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Welt

Florida macht Mitt Romney zum Favoriten

Die Vorwahl der republikanischen Präsidentschaftskandidaten in Florida hat Mitt Romney den zweiten klaren Sieg beschert. Newt Gingrich kam auf Platz zwei. Das Rennen aber ist nach vier Vorwahlen längst nicht gelaufen.

Republican presidential candidate, former Massachusetts Gov. Mitt Romney, greets supporters at his Florida primary primary night rally in Tampa, Fla., Tuesday, Jan. 31, 2012. (AP Photo/Gerald Herbert)

Sieger in Florida: Mitt Romney

Strahlende Gesichter im Kongresszentrum von Tampa in Florida. Unmittelbar nach Schließung der letzten Wahllokale im Sonnenscheinstaat war klar: Mitt Romney hat diese Vorwahl únd damit 50 Delegiertenstimmen gewonnen. Seine Anhänger, die zu seiner Siegesfeier gekommen waren, zeigten sich begeistert. "Eine großartige und sehr erfolgreiche Nacht für Mitt Romney," freut sich Geschäftsmann Ron Sasine, der den ehemaligen Gouverneur von Massachusetts schon bei seiner ersten Kandidatur um die republikanische Nominierung vor vier Jahren unterstützt hat. Er ist vor allem für Romney, weil er dem erfolgreichen Geschäftsmann zutraut, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Er reiht sich damit ein in die Mehrheit der republikanischen Wähler in Florida, deren größte Sorge die Wirtschaftslage ist – und damit der wichtigste Faktor bei ihrer Wahlentscheidung war.

ORLANDO, FL - JANUARY 30: Republican presidential candidate and former Speaker of the House Newt Gingrich (R-GA) and his wife Callista Gingrich autograph campaign buttons during a 'Crossing the Finish Line' rally at the at the Renaissance Airport Hotel January 30, 2012 in Orlando, Florida. Gingrich and fellow candidate, former Massachusetts Gov. Mitt Romney are criss-crossing Florida on the last full day of campaigning before the January 31 primary. (Photo by Chip Somodevilla/Getty Images) eingestellt von fab

Gingrichs Wahlkampagne verfing in Florida nicht

An diesem Abend hat Mitt Romney zunächst einmal den Souvenirverkäufern im Kongresszentrum ein gutes Geschäft beschert. Besonders beliebt: Das graue T-Shirt, auf der die blaue Silhouette des Bundesstaates Floridas prangt, mit dem roten Schriftzug "Believe" darüber. "Believe in America" – "Glaube an Amerika" ist der aktuelle Wahlkampfslogan von Mitt Romney. Der singt oder zitiert bei seinen Auftritten gerne patriotische Lieder. Auch in Florida fand er wieder große Worte: "In dieser Kampagne geht es um mehr als den Präsidenten zu ersetzen, es geht darum, die Seele Amerikas zu retten."

Romney buhlt um die konservative Basis

Romney hängt das Image des liberalen Wendehalses an, er muss die konservative Basis der Partei gewinnen, was ihm in Florida offensichtlich zu einem entscheidenden Teil gelungen ist. Auch in der großen lateinamerikanischen Wählerschaft konnte er Stimmen holen. Der Sieg über seinen Rivalen Newt Gingrich war mit 46 zu 32 Prozent deutlich. Er sei bereit, die Partei und das Land zu führen, sagte Romney strahlend, hütete sich aber davor, das Rennen schon für gewonnen zu erklären. Vorwahlen seien nicht leicht, meinte er in Anspielung auf den erbitterten Kampf, den er sich mit seinem Hauptrivalen Newt Gingrich geliefert hatte. Aber: "Konkurrenzbetonte Vorwahlen spalten uns nicht, sie sind eine gute Vorbereitung, und wir werden gewinnen"

Republican presidential candidate former House Speaker Newt Gingrich accompanied by his wife Callista speaks during a Florida Republican presidential primary night rally, Tuesday, Jan. 31, 2012, in Orlando, Fla. (AP Photo/Matt Rourke)

"Noch 46 Staaten": Gingrich wurde in Florida nur zweiter

Newt Gingrich, der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, wiederholte am Abend seine Absicht, im Rennen bleiben zu wollen – wenn es sein muss, bis zum Parteitag im August. Gingrich war auf seine Niederlage in Florida offensichtlich gut vorbereitet, denn seine Anhänger hielten auf seiner Veranstaltung in Orlando Schilder mit der Aufschrift "Noch 46 Staaten" hoch – eine Anspielung darauf, dass gerade mal in vier US-Bundesstaaten gewählt wurde und nur ein kleiner Teil der Delegierten, die für die Nominierung notwendig sind, vergeben wurden.

