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Politik & Gesellschaft

Flucht aus der Krise

Viele Griechen sehen keine Zukunft mehr in ihrer Heimat und suchen ihr Glück in Deutschland. Auch wenn es Verzweiflung ist, die sie treibt, und nicht Teutonophilie: Manche sind von den Deutschen positiv überrascht.

Die 23-jährige Efi (Foto: DW)

Noch arbeitet Efi als Reinigungskraft

Die 30-jährige Dorra (Foto: DW)

Dorra will 'nicht nur nehmen'

Ein Familienfest in Köln. Christina Patelkos hat Freunde und Verwandte zum Essen eingeladen. Unter ihnen sind Cousinen und Neffen, die vor kurzem nach Deutschland gekommen sind, um ihr Glück zu suchen. Die 23-jährige Efi ist im Mai nach Düsseldorf gezogen. Ein paar Monate vorher hatte Nikos, ihr Verlobter, den ersten Schritt gemacht. Efi ist gelernte Buchhalterin, im Moment besucht sie einen Deutschkurs. Obwohl sie in Düsseldorf geboren wurde und erst mit sieben Jahren mit der Familie nach Griechenland zurückging, erinnert sie sich kaum noch an die Sprache. Um das nötige Geld zu verdienen, arbeitet sie als Reinigungskraft. Mit 8,55 Euro brutto pro Stunde kann man nicht viel machen, aber für viele in Griechenland ist es nicht einmal mehr möglich, dieses Geld zu verdienen.

Besser als gedacht

Efi wohnt mit ihrem Verlobten in einem kleinen Appartement in Düsseldorf. "Ich wollte Nikos unterstützen, einen besseren Job zu finden, deswegen habe ich den Schritt gewagt". Der 26-jährige Nikos ist Maschinenbauingenieur. Er lernt zurzeit ebenfalls Deutsch und hat schon ein Praktikum bei einem Architekturbüro absolviert. Bald wird er ein neues Praktikum bei einer Firma in Düsseldorf anfangen; wenn es dort gut läuft, wird er hinterher angestellt.

Nikos will nicht zurück (Foto: DW)

Nikos will nicht zurück

"Ich fühle mich sehr wohl in meiner neuen Heimat, obwohl ich vorher viele Vorurteile gegenüber den Deutschen hatte. Sie sind aber warmherziger und offener, als ich dachte" sagt Nikos. Nach mehreren erfolglosen Bewerbungen hatte er vor zehn Monaten die Entscheidung getroffen, sein Glück in Deutschland zu suchen. Nikos vermisst seine Freunde, aber er will nicht zurück. Von 19 seiner Kumpel in Thessaloniki haben nur 3 Arbeit, obwohl alle studiert haben. Die Arbeitslosenquote in Griechenland liegt inzwischen bei rund 18 Prozent. Von Januar bis Juni sind 8900 Griechen nach Deutschland gezogen, 84,5 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2010.

"Kaum mehr Perspektiven"

Junge Griechen an einem Tisch (Foto: DW)

Familienfest bei Christina Patelkos

Vor ein paar Wochen ist auch die Schwester von Nikos nach Deutschland gekommen, nachdem sie ihren Job als Bauingenieurin verloren hatte. "Das Leben in Griechenland ist nicht mehr auszuhalten", sagt Dorra. "Es gibt kaum mehr Perspektiven." Im vergangenen Jahr habe sich die Situation dramatisch verschlechtert. Ihre Firma entließ innerhalb weniger Monate 12 von 15 Bauingenieuren. Die 30-Jährige hofft, die Sprache schnell zu lernen, um einen vernünftigen Job zu finden. "Ich möchte hier bleiben und etwas aufbauen".

Den gleichen Wunsch hat der 30-jährige Thomas. Er hatte zusammen mit seinem Bruder und Vater ein kleines Bauunternehmen in einem Dorf in Nordgriechenland. "Die Anzahl der Aufträge hatte sich in der letzten Zeit sehr reduziert", sagt Thomas. "So habe ich die Firma meinem Bruder überlassen." Vor einem Monat kam er nach Köln. Mit Hilfe von Christina und ihrem Mann fand er einen Job als Fliesenleger. Er sei zufrieden, sagt er. Er habe nette Kollegen, einen vernünftigen Lohn und regelmäßige Arbeitszeiten.

Oft falsche Informationen

Die Gastgeberin Christina Patelkos versucht gemeinsam mit einer anderen Cousine, der Soziologin Despina Ageloglou, nicht nur ihren Verwandten mit Rat und Tat zu helfen. Christina arbeitet bei der Deutsch-Hellenischen Wirtschaftsvereinigung in Köln, Despina bei der Migrationsberatung der Diakonie in Wuppertal. Bei beiden rufen immer mehr Griechen an, die Informationen haben wollen, wie sie nach Deutschland kommen können. "Oft haben sie falsche Informationen, wie zum Beispiel dass man sofort Arbeitslosengeld beantragen darf", stellt Despina Ageloglou fest. Doch die richtigen Informationen, meinen die beiden Frauen, seien zusammen mit dem Willen, die Sprache zu lernen, die notwendigen Voraussetzungen, den Schritt nach Deutschland zu machen.

Autorin: Maria Rigoutsou
Redaktion: Dеnnis Stutе