Fleischskandal: Erste Länder stoppen Importe aus Brasilien | Aktuelles | DW | 20.03.2017
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Brasilien

Fleischskandal: Erste Länder stoppen Importe aus Brasilien

Der Skandal um Gammelfleisch droht Brasiliens Handelsbeziehungen zu belasten. Nun haben mehre Länder ihre Fleischimporte gestoppt - darunter der zweitwichtigste Abnehmer brasilianischer Fleischwaren, China.

Wie das brasilianische Landwirtschaftsministerium mitteilte, hat China die Einfuhr von Rind- und Geflügelfleisch aus dem südamerikanischen Land gestoppt. Ähnlich reagierte Chile. Die Europäische Union forderte von den brasilianischen Behörden eine Garantie, kein verdorbenes Fleisch zu erhalten. Die Behörden müssten sicherstellen, dass in den Skandal verstrickte Firmen kein Fleisch in die Europäische Union liefern, sagte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel. Ansonsten müsse ihnen die Exportgenehmigung für die EU entzogen werden.

Temer: Keine Gefahr für Konsumenten

Zuvor hatte Brasiliens Präsident Michel Temer die Gefahr für Konsumenten im In- und Ausland heruntergespielt. Bei einem Treffen mit Botschaftern wichtiger Importländer betonte er, verdorbenes Fleisch und gefälschte Zertifikate habe es nur "in sehr wenigen Betrieben" gegeben. Es handele sich nicht um ein weit verbreitetes Problem. Die verdächtigen Betriebe will Temer Informationen der Zeitung "O Globo" zufolge besonderen Kontrollen unterziehen. Insgesamt stünden bisher 21 Produktionsstätten unter Verdacht, in den Fleischskandal verwickelt zu sein. Von diesen hätten aber nur sechs in den vergangenen 60 Tagen Fleisch exportiert, versuchte Temer abzuwiegeln.

Brasilien Präsident Michel Temer in Steak House in Brasilia (Getty Images/AFP/E. Sa)

Michel Temer: "Unsere Kontrollinstanzen gehören zu den effizientesten und rigorosesten der Welt"

Dabei findet der Verkauf und Export ungenießbarer Fleischwaren nach Informationen der brasilianischen Bundespolizei schon seit Jahren statt. Das teilte sie nach Razzien in sechs Bundesstaaten am Freitag mit. Den Erkenntnissen zufolge haben mehrere Betriebe mit Wasserspritzen das Gewicht von Fleischstücken erhöht, Wurstprodukte mit Pappmaschee gestreckt und bereits verdorbenes Fleisch mit krebserzeugenden Substanzen behandelt. Zu den verdächtigen Betrieben gehören JBS, der weltweit größte Verarbeiter von Rindfleisch, und der Großkonzern BRF Foods.

Festnahmen und Betriebsschließungen

Um über die illegalen Praktiken hinwegzusehen, sollen dutzende Mitarbeiter der brasilianischen Gesundheitsbehörden bestochen worden sein. Der Bundespolizei zufolge haben mindestens zwei politische Parteien der Regierungskoalition profitiert. Unter anderem soll die PMDB von Präsident Temer illegale Zuwendungen erhalten haben. Im Rahmen der Ermittlungen wurden bislang mindestens 30 Menschen festgenommen und drei Betriebe geschlossen.

Brasilien ist der größte Fleischexporteur der Welt. Es liefert jährlich Produkte im Wert von über 10 Milliarden Euro unter anderem nach Europa, in die USA und nach China.

ie/as (epd, afp, dpa)

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