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Asien

Flucht nach China

Mehr als 30.000 ethnische Chinesen sind aus dem Norden Birmas geflohen. In den vergangenen Wochen waren Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen aufgeflammt.

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Flüchtlingslager in der südchinesischen Provinz Yunnan

Nur zögerlich kehren die Flüchtlinge in der chinesischen Provinz Yunnan nach Birma zurück. Bis Montag Mittag hätten sich 2600 der mehr als 30.000 ethnischen Chinesen, die in den vergangenen Wochen in China Zuflucht gefunden haben, auf den Rückweg gemacht, erklärte die Provinzregierung. Die Flüchtlinge waren vor Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Aufständischen geflohen, die im August nach zwanzig Jahren wieder aufgeflammt waren. Am Wochenende hatte die birmanische Armee verkündet, sie habe "Frieden und Sicherheit" wieder hergestellt. Exil-Organisationen bezweifeln das allerdings. "Nach unseren Informationen gehen die Kämpfe weiter", sagte der Sprecher eines Informationsdienstes der aufständischen Minderheiten in Nord-Birma.

Kämpfe in Birma greifen auf China über‎

Auto mit birmanischem Nummernschild in der chinesischen Grenzstadt Nansan.

Angriff vor den Wahlen

Die Flüchtlinge gehören der chinesischstämmigen Kokang-Minderheit an. Auch chinesische Staatsbürger, die in Nordbirma Geschäfte machen, sind darunter. Rund um die Stadt Kokang kämpfte in den achtziger Jahren eine Rebellenarmee gegen birmanische Staatstruppen. Ein Waffenstillstand, der 1989 geschlossen wurde, hielt zwanzig Jahre und bescherte der Kokang-Minderheit eine gewisse Autonomie. Der Konflikt flammte wieder auf, als die Armee Anfang August in das Gebiet einmarschierte. Die Flüchtlinge werfen den Truppen vor, mit Gewalt gegen die Zivilbevölkerung vorgegangen zu sein und Geschäfte geplündert zu haben. Offenbar will die Regierung die Konfliktregion bis zu den Wahlen im nächsten Jahr vollständig unter ihre Kontrolle bringen. In dem Gebiet kämpfen auch andere Minderheiten gegen die Regierung.

Die Kokang-Minderheit geht zurück auf chinesische Siedler im 18. Jahrhundert. Sie leben vom Grenzhandel und der Landwirtschaft. Einige sollen auch in den regen Drogenschmuggel in der Region eingebunden sein. Der Konflikt bringt China in eine heikle Situation. China ist der wichtigste Partner des Regimes in Rangun. Bisher hatte Peking immer wieder betont, dass es sich nicht in die inneren Angelegenheiten des Nachbarlandes einmische. Ungewöhnlich deutlich forderte Peking nun die Regierung in Rangun auf, für die Sicherheit der Chinesen in Birma zu sorgen. "Instabile Nachbarländer gefährden die Stabilität der chinesischen Grenzen", heißt es in einem Kommentar der staatlichen chinesischen Zeitung "Global Times". Chinesische Experten warnen vor einem Übergreifen der Kämpfe auf die chinesische Seite des Grenzgebiets.(böl/tl/ap/afp/epd/rtr/dpa)