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Deutschland

Flucht vorm Fiskus

Die Einen klagen, die Steuern seien einfach zu hoch, die Anderen wollen per se keine Abgaben zahlen und noch Andere haben ihre Reichtümer illegal angehäuft. Sie alle suchen eine ganz diskrete Bank. Eine Glosse.

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Schweizer Bankschließfächer sind vielleicht bald nicht mehr so sicher und diskret

Wer in Deutschland selbstständig ist, kann weitgehend selbst bestimmen, wie und wie viel Steuern er bezahlt. Im Gegensatz zum abhängig Beschäftigten, dem die Steuern, die er zu zahlen hat, bereits abgezogen worden sind, bevor er sein Gehalt ausgezahlt bekommt. Dieses Privileg der steuerlichen Selbstbestimmung kann aber noch ausgeweitet werden, in dem man sein Geld nicht in Deutschland anlegt, sondern dort, wo Kapitalerträge nicht zu versteuern sind. Macht man das so, dass der deutsche Fiskus davon nichts mitbekommt, spart man sehr viel Geld, das man sonst an das Finanzamt hätte abgeführt müssen - so die Logik der Steuerhinterziehung.

Wer das will, wird sein Geld in sogenannte Steueroasen bringen. Das sind in direkter Nachbarschaft Deutschlands etwa die Schweiz und Liechtenstein sowie das EU-Gründungsmitglied Luxemburg.

Obacht: Der Finanzminister macht Druck!

Dabei ist allerdings mit Fallstricken zu rechnen. Seit Jahren versucht die Politik bereits, diese Steuerschlupflöcher zu stopfen. Mit bisher geringem Erfolg. Aber der Druck auf diese Länder steigt. Vereinzelt ist es bereits zu Kooperationen zwischen Schweizer Banken und ausländischen Behörden gekommen. Unter internationalem Druck wurde die Anonymität von Nummernkonten aufgehoben.

Der Druck von außen, seitens der EU in Brüssel und vor allem durch die Bundesregierung in Berlin, kann dazu führen, dass diese Länder als Versteck für Steuerhinterzieher in Zukunft deutlich weniger attraktiv sein werden.

Doch es gibt sie noch, die Oasen

Wer seinem Geld aber eine geringfügig weitere Reise zumutet, hat auch in Europa noch Möglichkeiten, sein Verdientes dem staatlichen Zugriff zu entziehen. Das Fürstentum Andorra ist so ein Beispiel. Der Zwergstaat zwischen Frankreich und Spanien, der ungefähr die Größe Bremens hat, bietet nicht nur eine atemberaubend schöne Naturkulisse, Ruhe und Abgeschiedenheit, sondern auch fremdem Kapital größte Diskretion.

Großbritannien hat sogar mehrere Steueroasen anzubieten. Die berühmtesten sind sicherlich die Kanalinseln vor der bretonischen Küste. Auf Guernsey und Alderney leben viele Banken und Finanzdienstleister von der Unwilligkeit reicher Klienten, ihrem Staat das zu geben, was sie sollten.

Weniger bekannt als Geldversteck ist die Isle of Man in der irischen See. Die Inselregierung genießt im Vereinigten Königreich ebenfalls weitgehende Autonomie und nutzt ihre Freiheiten, mit ausländischem Kapital selbst Geschäfte zu machen.

Auch Investoren müssen nicht verzweifeln

Wer mit seinem Geld aber noch etwas schaffen möchte, der kann in Europa auch Länder finden, die dem Investor glänzende Möglichkeiten eröffnen. Indem sie beispielsweise auf die Erhebung von Steuern weitgehend verzichten. Sollte sich jemand dafür interessieren, das Internet ist voller Vorschläge wie diesem: "Wer sich in Deutschland selbständig macht, ist selber schuld. Wenn Sie dagegen eine Panama-Firma starten, bleiben Ihnen 'nach Finanzamt' fast 100 Prozent. Auf den Kanaren sind es zwar nur gute 95 Prozent - aber 1000-prozentig legal und garantiert ohne Nachzahlung daheim."

Autor: Dirk Kaufmann

Redaktion: Kay-Alexander Scholz