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Global Ideas

Flensburg - eine Stadt mit Visionen

Es gibt Menschen, die haben eine Glaskugel, um in die Zukunft zu blicken. Die Bewohner von Flensburg gehen einen anderen Weg: Sie haben einen "gläsernen Schornstein". Der soll ihnen eine klimafreundliche Zukunft zeigen.

Schornstein der Flensburger Stadtwerke

Der "gläserne Schornstein" der Flensburger Stadtwerke

Flensburg – eine Stadt mit knapp 90.000 Einwohnern, nahe der dänischen Grenze. Bekannt ist sie für das "Bier mit dem Plopp", eine erfolgreiche Handballmannschaft und die bundesweite Verkehrssünderkartei.

Flensburger Hafen

Typisch norddeutsch: Der Flensburger Hafen

Kaum jemand hätte Flensburg wohl mit dem Thema Klimaschutz in Verbindung gebracht. Bis jetzt.

Denn die Flensburger haben einen Pakt geschlossen. Einen Klimapakt. Mehr als 25 regional bedeutende Unternehmen und Verbände wollen ihre Stadt bis zum Jahr 2050 in die CO2-Neutralität führen.

Bislang klimatechnisch im Durchschnitt

"Das Jahr 2050 ist dabei eher symbolisch zu verstehen. Es geht um langfristiges Planen, um Selbstverpflichtungen und um Nachhaltigkeit", sagt Helge Maas. Er ist Experte für Umwelttechnologie an der Universität Flensburg, die die wissenschaftliche Betreuung des Projekts übernommen hat. "Wir meinen es ernst mit dem Klimaschutz, deshalb planen wir realistisch. Zu viele Programme sind an überehrgeizigen Zielen gescheitert. Besonders die Wirtschaftlichkeit ist uns deshalb wichtig", erklärt Maas.

Elf Monate lang haben Flensburger Wissenschaftler vom Institut für Umwelt- und Energiemanagement recherchiert und Daten über die größten CO2-Posten der Stadt gesammelt und ausgewertet. Momentan liegt die Stadt in Sachen CO2-Ausstoß noch im bundesweiten Durchschnitt. Doch Flensburg hat gute Voraussetzungen den Klimapakt zu erfüllen.

Ein einmaliges Fernwärmenetz

Das liegt zum einen am Engagement der Bürger, zum anderen hat es aber auch historische Gründe: In Flensburg werden 98 Prozent der Haushalte durch kilometerlange Rohre mit Fernwärme versorgt. "Man hat hier in der Vergangenheit nachhaltig investiert", sagt Matthias Wolfskeil, der Geschäftsführer der Stadtwerke Flensburg. "Ein zentrales Kraftwerk erzeugt die Wärme für die ganze Stadt."

Anlage zur Herstellung von Ersatzbrennstoffen bei den Flensburger Stadtwerken

Aus Müll werden hier Ersatzbrennstoffe gemacht

Die Energie in Flensburg wird zwar bisher noch in einem Kohlekraftwerk erzeugt, das mit der herkömlichen Kohle geheizt wird, doch durch die Kraft-Wärme-Kopplung beträgt der Effizienzgrad überdurchschnittliche 80 Prozent.

In den nächsten Jahrzehnten soll die Kohle dann nach und nach durch alternative Energieträger ersetzt werden. Bereits heute wird Energie mit Holzhackschnitzeln und Ersatzbrennstoffen erzeugt - wenn auch nur zu einem Anteil von einem bis zwei Prozent.

Die Flensburger Stadtwerke gehören zu den 15 Gründungsunternehmen des Klimapaktes. Sie haben den "gläsernen Schornstein" gebaut, einen 35 Meter hohen Koloss, der heute das Stadtbild prägt. Zwar ist der Schornstein nicht aus Glas, dafür bietet er die Möglichkeit einer genauen Überwachung. "Die Sensoren an dem Ausgang des Schornsteins liefern permanent Daten über die ausgestoßenen CO2-Emissionen an die Umweltbehörden", sagt Matthias Wolfskeil.

Klimaschutz kann wirtschaftlich sein

Renovierte/wärmegedämmte Hausfassade in Flensburg

Moderne Fassadendämmung spart Geld

Neben den Stadtwerken ist der "Selbsthilfe-Bauverein" (SBV) das wohl wichtigste Mitglied im lokalen Klimapakt. Die Baugenossenschaft verfügt über 7000 Wohnungen und ist damit der größte Immobilienverwalter der Stadt. "Moderne Isolierungen können bis zu 50 Prozent der Heizkosten senken", sagt Raimund Dankowski, der Geschäftsführer beim SBV. "Die Kosten für energieeffiziente Sanierung amortisieren sich somit schnell." Für ihn ist die Reduzierung des CO2-Ausstoßes zwar ein durchaus positiver, letztlich jedoch nebensächlicher Aspekt. Was für ihn zählt ist die Zufriedenheit der Kunden.

Auf den ersten Blick kollidiert also das wirtschaftliche Interesse der Stadtwerke mit Energiesparwünschen der Endabnehmer. Die einen wollen mit einer möglichst hohen Absatzmenge des Stroms den Profit steigern, die anderen wollen Energie und damit auch Geld sparen. Doch am Ende beide ziehen am gleichen Strang, heißt es: "Auch wenn die Stadtwerke kurzfristig ihre Absatzmengen zurückfahren würden, kann das Kraftwerk Strom und Wärme an die umliegenden Regionen liefern", sagt Wolfskeil von den Stadtwerken. "Ich bin mir sicher: Das Flensburger Modell wird in ganz Deutschland zum Verkaufsschlager."

Autor: Artjom Maksimenko
Redaktion: Monika Griebeler

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