter Oberlandesgericht. Danach habe er den Plan gefasst, US-Soldaten zu töten. Er wisse selbst nicht mehr, wie es soweit kommen konnte, sagte der Angeklagte zum Prozessauftakt

"Verstehe mich selbst nicht"

In seiner vorgelesenen Erklärung schilderte sich Arid U. als jemanden, der von islamistischen Lügen beeinflusst gewesen sei. Im Alter von drei oder vier Jahren kam er mit seinen Eltern aus dem Kosovo nach Deutschland. Er machte den Realschulabschluss, brach das Gymnasium dann aber in der zwölften Klasse ab. Damals litt er nach eigenen Worten unter Depressionen. Er leistete ein freiwilliges soziales Jahr beim Grünen Halbmond und arbeitet außerdem im Postzentrum am Flughafen. Die Freizeit verbrachte er meist vor dem Computer.

Der Angeklagte im weißen Hemd vor dem Frankfurter Landgericht (Foto: dapd)

Sich allein vor dem PC radikalisiert: Arid U. vor dem Frankfurter Landgericht

Mehr und mehr habe er sich in dieser Zeit dem radikalen Islam zugewandt. Als er schließlich am Abend des 1. März das Video mit den angeblichen Vergewaltigungen sah, sei er "völlig schockiert" gewesen. Tatsächlich stammt die gestellte Szene aus einem amerikanischen Antikriegsfilm und ist nur schemenhaft zu erkennen, Arid U. hielt sie jedoch für echt. Den Wahrheitsgehalt habe er nicht eine Sekunde in Zweifel gezogen.

Wie dies aber zu seiner brutalen Tat führen konnte, könne er nicht erklären. Er habe etwas gegen solche Taten unternehmen wollen und sich schuldig gefühlt für das, was in Afghanistan geschehen sei. Allerdings könne er sich nicht mehr erinnern, was nach dem ersten Schuss im Flughafen passiert sei.

Zweifacher Mord und dreifacher Mordversuch

Kurz nach der Tat sei ihm der Gedanke gekommen, dass seine Tat "totaler Schwachsinn" und "gegen jeden Glauben" gewesen sei. In seiner Erklärung entschuldigte sich der Angeklagte bei den Opfern und ihren Angehörigen. Er hoffe, dass niemand dadurch zu einem weiteren Anschlag angestachelt werde.

Das Gericht meldete erste Zweifel an, ob der 21-Jährige es damit ehrlich meint. Obwohl Arid U. angekündigt hatte, alle Fragen zu beantworten, blieb die Herkunft der Waffe am ersten Verhandlungstag im Dunkeln. Der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel bezeichnete das als "sonderbar."

Die Tat

Arid Uka muss sich wegen zweifachen Mordes und dreifachen Mordversuchs vor dem Staatsschutzsenat verantworten. Er war von der Gepäckausgabe des Airports zwei US-Soldaten bis zu einem Armeebus gefolgt. Dort soll er zunächst einem 25-jährigen Soldaten aus eineinhalb Metern hinterrücks in den Kopf geschossen haben. Danach tötete er laut Anklage einen 21-Jährigen mit einem Kopfschuss und verletzte zwei weitere Soldaten lebensgefährlich. Der Schuss, den er auf den Kopf eines fünften Soldaten abfeuern wollte, blieb in der Pistole stecken. Arid U. flüchtete in den Flughafen und wurde dort von Beamten der Bundespolizei festgenommen. Ihm droht lebenslange Haft.

Autor: Rolf Breuch (afp, dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Sabine Faber

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