"Schmutzige Kampagne" hat nicht geschadet

Für Newt Gingrich, der viele Sympathien bei der Basis und den Tea-Party Anhängern genießt, stellt sich die Lage nach Florida so dar: "Es ist jetzt klar, dass es ein zwei-Personen-Rennen ist, zwischen dem konservativen Führer Newt Gingrich und dem Moderaten aus Massachusetts." Gingrich hielt sich mit seinem Rivalen Romney allerdings nicht lange auf, sondern griff in bewährter Manier Präsident Obama an. Er versprach: Sollte er Präsident werden, dann werde er gleich an seinem ersten Amtstag viele Gesetze rückgängig machen. Außerdem warnte Gingrich davor, dass Obama in seiner zweiten Amtszeit "noch radikaler" sein werde als bisher.

Romney hat die Rückendeckung des republikanischen Establishments, wesentlich mehr Geld als seine Mitstreiter – und schreckte in Florida nicht davor zurück, Newt Gingrich massiv und direkt anzugreifen. Das brachte ihm den Vorwurf ein, eine "schmutzige Kampagne" zu führen. Seine Anhänger sehen das anders. Einer von ihnen, Ron Sasine, erklärte im Kongresszentrum von Tampa: "Das war keine schmutzige Kampagne, es ging nur darum, die komplizierten Situationen offenzulegen, in der sich einige der anderen Kandidaten befunden haben." Und Geld spiele natürlich eine Rolle im Wahlkampf, man müsse schließlich TV-Werbung machen und Veranstaltungen wie diese in Tampa finanzieren.

"Wählbarkeit" ist Trumpf

Doch nicht alle Wähler sind hundertprozentig begeistert von Romney. Vor einem Wahllokal in Süd-Tampa erklärte der 55-jährige Tom, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte, er habe für Romney gestimmt, weil der unter allen "Verrückten noch der Vernünftigste" sei: "Er hat die größten Chancen, gewählt zu werden." Er schwanke zwischen Romney und Newt Gingrich, hält Gingrich aber wegen seiner teilweise "ungewöhnlichen Ansichten" für nicht wählbar. So hat der republikanische Parteiveteran zum Beispiel gefordert, die Gesetze für Kinderarbeit zu lockern, damit arme Kinder in Schulen gegen Entgelt Putzarbeiten verrichten können.

Republican presidential candidate, former Pennsylvania Sen. Rick Santorum speaks during a town hall meeting at the Fort Dodge GOP Headquarters, Tuesday, Dec. 27, 2011, in Fort Dodge, Iowa. (Foto:Charlie Neibergall/AP/dapd)

Rick Santorum hat das Rennen noch nicht aufgegeben

Doch die beiden anderen Kandidaten wollen ebenfalls nicht aufgeben. Der Erzkonservative Rick Santorum und der libertäre Ron Paul, hier in Florida auf Platz drei und vier, hatten nicht viel Ressourcen auf Florida verschwendet. Als die Wahlergebnisse bekannt wurden, waren sie schon längst zum nächsten Schauplatz – Nevada –weitergezogen. Dort finden am 4. Februar die nächsten Vorwahlen statt.

Alle blicken auf den "Super-Tuesday"

Doch die erste große Aufregung um die Vorwahlen der Republikaner ist erst einmal vorbei. Die Abstimmungen in den Staaten im Februar werden mit weniger Aufmerksamkeit betrachtet, es gibt nur eine TV-Debatte der Rivalen in diesem Monat. Der nächste große Tag ist der 6. März. Dann finden Vorwahlen in zehn Bundesstaaten statt, unter anderem in den - zwischen Demokraten und Republikanern - umkämpften Staaten Virginia und Ohio. Für Newt Gingrich, der versprochen hat, zur Not bis zum Parteitag Ende August in Tampa weiterzumachen, wird es schwierig. Er muss Geld sammeln und die Aufmerksamkeit aufrecht erhalten. In Virginia steht er nicht einmal auf dem Wahlzettel – er hatte es verpasst, sich rechtzeitig regelgerecht anzumelden.

Doch unterschätzen sollte man Newt Gingrich auch nicht. Seine Kampagne ist schon mehrfach totgesagt worden – und er hat sich doch immer wieder aufgerappelt. Auch Ron Sasine ist vorsichtig. "Ich glaube nicht, dass wir bald eine endgültige Entscheidung haben werden", sagte er nach dem erfolgreichen Abend in Tampa, "das wird noch eine ganze Weile weitergehen." Darauf stellen sich im Moment offensichtlich alle vier verbliebenen Kandidaten ein.

Autor: Christina Bergmann, Tampa (Florida)
Redaktion: Marko Langer

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