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Globale Zusammenarbeit

Flucht nach Israel endet im Folterlager

In Israel versprechen sich viele Afrikaner ein besseres Leben. In Ägypten findet ihre Reise oft ein jähes Ende. Dort geraten viele Flüchtlinge in die Hände von Schlepperbanden, die mit brutalsten Mitteln Geld erpressen.

Der 33-jährige Tesfai Madschabi hat eine grausame Odyssee hinter sich. Vor drei Monaten hat er sein Heimatdorf in Eritrea verlassen. Sein Ziel war Israel, dort wollte er arbeiten und Geld nach Hause schicken. "Ich habe mein Land in Richtung Sudan verlassen, die Reise hat ungefähr drei Wochen gedauert", sagt Tesfai. "Einen Teil davon legten wir schwimmend zurück, bis wir in das ägyptische Grenzgebiet eindrangen, nachdem uns der eritreische Schmuggler an einen anderen Schmuggler verkauft hat, der im sudanesisch-ägyptischen Grenzgebiet lebt. In der Nähe der Grenzstadt Rafah wurden die Flüchtlinge von den Schmugglern gefesselt und gequält. "Sie haben unsere Haut mit brennenden Plastikschläuchen verbrannt, bis unsere Angehörigen hohe Geldsummen überwiesen", erinnert sich Tesfai. Seine Familie zahlte über 25.000 Dollar um ihn aus den Fängen der Schmuggler zu befreien.

Hilfe aus persönlicher Überzeugung

Nachem sie den Menchenhändlern entkommen konnten warten diese eritreischen Flüchtlinge auf die Rückkehr in ihre Heimat (Foto: Ahmad Abu Dirah)

Wer den Schmuggerln entfliehen konnte wartet auf die Rückkehr in die Heimat

Zusammen mit weiteren 15 Afrikanern ist Tesfai die Flucht aus einem illegalen Lager auf der Sinai-Halbinsel gelungen. Jetzt wartet er im Haus von Scheich Muhammad Al-Munii bis er zurück in seine Heimat kann. Der Scheich ist die letzte Hoffnung für die Opfer der Menschenhändler. Ohne dafür etwas zu verlangen behandelt er die Geflohenen medizinisch und gibt ihnen zu Essen, bis sie dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) übergeben werden und in ihre Heimat. Er tue das aus persönlicher Überzeugung, sagt Scheich Al-Munii. "Kein Mensch kann rechtfertigen, wie sehr sie gequält werden. Wir konnten in den letzten Monaten eine ganze Reihe von ihnen retten und durch das UNHCR zurückschicken. Aber ich hoffe, dass der Staat eine Möglichkeit findet, diese Vorgänge von Grund auf zu verbieten."

Eines der Opfer, ein 30-jähriger Eritreer mit Namen Sumsum, zeigt auf seine Füße: "Sie haben sie mit heißen Eisenspießen durchlöchert. Sie haben auch psychische Folter angewendet. Sie haben einen der Flüchtlinge in eine Decke gewickelt und sie angezündet, um die anderen zu zwingen, hohe Geldsummen überweisen zu lassen." Sieben von 60 Flüchtlingen hätten die Folter nicht überlebt, sagt Sumsum.

Afrikanische Flüchtlinge in Israel unerwünscht

Afrikanische Flüchtlinge auf dem Sinai zeigen die Narben auf ihrem Rücken (Foto: Ahmad Abu Dirah)

Folterspuren: Afrikanische Flüchtlinge auf dem Sinai zeigen die Narben auf ihrem Rücken

Über 30.000 afrikanische Flüchtlinge halten sich illegal in Israel auf. Die Regierung will sie abschieben. Ihr Alltag ist von Rassismus und Ablehnung geprägt. Dennoch hört man in den Dörfern in Eritrea immer wieder Erfolgsgeschichten von Einzelnen, die Arbeit gefunden haben und Geld nach Hause schicken können. Für diesen Traum nehmen viele unerträgliche Qualen auf sich.

Abu Faris heißt nicht so, er hat diesen Decknamen für das Gespräch mit uns gewählt. Abu Faris ist Menschenschmuggler. "Fälle von Folter sind selten", behauptet er. Rund 50 Banden gebe es, die Afrikaner von der ägyptisch-sudanesischen Grenze bis zum Ahmed-Hamdi Tunnel bringen, der das ägyptische Festland unter dem Suez-Kanal mit der Sinai-Halbinsel verbindet. "Ich persönlich habe ungefähr hundert Flüchtlinge pro Woche", so Abu Faris. "Wir bringen sie in eines der Lager und bieten ihnen gegen die Überweisung von zusätzlichen Summen Essen. Dieses Geld haben wir aber tatsächlich für die Bezahlung von Bestechung ausgegeben, um ihre Ankunft zum Grenzposten zu erleichtern." Er räumt ein, "dass einige dieser Schmuggler die afrikanischen Auswanderer quälen, um zusätzliches Geld zu erhalten."

Menschenhandel in Ägypten verboten

Afrikanische Flüchtlinge am Grenzzaun zwischen Ägypten und Israel auf der Sinai-Halbinsel (Foto:Diaa Hadid/AP/dapd)

Die Grenze zwischen Ägypten und Israel ist streng gesichert

Seit 2010 ist Menschenhandel in Ägypten gesetzlich verboten. Auf Zuwiderhandlung steht lebenslange Haftstrafe und eine Geldstrafe von umgerechnet bis zu 50.000 Euro. Das Gesetz war eine Reaktion auf einen Bericht der US-Regierung über den florierenden Menschenhandel auf der Sinai-Halbinsel. Zuvor schon hatte Human Rights Watch (HRW) darauf hingewiesen, dass täglich bis zu hundert Personen die ägyptisch-israelischen Grenze illegal überqueren. Die Menschenrechtsorganisation wirft den Sicherheitskräften beider Länder unverhältnismäßige Anwendung von Gewalt vor. Der Ägypten-Beauftrage von HRW, Hiba Murajif hält die ägyptische Grenze zu Israel für "die schlimmste Grenze weltweit. Dort tötet die Polizei jeden Auswanderer, der die Grenze überschreitet, statt ihn zu verhaften und das Gesetz anzuwenden." Fünfzig Menschen kommen jedes Jahr an der Grenze zu Tode, so Murajif.

Der Gouverneur von Nord-Sinai, Abdelwahhab Mabruk, bestätigt diese Anschuldigungen indirekt: "Leichen von Menschen, die durch Sicherheitskräfte oder von den Schmugglerbanden getötet wurden, übergeben wir den Botschaften. Oder wir bilden ein Team der Staatsanwaltschaft und beerdigen die unbekannten Leichen."

Dieser Artikel ist die gekürzte Fassung des Textes "Sinai Becomes ‘Torture Territory’ for African Refugees", mit dem der ägyptische Journalist Ahmad Abu Dirah (Bild rechts) sich am Deutschen Medienpreis Entwicklungspolitik beteiligt hat. Ahmad Abu Dirah arbeitet als Korrespondent auf dem Sinai für die Tageszeitung Al Masri Alyoum.

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