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Wirtschaft

Flaute in den Häfen

Deutschland ist eine der stärksten Schifffahrtsnationen. Doch nach dem Boom der letzten Jahre liegen in den Häfen viele Schiffe mangels Ladung fest. Die Krise erfasst nun auch die deutsche maritime Wirtschaft.

Cointainerfrachter im Hamburger Hafen (Foto: Hamburger Hafen)

Von der Krise nicht verschont: die Containerschifffahrt

Die maritime Wirtschaft ist einer der größten Industriekomplexe in Deutschland. Mit ihren wichtigsten Sektoren - Schiffbau und Zulieferindustrie, Schifffahrt und Häfen, Meerestechnik, Binnenschifffahrt und Fischerei - hat sie eine enorme Bedeutung. Mehr als 300.000 Arbeitskräfte sind hier beschäftigt, hinzu kommen Zulieferer und Dienstleistungen. Doch die Wirtschaftskrise macht auch vor der maritimen Wirtschaft nicht Halt. 319 Millionen Tonnen Güter wurden im vergangenen Jahr in deutschen Häfen umgeschlagen. Jetzt ist es deutlich weniger. Reederein, Häfen und Werften müssen erhebliche Wachstumseinbußen hinnehmen, es fehlt an Beschäftigung.

Auf einer Containerbrücke im Hamburger Hafen werden in der Dunkelheit Container abgeladen. (Foto: Hamburger Hafen)

Rund um die Uhr werden Container geladen

Häfen wie Hamburg und Rostock suchen ihr Heil in der Kurzarbeit. Trotzdem könnten bis Jahresende bis zu 1400 Arbeiter ihren Job verlieren. In Bremerhaven sollen die Verträge von rund 800 befristet eingestellten Arbeitern auslaufen. Bis zu 500 Festangestellte sind ebenfalls betroffen. Für die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Dagmar Wöhrl, die für die Bundesregierung die maritime Wirtschaft koordiniert, ist die Krise trotzdem nur eine vorübergehende Flaute. "Ich bitte da auch ein Augenmerk darauf zu legen: es ist keine strukturelle Krise. Die maritime Wirtschaft war eine Zukunftsbranche und wird auch eine Zukunftsbranche sein", sagt sie.

Milliardeninvestitionen

Ein Luftbild des Hamburger Hafens. (Foto: Hamburger Hafen)

Der Hamburger Hafen ist der größte in Deutschland

So wollen Bund und Länder auch nicht an ihrem nationalen Hafenkonzept rütteln, das auf eine einheitliche Entwicklung der deutschen See- und Binnenhäfen setzt. Häfen sollen aus- und neugebaut, die Fahrrinnen in Elbe und Weser vertieft werden. An Land sind Verbesserungen in der Logistik und auf den Verkehrswegen geplant. 12 Milliarden Euro stehen dafür in den kommenden zwei Jahren zur Verfügung, 210 Millionen Euro sind allein für die seewärtigen Hafenzufahrten und Hinterlandanbindungen eingeplant.

Doch während solche langfristigen Ausbauprojekte auf der letzten, der 5. Maritimen Konferenz, die im Dezember 2007 in Hamburg stattfand, noch dominierten, steht auf der diesjährigen Konferenz in Rostock am 29. und 30. März vor allem das kurzfristige Krisenmanagement im Mittelpunkt. Staatssekretärin Wöhrl denkt dabei vor allem an akute Liquiditätsengpässe, die es zur Zeit auch im maritimen Bereich gibt. Die Bundesregierung bietet finanzielle Hilfen an und sieht sich dabei in einer Brückenfunktion. Irreparable Schäden und strukturelle Verwerfungen in der Branche müssten verhindert werden.

Aufträge werden storniert

Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Rostock. Aufnahme: Rostock Port/nordlicht.

Kreuzfahrten weiter beliebt

Zwar sind die Orderbücher der Werften mit Aufträgen im Wert von rund 13,3 Milliarden Euro noch gut gefüllt, doch es mehrt sich die Zahl der Stornierungen. Schiffe sind teure Investitionsgüter mit einer langfristigen Finanzierung. In der Krise kommen zum einen die Reeder mit der Tilgung in Verzug, auf der anderen Seite stellen sich die Banken bei der Finanzierung von Schiffsneubauten quer. Derzeit sind Aufträge im Wert von fast einer Milliarde Euro betroffen. Daran hat auch die labile Lage der HSH Nordbank Schuld, die vor der Finanzkrise der größte deutsche Schiffbaufinanzierer war. Um die Situation zu entschärfen, hat die Bundesregierung über die KfW-Bankengruppe ein Sonderprogramm aufgelegt, das bereits von Reedern und Werften in Anspruch genommen wird.

Keine Staatsbeteiligung an Werften

Für Wöhrl ist dennoch klar, dass die staatlichen Hilfen nur ein Baustein sein können. Der Staat könne nur unterstützend helfen. Richten müssten es die maritimen Akteure selbst. "Wir können uns nicht an einer Werft beteiligen und wir können auch nicht als Reeder von Containerschiffen tätig werden. Und es wird auch keine Abwrackprämie für Schiffe geben, auch wenn ich in letzter Zeit aus der Branche darauf oft angesprochen worden bin", betont Wöhrl. Für die Branche gelte es, die Krise durch zu stehen und sich so aufzustellen, dass es bei anspringender Konjunktur sofort wieder aufwärts gehen kann. Denn eins ist für Wöhrl und alle Experten klar: Die Globalisierung und der Welthandel werden sich weiter ausdehnen. Schon heute wird der deutsche Außenhandel zu einem Drittel über die Häfen abgewickelt und weltweit werden 90 Prozent aller Güter auf dem Seeweg transportiert.

Autor: Sabine Kinkartz

Redaktion: Monika Lohmüller

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