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Amerika

Fluggäste dürfen aufatmen

Schluss mit stundenlangem Warten in Flugzeugen, die nicht starten können, aber auch nicht zum Terminal zurückkehren. Die Obama-Regierung begrenzt mit einem Gesetz die Leidenszeit für Passagiere auf drei Stunden.

fern.schreiber-Grafik Washington (Grafik: DW)

Wer regelmäßig fliegt, hat es mit ziemlicher Sicherheit schon erlebt: Wegen Sturm, Eis, technischem Defekt oder aus einem anderen Grund darf das Flugzeug, in dem man sitzt, nicht starten. Der Kapitän macht die Durchsage, dass es bestimmt nicht lange dauern und er sich bald wieder melden werde. Kurze Zeit später: Die gleiche Ansage. Die Ungeduld der Passagiere wächst.

Die Luft ist stickig. Babies schreien. Die Wasservorräte, sowohl die eigenen als auch die der Airline, sind aufgebraucht. Menschliche Bedürfnisse werden dringender. Doch die Toiletten sind schmutzig und funktionieren nicht mehr. Denn eigentlich sollte es ja nur ein kurzer Flug sein. Ein Katzensprung von einer Stunde. Aus der jetzt schon drei oder vier oder fünf geworden sind.

Die andere Art der Geiselnahme

Christina Bergmann (Foto: DW)

Christina Bergmann

Die Stewardessen bemühen sich redlich. Doch auch ihnen ist die Anspannung anzusehen. Die Passagiere wollen zurück ins Flughafengebäude. Einige werden laut, fangen an zu streiten, zu drohen, zu flehen. Doch die Crew muss stur bleiben: Die Flugzeugtüren bleiben zu, die Passagiere im Flugzeug gefangen. Sonst würde es noch länger dauern, wenn die Startfreigabe kommt, lautet das Argument.

Auf amerikanischen Flughäfen sind Wartezeiten auf der Rollbahn von vier, fünf oder sechs Stunden keine Ausnahmen, Beispiele gibt es viele. Zwischen Januar und Juni 2009 wurden 612 Flugzeuge auf amerikanischen Flughäfen länger als drei Stunden festgehalten. Doch damit soll jetzt Schluss sein.

Saftige Strafen

Die US-Regierung hat neue Regeln festgelegt, nach denen die Fluglinien ihre Passagiere nur noch für maximal drei Stunden festhalten dürfen. Danach muss das Flugzeug, wenn die Passagiere es verlangen, zum Flugsteig zurückkehren. Die Türen müssen geöffnet werden, damit die Fluggäste in den Terminal gehen können.

Das neue Gesetz verpflichtet die Fluggesellschaften, die Passagiere spätestens nach zwei Stunden Wartezeit mit Wasser und Lebensmitteln zu versorgen. Und: die Toiletten müssen funktionieren, medizinische Hilfe, wenn nötig, geleistet werden. Bei Verstößen sind 27.500 Dollar Strafe fällig – pro Passagier.

Das alles gilt allerdings nur für amerikanische Fluglinien und nur auf Inlandsflügen. Ausgenommen sind Situationen, in denen die Sicherheit der Passagiere gefährdet ist oder wenn die Fluglotsen entsprechende Anweisungen geben. Einen Pferdefuß hat die Sache: Die Anordnung tritt erst 120 Tage nach der Veröffentlichung in Kraft, also nicht mehr zu Weihnachten, sondern frühestens einige Tage nach Ostern. Bis dahin gilt: Durchhalten!

Autorin: Christina Bergmann

Redaktion: Martin Schrader