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Wissen & Umwelt

Flashmobs und Flyer - NGOs in Doha

Delegationen aller Länder verhandeln in Katar über ein neues Klimaabkommen - hinter verschlossenen Türen. Trotzdem haben die Vertreter von NGOs Einfluss auf die Gespräche.

Er sieht schon ein bisschen müde aus, als er das Konferenzzentrum in Doha gegen 19 Uhr verlässt, aber Feierabend hat Martin Kaiser noch lange nicht. Der Leiter Internationale Klimapolitik bei Greenpeace Deutschland will sich noch mit anderen Aktivisten treffen, Informationen zum Verhandlungsstand austauschen, einen Beitrag für seinen Blog schreiben. Für Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wie ihn sind die Klimagipfel-Tage schon in der ersten Woche lang. Denn während die Verhandlungen zwischen den Staaten erst langsam an Fahrt aufnehmen, geht es den NGOs darum, jede Minute zu nutzen – von Anfang an.

Unterstützung für die Delegierten

Martin Kaiser, Leiter Internationale Klimapolitik Greenpeace (Foto: Allmeling / DW)

Martin Kaiser arbeitet in Doha rund um die Uhr

"Wir müssen sehr viel mehr tun, um die globale Erwärmung aufzuhalten", sagt Martin Kaiser und blickt über die sich leerenden Gänge im Konferenzzentrum. "Das Schneckentempo in diesen Gebäuden ist eine echte Herausforderung." Er und seine Mitstreiter wollen die Delegationen dazu bewegen, sich auf einen wirksamen Klimaschutz zu einigen. Bei einer ganzen Reihe von Staaten finden die Aktivisten auch Gehör. "Es gibt hier über hundert Länder, die einen sehr viel ambitionierteren Klimaschutz sehen wollen", sagt Kaiser. "Die sind natürlich auch dankbar, wenn sie die Unterstützung von Seiten der Nichtregierungsorganisationen haben."

Schon im Vorfeld einer Klimakonferenz versuchen die NGOs, ein Vertrauensverhältnis zu den Delegierten aufzubauen. "Dazu ist eine seriöse, wissenschaftsbasierte Arbeit über viele Jahre hinweg notwendig", sagt Christoph Bals, politischer Direktor der Nichtregierungsorganisation Germanwatch. Die NGOs können mit einer ganzen Reihe von Spezialisten aufwarten. Je größer die Organisation, desto breiter ist in der Regel ihr Spektrum. Nur die ganz großen NGOs wie Greenpeace können allerdings den Dreiklang aus politischer Einflussnahme, weltweiten Aktionen und Medienkampagnen leisten.

Viele Politiker schätzen die Arbeit der NGOs. Zum Beispiel Mira Mehrishi. Die Verhandlungsführerin der indischen Delegation stellt den NGOs insgesamt ein gutes Zeugnis aus. "Sie beeinflussen unsere Arbeit positiv", sagt sie. "Egal was wir tun – sie schauen es sich kritisch an. Und wenn wir einen Fehler machen, kommen sie auf uns zu und machen uns darauf aufmerksam." Eine ganze Reihe von Delegationen geht auch von selbst auf NGOs zu und lädt sie zu Gesprächen ein.

Aufmerksamkeit durch Aktionen

Arabische Aktivisten von indyAct stellen den Verhandlungsprozess in Doha als Fußballspiel dar (Bild: DW/Anne Allmeling)

Sportliche Aktivisten von indyAct

"Wir haben schon das Gefühl, dass wir einen gewissen Einfluss haben und wohl auch ernst genommen werden", sagt Christoph Bals von Germanwatch. Auch Ali Fakhry von indyAct, einem Zusammenschluss von unabhängigen Aktivisten aus den arabischen Ländern, ist fest davon überzeugt, dass NGOs das Ergebnis der Klimakonferenz beeinflussen. Weil sie die Delegationen beraten, aber auch Druck ausüben können – auf die Delegationen von Ländern, die sich nicht auf bestimmte Klimaschutz-Ziele festlegen wollen. IndyAct versucht das mit Aktionen, die Aufmerksamkeit erzeugen und das Thema Klimawandel in die Öffentlichkeit tragen. "Flashmobs, Flyer, Vorführungen – wir nutzen dafür alle Kanäle", sagt der Libanese Fakhry. In den arabischen Ländern hat indyAct damit einige Erfolge erzielt.

Nandi Merdes von YOUTHinkgreen (Foto: Allmeling / DW)

Nandi Merdes setzt sich auch zu Hause für das Klima ein

Nandi Merdes aus Namibia ist weniger optimistisch. Sie gehört zu den jungen Klimabotschaftern der Nichtregierungsorganisation YOUTHinkgreen. Am Rande der Konferenz hat die 16-Jährige mit einer Gruppe von Jugendlichen aus aller Welt ihre Vorstellungen von einer verantwortungsvollen Klimapolitik vorgetragen. Dass Jugendliche auf der Klimakonferenz kaum Gehör finden, findet sie enttäuschend: "Insgesamt bekommen wir nicht genug Chancen, uns auszudrücken und unsere Meinung zu sagen", sagt sie. Lediglich drei Tage darf sie bei der Konferenz dabei sein. Und das, sagt sie, obwohl ihre Generation mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen haben wird.

Wenn Nandi zurück nach Namibia reist, geht der Verhandlungsmarathon in Doha erst richtig los. Dann wird auch der ein oder andere Delegierte mit müdem Gesicht durch das Konferenzzentrum laufen. Vielleicht, weil es spätabends noch ein Treffen mit einem NGO-Vertreter gab.

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